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Branchenmeldungen 04.11.2014

Daktari for Maasai – Mobile Zahnmedizin in der Serengeti

Daktari for Maasai – Mobile Zahnmedizin in der Serengeti

Weltweit bekannt wurde die Serengeti schon in den Fünfzigerjahren sicherlich durch die zahlreichen Filmdokumentationen von Prof. Bernhard Grzimek. Die Darstellungen aus „Serengeti darf nicht sterben“ waren so beeindruckend, dass er dafür sogar den Oscar für den besten Dokumentarfilm im Jahre 1960 erhielt. Seine Filmberichterstattungen und sein ganz persönlicher Einsatz führten schließlich zu einem sensibleren Umgang mit der einmaligen Natur Tansanias und schlussendlich auch zu der Erweiterung und Sicherung des wichtigsten Nationalparks Tansanias – der Serengeti.

Manche Naturforscher sehen sie auch als den wichtigsten Nationalpark weltweit an, denn von der Serengeti hängt die gesamte Migration der Wildtiere und damit deren Überleben ab. Es ist das größte aktive Ökosystem von Säugetieren mit einer Gesamtzahl von bis zu sechs Millionen. Auf ihrer langen Wanderung durchqueren Millionen von Wildtieren permanent – dem Futterangebot folgend – die gesamte Serengeti und überqueren dabei auch den Mara River, um in die sich nach Kenia anschließende Maasai Mara zu gelangen.

Entwicklung des Projekts

Nach einer Kilimandscharoexpedition im Jahre 2010 führte mich die anschließende Safari genau mitten in das Herz der Serengeti und von dort weiter in den Norden zur kenianischen Grenze in ein kleines Maasaidorf namens Ololosokwan. Die sehr stolzen und dennoch kontaktfreudigen Maasai nahmen mich freundlich auf. Mein Führer Seleu Kedoki, als ortsansässiger Ranger von andBeyond bestens mit der Region vertraut, führte mich außer zu den klassischen Orten für Elefanten, Löwen und Leoparden auch in sein Dorf und zeigte mir dort voll Stolz die Schulen sowie eine kleine Klinik. Die Klinik war eine Stiftung von andBeyond und Africafoundation und bestand aus einem soliden Betongebäude mit sieben Zimmern, von denen zwei eingerichtet waren. Das Schild „Daktari“ auf der Tür von Behandlungszimmer 4 hatte eine tiefe Wirkung auf mich und ich versprach noch im Moment vor Ort dem Arzt Dr. Obed, dort eine Zahnstation einzurichten.

Die Rahmenbedingungen waren einfach optimal und ich wusste in dem Moment, dass wir den bereits lange gesuchten Platz für unser dentales Projekt in Afrika gefunden hatten. Nach mehrjähriger Tätigkeit für Land Rover als mobiler Zahnarzt auf den großen Geländewagenevents wie Camel-Trophy, Land Rover G4-Challenge und Land Rover Experience schlug mein Herz schon lange für einen festen afrikanischen Standort, von dem aus man medizinische Ziele mithilfe von Geländewagen erreichen konnte. Überall auf meiner Safari war ich mit dem großen Mangel an jeglicher zahnmedizinischer Versorgung konfrontiert worden.

Tansania hat eine Bevölkerung von 52 Millionen Einwohnern … Dafür stehen aber nur 250 tansanische Zahnärzte zur Verfügung, mit der Folge, dass ganze Landstriche komplett ohne jegliche Versorgung auskommen. Im Regelfall müssen die Betroffenen lange Fußmärsche und strapazenreiche Reisen auf sich nehmen, um in einer fernen Stadt einen Zahnarzt zu finden. Zudem sind die generellen Standards der Zahnarztpraxen leider noch auf einem sehr schwach entwickelten Niveau, sodass generell eine große Behandlungsangst in der Bevölkerung vorherrscht. Und meist sind andere Nöte in vielen Gebieten so groß, dass Zahnbehandlungen aus ökonomischen Gründen verschoben werden müssen.

Start des Projektes

Es dauerte ein knappes Jahr, bis wir seitens unserer Praxis DentalSpecialists das Projekt „Daktari for Maasai“ starten konnten. Daktari for Maasai ist Suaheli und bedeutet Doktoren für Maasai. Ausgestattet mit perfektem mobilen Equipment, vollem Enthusiasmus und Abenteuergeist ging es zu den Zielpunkten Lake Manyara, Ngorongoro Conservation Area und Serengeti. Als einen Hauptpartner konnten wir andBeyond gewinnen. Die südafrikanische Gruppe betreibt in den Regionen, in denen Daktari for Maasai tätig wird, Lodges und hilft uns praktisch täglich bei der Umsetzung des Projekts. Auf der einen Seite bekommen damit die entlegensten Regionen Tansanias zahnmedizinische und medizinische Hilfe. Die Angestellten der Lodges stammen je nach Region bis zu 90 Prozent von den Maasai ab. Deren Familien und weitere Bewohner der umliegenden Dörfer nehmen gerne unsere moderne zahnmedizinische und medizinische Hilfe an. Dafür werden auch mal Fußmärsche von 200 Kilometern durchgeführt und auch die Maasai aus der benachbarten Maasai Mara überqueren die kenianische Grenze, um zahnmedizinische Hilfe von uns zu erlangen. Zum anderen ist es für die Umsetzung des Projekts „Daktari for Maasai“ unentbehrlich, vor Ort einen lokalen, zuverlässigen Partner wie andBeyond zu haben. Das Projekt bekommt in der Kooperation logistische und kommunikative Unterstützung auf allen Ebenen. Dies gibt dem Projekt Konstanz, Sicherheit und Berechenbarkeit in der Umsetzung durch die zuverlässigen andBeyonder vor Ort. Auch daraus resultiert ein hohes Maß an Sicherheit für die Teilnehmer. In der Philosophie von andBeyond stehen immer der Schutz und die Entwicklung der Natur und der Wildtiere im Mittelpunkt. Weiterhin die sensible Unterstützung und Entwicklung der Menschen in den Regionen, in denen andBeyond aktiv ist. Dies kann durch Errichtung von Schulen und Kliniken erfolgen. Sehr wohl aber auch durch eine nachfolgende Anstellung von Ärzten in den Kliniken, die eine Grundversorgung sicherstellen können. Dies kann ebenfalls durch die Kooperation mit „Daktari for Maasai“ erfolgen, da wir in der Lage sind, uns so einzubringen, dass hochspezifische Behandlungen dort durchgeführt werden können, wo normalerweise niemand tätig wird.

Damals startete ich mit meiner Partnerin von DentalSpecialists, Dr. Caroline Kentsch, zum ersten Prescout nach Tansania mit CONDOR von Frankfurt am Main aus. Nach Ankunft am Kilimanjaro Airport übernahmen wir einen speziell präparierten 4x 4 Toyota Land Cruiser als Long Chassis in Safariausstattung. Das perfekte Reisevehikel mit guten G eländewageneigenschaften und großer Traglast. Wir fuhren als erstes nach Arusha, um weitere Medikamente und Instrumente in Empfang zu nehmen. Fünfzehn Transportkisten aus Deutschland waren noch nicht genug. Aus der eigenen Fertigung von Medeor in Arusha übernahmen wir zahlreiche Medikamente und weitere Instrumente, die wir über medeor Tansania geordert hatten. Zunächst fuhren wir dann nach Lake Manyara und wurden dort zwei Tage aktiv. Zuerst wurden die Lodgemitarbeiter und deren Familien behandelt. Dann kamen schon aus Neugier zahlreiche weitere Dorfbewohner. Nach anstrengender Serengetidurchquerung gelangten wir nach Ololosokwan. Sowohl auf der Lodge Kleins Camp als auch in der Klinik in Ololosokwan waren wir täglich im Einsatz. Unterstützung brauchten wir zunächst auch in der Klinik, die bis dato weder über elektrischen Strom noch fließendes Wasser verfügte. Ein mehr oder weniger funktionierender Generator wurde geliefert und wir passten unsere Arbeitsweisen der neuen Umgebung der Maasai an. Wir lernten zügig mit der Hitze, Tsetsefliegen, Moskitos, Fliegen und weiteren zahlreichen Insekten klarzukommen. Eine speziell zur Insektenabwehr georderte Rußkerze leistete gute Dienste, führte aber zu einer kompletten Rußfärbung der Mundschützer und der Bekleidung. Zu dem Zeitpunkt verfügten wir noch über keine Behandlungsstühle und mussten Patienten den ganzen Tag über stehend behandeln. Die Patienten wurden dazu entweder auf einen Bürostuhl gesetzt oder aber liegend auf einer Arztliege behandelt. Wir sammelten zahlreiche Erfahrungen auf diesem Prescouttrip in die Serengeti und konnten uns so für die nächste Reise vorbereiten.

Da wir beim ersten Mal kein Hilfspersonal mitgenommen hatten, planten wir für den nächsten Trip in der Hinsicht anders. Mein enger Freund Dr. Axel Roschker aus Köln, spezialisierter Implantologe und Oralchirurg, begleitete mich tatkräftig zusammen mit zwei Mitarbeiterinnen unserer Klinik DentalSpecialists in Düsseldorf. Sandra Ahsan arbeitet auch bei uns selbstständig als Dentalhygienikerin und Miriam Schorn verwandelte sich unter den Dschungelbedingungen von Lake Manyara zu einer Chirurgiefee, die blind die operativen Wünsche des Dr. Roschker erfüllen konnte.

Mit den weiteren bei medeor erworbenen Gütern statteten wir die Plätze aus, an denen wir tätig wurden. Seitdem finden sich chirurgische Absaugpumpen und Instrumente in Lake Manyara und in Ololosokwan. Dort konnten wir sogar zwei weitere mobile Zahnbehandlungsstühle nebst OP-Leuchten installieren. In einer solchen Besetzung von praktisch drei Behandlern konnten in 14 Tagen über 650 Maasai zahnmedizinisch behandelt werden. Von der örtlichen Bevölkerung wurde das Projekt mehr und mehr angenommen. Die Schulklassen der Primary und Secondary Schools in Ololosokwan besuchen nunmehr regelmäßig unsere hochspezialisierte Klinik. Dazu kommen die Kinder meist als geschlossene Schulklasse zur Zahnbehandlung in die Klinik.

Fortführung des Projektes

Auch bei einem weiteren Projektaufenthalt im Januar 2013 unter der Leitung von Frau Dr. Caroline Kentsch und Dr. Axel Roschker konnten gut 650 Patienten behandelt werden. Hier waren neben drei Ärzten wiederum zwei Assistentinnen dabei. Es ist in jedem Fall nur positiv zu bewerten, dass wir aufgrund des technisch aufwendigen Equipments eben nicht nur reine Extraktionstherapien als Schmerzbehandlungen durchführten. Es wurden zahlreiche, geklebte Kunststoffbrücken gefertigt, die Frontzahnlücken schließen. Viele Frontzahnfüllungen wurden gelegt, um sowohl kariöse Zähne zu behandeln, andererseits aber auch bei schwerwiegender Fluorose zu einer Verbesserung der Ästhetik zu kommen.

Die Fluorose ist ein sehr verbreitetes Problem der Bevölkerung in Tansania. Im Norden im Großraum Arusha sind bis zu 90 Prozent der Bevölkerung von schwerer Fluorose betroffen. Ebenfalls sind wir in der Lage, Zähne durch Wurzelbehandlungen zu retten. Auch können Seitenzähne füllungstechnisch erhalten werden. Umfangreiche Parodontalbehandlungen können mit unseren Ultraschallgeräten und mobilen Lasern durchgeführt werden. Die koreanischen, digitalen Röntgengeräte von Dexcowin ermöglichen uns in jeder Situation gestochen scharfe Bilder digital und in Sekundenschnelle auf das Laptop zu zaubern. Insbesondere für die Durchführung chirurgischer Eingriffe und Wurzelfüllungstherapien sind diese Geräte zwingend erforderlich.

Im September 2013 erfolgte eine weitere Entwicklungsstufe des Projekts: Unsere Universität von Sevilla bat uns, das Projekt auch zur Ausbildung von Oralchirurgen nutzen zu können. Somit reisten wir dann im September mit Dr. Axel Roschker und mit den beiden spanischen Oralchirurgen, Dr. Roberto Garrido und Dr. Francisco Azcarate, nach Lake Many ara, Ngorongoro und Serengeti/Ololosokwan. Weiterhin gesellte sich auch Frau Dr. Andrea Chan aus England dazu, welche vorab sechs Jahre als Zahnärztin bei der Britischen Navy tätig war. Ihr nur einwöchiger Aufenthalt klappte, da Ololosokwan von Arusha aus mit kleinen Flugzeugen täglich zu erreichen ist. Diese internationale Truppe operierte nonstop in allen bereits zuvor auch besuchten Gebieten des tansanischen Festlands. Die Internationalität beflügelte das Projekt immens. Das Zusammenspiel der einzelnen Spezialisten, obwohl sie noch nie miteinander operiert hatten, klappte hervorragend. Auch umfangreichere, chirurgische Eingriffe konnten von dem versierten Oralchirurgenteam gelöst werden. Eine Quintessenz war klar, dass es wesentlich effizienter ist, mit einem größeren Team zu behandeln, da viele Tätigkeiten verlagert werden können und einfach hoch spezialisierte Fachleute auch zur Assistenz zur Verfügung stehen.

Im Februar 2014 führte uns der Weg wieder mal auch nach Sansibar, nachdem wir dort bereits im Februar 2013 ein Pilotprojekt gestartet hatten. Diesmal war auch mein weiterer Partner von DentalSpecialists, Prof. Dr. Marcel Wainwright, mit. Die örtlichen und klimatologischen Voraussetzungen sind jedoch dort für mobile Zahnbehandlungen schwieriger als auf dem Festland. Die Tagestemperaturen klettern leicht über 33 Grad Celsius und die hohe Luftfeuchtigkeit tut das ihrige für extreme körperliche Belastungen. Wir passten die Behandlungszeiten und die Arbeitsweisen den neuen Bedingungen an. Wegen der Unterbringung und Einrichtung unserer Klinik auf einer vorgelagerten kleinen Insel, gelangten täglich die Patienten per Boot zur Zahnbehandlung zu uns. Das Inselleben ließ bei uns ein Gefühl von Robinson Crusoe aufkommen. Auch sonst sind die Behandlungen von anderen Rahmenbedingungen geprägt. Stehen auf dem tansanischen Festland doch meist die chirurgischen Behandlungen im Vordergrund, haben wir auf Sansibar überproportional viele Fälle mit gravierender Parodontitis zu versorgen. Dies liegt zum einen an einer unterschiedlichen genetischen Disposition für diese Erkrankungen, klar aber auch an den unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten. Auf Sansibar werden mehr Fisch und Gemüse konsumiert und Süßigkeiten sind schwerer zu bekommen als auf dem Festland. Auch ist das Aufkommen der Fluorose hier fast unbekannt. Nach langen Vorbereitungen von Deutschland aus hatten wir aber unser Equipment erheblich erweitert. Neben den bewährten chirurgischen Absaugpumpen konnte uns über medeor Tansania eine neue chinesische Behandlungseinheit zugestellt werden. Dies war recht abenteuerlich, da es doch sehr viele administrative Hürden und Hindernisse bis zur Auslieferung der Einheit zu überwinden galt. Täglich erhielten wir seitens DHL die Zusage, die Einheiten würden rechtzeitig geliefert. Aber immer wieder kam etwas Unerwartetes seitens der afrikanischen Behörden dazwischen.

Mal waren die Lieferpapiere vom Zollbeamten willkürlich geändert worden; mal wurde die Fracht wieder entladen, weil das Flugzeug von Daressalam nach Sansibar angeblich zu schwer war. Wir hatten gottlob eine weitere Behandlungseinheit einsatzbereit dabei, sodass wir unsere täglichen Patienten alle sicher behandeln konnten. Nur durch die gute Kooperation der Mitarbeiter von medeor Tansania und andBeyond war es überhaupt möglich, eine administrative Lösung zu erzielen.

Als die chinesische Einheit endlich bei uns ankam, waren wir über deren Kompaktheit und Effizienz sehr überrascht: Ein hocheffektiver, integrierter Kompressor macht die Einheit innerhalb von fünf Sekunden betriebsbereit und es lassen sich damit alle Eingriffe von der Kunststofffüllung bis hin zu schweren chirurgischen Fällen lösen. Ein sehr angenehmes Behandlungsteil, welches auch mit dem Normalgepäck bis 23 kg aufgegeben werden kann. Diese Einheit bildet die Basis für alle weiteren mobilen Behandlungsschritte der Daktaris for Maasai. An dieser Stelle möchten wir uns auch bei unserem 3. Hauptpartner Condor Contribute bedanken, dass sie uns immer beim Transport der medizinischen und zahnmedizinischen Hilfsgüter helfen. Ohne diese Unterstützung wäre ein solches dentales Abenteuerprojekt kaum machbar. Der Dank der Menschen in Tansania, die von uns kostenfrei behandelt werden, ist unbeschreiblich und mit nichts im medizinischen Bereich zu vergleichen. Herzlichen Dank auch von den Daktaris for Maasai … Gute Reise – Na Safari Nzuri!

Foto: Profesor Invitado Universität Sevilla Dr. med. dent. Martin Jörgens
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