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Branchenmeldungen 07.05.2018

Frühjahrsakademie 2018 der DGET in Berlin

Frühjahrsakademie 2018 der DGET in Berlin

Im jährlichen Turnus finden sich die Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie e.V. (DGET) zu einer praktisch orientierten Veranstaltung ein, welche nach dem Motto „von Mitgliedern für Mitglieder“ organisiert ist: der Frühjahrsakademie. In diesem Jahr fand sie am 9. und 10. März in der ZMK der Berliner Charité statt.

Neben den üblicherweise stattfindenden Prüfungen der Curriculumsteilnehmer und Spezialisten sowie dem Vorbereitungsseminar für die Spezialistenprüfung am Freitagvormittag startete das interessant zusammengestellte Programm am Nachmittag mit Vorträgen, theoretischen Seminaren und ersten Hands-on-Kursen: Mit Prof. Hagay Shemesh/Amsterdam konnte für den ersten großen Vortragsblock am Freitag erstmalig ein renommierter internationaler Referent gewonnen werden. Er thematisierte in seinem ersten Vortrag mit dem Titel „Endodontic outcomes in the age of CBCT“ die Erfolgsbewertung endodontischer Behandlungen und stellte die zweidimensionale Röntgentechnik der digitalen Volumentomografie gegenüber. Es muss konstatiert werden, dass intraorale Röntgenbilder die tatsächliche Dimension periapikaler Läsionen oftmals nur unzureichend wiedergeben, was zur Folge hat, dass die vorhandenen Studien auf Basis der zweidimensionalen Röntgentechnik zu hohe Erfolgsprognosen beobachten. Da die Ausheilung periapikaler Läsionen grundsätzlich mehrere Jahre dauern kann, sollten Untersuchungen mit kurzen Kontrollzeiträumen kritisch bewertet werden, so Prof. Shemesh. Er regte an, nicht nur vollständige Ausheilungen, sondern auch deutliche Verkleinerungen periapikaler Läsionen und minimale Restaufhellungen als Erfolg zu werten, wenn klinisch keine Symptome festzustellen sind.

Im zweiten Teil des Vortrags wandte sich Prof. Shemesh der Frage zu, welche Innovationen hinsichtlich der Wurzelkanalfüllung Einzug in die Endodontie gehalten haben. Neben biokeramischen Sealern wurden auch neue expandierende Wurzelfüllmaterialien vorgestellt und kritisch diskutiert. Auch die Gestaltung der endodontischen Zugangskavität wurde thematisiert, wobei kritisch erwähnt wurde, dass die vielfach angestrebte Ninja-Zugangskavität die Wahl der Wurzelfüllmethode einschränkt. Im Vortrag wurde außerdem klargestellt, dass nur eine suffiziente, koronale Restauration auch langfristig den Erfolg einer endodontischen Behandlung gewährleisten kann, unabhängig davon, welche Wurzelfüllmethode oder welches Füllmaterial verwendet wird.

Herausforderungen komplexer Wurzelkanalsysteme

Im zeitgleich stattfindenden Kurs „Verbesserung der chemischen Desinfektion“ (Dr. Frank Paqué/Zürich) wurden eindrucksvoll die Herausforderungen komplexer Wurzelkanalsysteme anhand zahlreicher Mikro-CT-Untersuchungen aufgezeigt. Das mechanische Erschließen dieser Strukturen ist mit vielen klassischen Aufbereitungsinstrumenten aus der Reihe der rotierenden Nickel-Titan-Feilen nur begrenzt möglich. Liegen bspw. Isthmen vor, ist mit dem Verpressen abgetragener Dentinspäne in diese Bereiche zu rechnen. Dr. Paqué wies auf neuere Feilentypen hin, die mit der gesamten Kanalwandoberfläche in Kontakt kommen sollen und gleichzeitig den Abtransport von Debris nach koronal gewährleisten. Des Weiteren wurden aktuelle Spülprotokolle erläutert und Hilfsmittel zur Aktivierung der Spüllösungen, wie Schall- und Ultraschallspitzen aus Metall und Kunststoff, miteinander verglichen. Im praktischen Teil konnte ein transparentes Kunststoffmodell eines Oberkiefermolaren mit vier Kanälen mit einem der vorgestellten Systeme aufbereitet werden, sodass eine Aktivierung der Desinfektionslösung mit einer Kunststoffspitze möglich war.

Der Bedeutung des Zugangs zum Endodont im Rahmen von Revisionsbehandlungen trugen Prof. Dr. Henrik Dommisch, Dr. Eva Dommisch und Dr. Bernhard Bengs/Berlin in ihrem gemeinsam durchgeführten Kurs Rechnung. Sie referierten zum Thema „Entfernung dentaler Stifte“ mit besonderem Augenmerk auf Techniken, die unter der Beachtung der Schonung von Hartsubstanz Erfolg versprechend erscheinen. Mit großem Aufwand vorbereitete Zahnmodelle, in die verschiedene Stiftaufbauten eingebracht waren, konnten dazu genutzt werden, die zuvor erörterten Techniken zu trainieren und zu vergleichen.

Als Ausklang des Freitagprogramms wurde selbstverständlich wieder eine Abendveranstaltung angeboten. Es zog die Teilnehmer in das Schmelzwerk in den Sarotti-Höfen. Eine stylisch moderne Lokalität, die allen eine angemessene Räumlichkeit für weitere fachliche, aber auch private Gespräche bei guter Laune bot. Dies, untermalt von einem sehr ansprechenden Buffet und einem zuvorkommenden Service des Schmelzwerk-Teams, ließ den Abend für alle Beteiligten exzellent ausklingen.

Live-Behandlung einer Revision und Grundlagen der Adhäsivtechnik

Der Samstag startete mit einer Live-Behandlung, durch die Dr. Wolf Richter/München routiniert Einblicke in die Behandlungsabläufe einer Revisionsbehandlung gab. Es war eine tolle Möglichkeit, einem so erfahrenen Kollegen während einer komplexen Behandlung auf die Finger schauen zu können. Im praktischen Teil seines Seminars konnten die Teilnehmer am Nachmittag an mitgebrachten wurzelgefüllten Zähnen das Erlernte und das im Rahmen einer Revisionsbehandlung Gesehene umsetzen.

Ebenfalls am Samstag referierte Dr. Uwe Blunck/Berlin über das unglaublich spannende und sehr komplexe Thema „Grundlagen der Adhäsivtechnik unter besonderer Berücksichtigung der Haftung im Wurzelkanal“. Dabei wurde sowohl auf die Grundlagen der Haftung an Schmelz und Dentin als auch auf mögliche Fehlerquellen eingegangen. Sehr ausführlich thematisierte der Kollege Dr. Blunck die besonderen Umstände bei der Anwendung von Adhäsivsystemen im Wurzelkanal. Besonders interessant war die Darstellung der Universaladhäsive. Es zeigte sich, dass diese Adhäsive je nach Einsatzbereich ähnliche Haftwerte wie der Goldstandard aufwiesen. Im praktischen Teil des Kurses konnten sowohl die eigenen mitgebrachten als auch bereitgestellte, auf dem Dentalmarkt gängige Adhäsivsysteme an vorbereiteten Dentinproben bezüglich ihrer Haftwerte geprüft werden. Dabei konnten eventuelle Fehler in der eigenen Handhabung bei der Adhäsivtechnik und der Lichthärtung überprüft und korrigiert werden. Beeindruckend waren die Ergebnisse der Messung der Lichtintensität der eigenen mitgebrachten Lichtpolimerisationslampen. Dabei zeigte sich, dass minimale Änderungen des Lichteinfallwinkels zur massiven Abnahme der Lichtenergie innerhalb der Kavität führen.

Revitalisierung der Zähne, Einsatz von MTA und Rekonstruktion

In einem wissenschaftlich dominierten Vortrag auf höchstem Niveau gab Prof. Dr. Kerstin Galler/Regensburg ein Update zum Thema „Revitalisierung bei Zähnen mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum“. Das klinische Vorgehen wurde dabei, dem Protokoll der ESE entsprechend, ausführlich erläutert und Studien besprochen, die vergleichbare Erfolgsraten der Apexifikation und der Revitalisierung belegen. Auf dem Gebiet des „Tissue Engineering“ wurden zellbasierte Ansätze mit transplantierten Stammzellen sowie zellfreie Ansätze, das „cell homing“, mit bioaktiven Trägermolekülen vorgestellt und dabei auch auf die Rolle unterschiedlicher Wachstumsfaktoren aus der Dentinmatrix eingegangen.

Anschließend konnten die Teilnehmer an eigens für den Kurs entwickelten Modellen die Provokation einer Einblutung durch mechanische Irritation des periapikalen Bereichs simulieren, sodass die Abdeckung der entstandenen Kunstblutsäule in der angestrebten Kanaltiefe mit einer Kollagenmatrix und einem Silikatzement (MTA) geübt werden konnte.

Dr. Thomas Clauder/Hamburg beleuchtete in seinem Kurs den Einsatz von MTA und Derivaten der Tricalciumphosphate zuerst theoretisch und trainierte mit seinen Kursteilnehmern im Anschluss die praktische Anwendung. Die Fragestellungen nach den derzeitig verfügbaren Materialien und der vorhandenen wissenschaftlichen Datenlage standen hierbei im Zentrum des Interesses. Gerade die Flut von „neuen“ Entwicklungen in diesem Bereich suggeriert hohe Erfolgsraten, ohne dass es wissenschaftlich eine klare Datenlage zu den neuen Materialien gibt. Es gilt demnach, Obacht zu haben, für welche Indikationen man zu welcher Materialwahl kommt.

Um die Rekonstruktion endodontisch behandelter Zähne kümmerten sich Dr. Kerstin Bitter und Dr. Guido Sterzenbach/Berlin. Sie diskutierten verschiedene Versorgungskonzepte und beschrieben das Vorgehen für einzelne Behandlungsschritte detailliert. Wann die Indikation zur Stiftinsertion noch besteht, wurde ebenfalls diskutiert, und in diesem Zusammenhang die Auswahl des Stiftmaterials sowie die Befestigung der Stifte thematisiert.

Vortragsprogramm nicht nur für Mitglieder

Sehr erfolgreich hat die Frühjahrsakademie der DGET in Berlin erstmals ihre Türen für Nichtmitglieder geöffnet: Im Rahmen eines Vortragsprogramms am Samstag waren Berliner Kollegen eingeladen, sich von Referenten aus den Reihen der DGET auf den neuesten endodontischen Stand bringen zu lassen. Dieses Angebot fand regen Anklang – mehr als 100 Kollegen begeisterte das angebotene Programm.

Wie in den Vorjahren war die Frühjahrsakademie eine vollkommen gelungene Veranstaltung, die mit hochkarätigen Referenten aus den eigenen Reihen gespickt war. Es wurden sowohl theoretische Grundlagen vermittelt als auch die Möglichkeit geboten, unter Anleitung ausgewiesener Spezialisten sein theoretisches Wissen auch praktisch anzuwenden und zu vertiefen. Das Ganze ist im kollegialen Zusammenspiel eine ganz besonders wunderbare Sache, die seinesgleichen sucht.

weitere Autoren: Dr. Leander Zutz, Dr. Michael Drefs, Dr. Michael Bruder

Dieser Beitrag ist im Endodontie Journal 2/18 erschienen.

Foto: DGET
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