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Branchenmeldungen 07.04.2020

Zahnmedizin vor 100 Jahren: Der sprechende Kater Peter Alupka

Zahnmedizin vor 100 Jahren: Der sprechende Kater Peter Alupka

In der Pandemie vor der derzeitigen COVID-19 Krise, der Spanischen Grippe, gab es, so wie heute auch, einzelne Fälle von Übertragungen des Virus, damals H1N1, auf unsere Haustiere. Ich möchte von einem besonderen Fall erzählen, der in der Zeit vor 100 Jahren spielt.

Es ist die Geschichte vom „sprechenden Kater“ Peter Alupka1. Nach Zeitungsberichten aus dieser Zeit rettete die Zahnärztin Dr. Thea Sutoris im Jahr 1908 in ihrer Heimatstadt Hamburg einen 3-jährigen Kater vor einer Hundemeute. Der dankte ihr das mit großer Anhänglichkeit. Er habe keinen edlen Stammbaum, sondern sei ein gewöhnlicher Straßenkater. Der Zahnärztin fällt auf, dass der Kater im engen Kontakt mit ihr menschlichen Lauten Ähnliches hervorbringt. Daraufhin beginnt seine Besitzerin, sich intensiv mit dem Tier zu befassen. Durch das Entfernen mehrerer Zähne, so Frau Dr. Thea Sutoris, sei es möglich geworden, das Sprechen des Katers verständlich zu machen, da Katzenkiefer ganz anders gebaut sind als der des Menschen und sich von Natur aus nicht zum Sprechen eignen. Ihr Interesse an Tieren und ihren Möglichkeiten der Lautformung stammen aus der Arbeit mit Menschen, die Stottern oder Lispeln. Dr. Sutoris versucht eine wirksame Therapie zu finden, um ihren Patienten mittels Stimmübungen und zahntechnischer Korrekturen zu helfen.2 Und tatsächlich funktioniert ihre Methode beim Kater Peter: durch schier endloses geduldiges Üben war er nach drei Jahren so weit, dass ihn auch Fremde verstehen konnten. Das erste Wort, das dieses bemerkenswerte Tier sprechen kann, ist angeblich der Name „Anna“. Als nächstes lernt der Stubentiger „na, na, na, na!“ zu sagen, und dann „Hurra!“ zu schreien. Und zwar rief er „Hurra, hurra, hurra!“, wenn seine Besitzerin sagte: „Unser Kaiser lebe hoch!“

Peter Alupka mit Zahnärztin Frau Dr. Thea Sutoris, Hamburg. „Blatt der Hausfrauen“, Heft 46, 1917, S. 92.

Zeit, ihn der Öffentlichkeit vorzustellen. Seinen ersten Auftritt als sprechender Kater absolviert er im dichtgefüllten großen Saal des Zoologischen Gartens in Dresden am 17.8.1912 und wird in der Presse gleich bejubelt. Es erscheint sogar ein Buch über dieses Ereignis. Es folgen Auftritte in Leipzig, in Berlin, im Zirkus Busch 1912 und im Colosseum in Wien 1914, in Petersburg, in Ofen und Pest.3

Es gibt über den sprechenden Kater eine wissenschaftliche Arbeit in Form eines Gutachtens der Zoologischen Gesellschaft in Hamburg. Und der Forscher Dr. Oskar Prochnow bespricht im 12. Band seiner „Annalen der Natur- und Kulturphilosophie“ auf den Seiten 50 bis 61 das wissenschaftliche Phänomen Peter Alupka. Er schreibt, nachdem er den Kater selbst in Augenschein genommen hat: „Er gibt sich zweifellos die größte Mühe, seine Herrin zufriedenzustellen. Er verzerrt das Maul noch viel mehr als andere Katzen, artikuliert außer mit der Stimme noch durch ruckartige Bewegungen des Kopfes, am meisten wenn er mitsingen soll.“ Ja, er lernt auch zu singen. Er gibt er mehrere Lieder zum Besten, so zum Beispiel „Der Mai ist gekommen“, „Komm in meine Liebeslaube“ und „Das haben die Mädchen so gerne“. Der Kater macht alle diese Anstrengungen nur, um seiner Pflegerin zu gefallen, erhält nie eine Belohnung. Und auch Frau Dr. Sutoris profitiert nicht von den Auftritten. Sie spendet die gesamten Gagen den örtlichen Tierschutzvereinen.

Im Jahr 1916 macht Zahnärztin Sutoris Schallplattenaufnahmen von Peter Alupka. Am 24. Juli 1918 wird Peter Alupka ein Opfer der Spanischen Grippe. Doch zumindest seine Katzenstimme lebt weiter. Bei der Internationalen Katzenausstellung in Berlin 1927 und der 4. Ausstellung der Wiener Katzenfreunde 1928 erstaunt sein Gesang viele Zuhörer mittels Edison Grammophon.

Literatur

1 Alupka, russisch Алупка, ist der Name einer Stadt der subtropischen Südküste auf der Halbinsel Krim im Schwarzen Meer mit 8.600 Einwohnern, ca. 17 km von der Hauptstadt Jalta entfernt. Haupterwerbsquelle ist der Tourismus. In Alupka stehen mehr als 25 Erholungsheime, Pensionen und Hotels. Der Name leitet sich vom altgriechischen Wort Alepu, zu Deutsch Fuchs, ab. https://de.wikipedia.org/wiki/Alupka 

2 „Der Tag“, 21. 6. 1927, S. 3. 

3 „Vorarlberger Volksfreund“, 30. 9. 1913, S. 5 zitiert nach „Neue Züricher Zeitung“, 1913.

Autor: Dr. Wilfried Wolkerstorfer

Foto Teaserbild: Renar – stock.adobe.com

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