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Branchenmeldungen 12.03.2018

GOZmasters Premiere – Streiten und diskutieren erwünscht

Antje Isbaner
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GOZmasters Premiere – Streiten und diskutieren erwünscht

Die Zahnärztliche Abrechnungsgenossenschaft eG (ZA) rief anlässlich ihres 30. Firmenjubiläums eine ungewöhnliche wie innovative Fortbildungsveranstaltung ins Leben, die GOZmasters. Unter dem Motto „wissen.diskussion.inspiration“ wurden am 10. März in Düsseldorf aktuelle Streitfragen zur GOZ in spannenden Diskussionen, die jeweils zwei entgegengesetzte Standpunkte vorführten, erörtert.

Vor 30 Jahren trat die Gebührenordnung für Zahnärzte, kurz GOZ genannt, in Kraft. Seitdem besteht auch die Unternehmensgruppe ZA, die von und für Zahnärzte 1998 gegründet wurde. Ein Grund, die korrekte Auslegung der GOZ genauer zu betrachten. Doch welche Auslegung ist die wirklich korrekte? Dieser Frage stellte sich die ZA mit ihrer ganztägigen Veranstaltung GOZmasters am 10. März in Düsseldorf. Bei der Premiere referierten acht renommierte Fachleute aktuelle und in Bezug auf die Praxis wirtschaftlich bedeutsame Streitfragen zur zahnärztlichen Gebührenordnung. Dabei trug jeweils ein Referent zu je einem der zehn Themen eine These vor, die von einem anderen Referenten mit einer Antithese widerlegt wurde. ZA-Vorstandsmitglied und Mitinitiator Dr. Daniel von Lennep erklärte das Konzept wie folgt: „Aus zweierlei Gründen sind die GOZmasters etwas Neuartiges. Zum einen werden bewusst kontroverse Positionen der GOZ-Experten gewählt und zum anderen auch die Teilnehmer aktiv in die Debatte mit eingebunden. Wir glauben, dass durch diesen regen und auch kontroversen Meinungs- und Wissenschaftsaustausch alle Teilnehmer profitieren.“ 

Der Einladung der ZA folgten fast 250 Teilnehmer und konnten sich vor Ort von diesem besonderen Veranstaltungsformat überzeugen. Nach der Begrüßung durch die ZA-Vorstandsmitglieder Dieter Seemann, Dr. Daniel von Lennep und Dr. Sarah Schrey wurde direkt mit der ersten These von Dr. Wolfgang Menke (Vorsitzender des Ausschusses für Gebührenrecht der Bundeszahnärztekammer) zum Thema „Wie ist mit Blick auf die aktuelle Lage in Zukunft mit Analogleistungen zu verfahren? Ausweitungen analoger Berechnung – Irrweg oder Ausweg?“ gestartet und sagte: „Die Freiheit der Analogie sollte politisch erhalten bleiben.“ Eine klare Benennung von festen Analogpositionen bringe zwar Vorteile im Alltagsgeschäft der Berechnung und Erstattung mit sich, diese könnten jedoch langfristige Nachteile wie einen Stillstand in der Bewertung nicht aufwiegen. Die Antithese vertrat Dr. Christian Öttl (Referent für Honorierungssysteme und stellvertretender Vorsitzender der Vertreterversammlung der KZBV) und sprach sich für eine Sicherheit in der Erstattung aus. Zum einen würden sich Zahnärzte häufig schwer damit tun, Argumente für eine Analogie zu finden und diese dann den häufig selbstzahlenden Patienten auch zu vermitteln. Dazu käme die Notwendigkeit, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Kalkulation angemessen zu berücksichtigen. Öttl: „Das birgt bei Nichtbeachtung eine Gefahr für verschleppte Insolvenz.“ Eine Sicherheit in der Erstattung erleichtere Praxisabläufe und brächte mehr wirtschaftliche Stabilität.

Dr. Wilfred Beckmann und Dr. Peter Esser diskutierten über die Frage „Ist die Nr. 2390 GOZ für die Trepanation eines Zahnes neben anderen endodontologischen Leistungen berechnungsfähig? Bei Kronentrepanation?“ Dabei kam Dr. Wilfried Beckmann, von 2008 bis 2018 Präsident der Privatzahnärztlichen Vereinigung Deutschlands, zu dem Schluss, dass wenn der Verordnungsgeber zum Ausdruck hätte bringen wollen, dass in gleicher Sitzung nicht die GOZ Nr. 2390 neben den GOZ-Nr. 2360 oder 2410 berechenbar ist, er dies einfach in den Bestimmungen zur Nr. 2390 hätte regeln können. Beckmann: „Damit sind GOZ-Nr. 2390 und 2360 bzw. 2410 in gleicher Sitzung berechenbar.“ Das Gleiche gelte für die Kronentrepanation. Auch hier hätte der Verordnungsgeber diese im Gebührentext berücksichtigen und so zum Leistungsbestandteil der GOZ-Nr. 2390 machen können. So sei die Kronentrepanation aber nicht im Leistungsverzeichnis enthalten und könne damit analog berechnet werden. Dr. Peter Esser, seit 1978 Fortbildungsreferent und GOZ-Berater der ZA, vertrat bei diesem Thema die gegensätzliche Position. Die Leistung nach Nummer 2390 sei allenfalls im Rahmen einer Notfallbehandlung angezeigt und nur dann als selbstständige Leistung berechnungsfähig. In derselben Sitzung am selben Zahn sei gemäß GOZ die unspezifische „Zahntrepanation“ im Sinne von § 4 Abs. 2 GOZ Bestandteil der Leistung von Nr. 2410, der Wurzelkanalaufbereitung.

Bei insgesamt elf Vorträgen wurden das Für und Wider der Streitfragen vorgestellt, mit dem Ziel, aus beiden Standpunkten die beste Lösung für die Praxis zu erarbeiten. So wurden auch die Themen, ob neben der Nachbehandlung nach der Nr. 3300 die Nr. 3290 GOZ für die Wundkontrolle in Ansatz gebracht werden kann, ob der Ansatz der Nr. 4110 GOZ bei „socket preservation“ zutreffend ist oder die Frage „Können neben direkten Provisorien nach den Nrn. 2270, 5120, 5140 GOZ zahntechnische Leistungen anfallen?“ diskutiert.

Die letzte Diskussion auf dem Podium beschäftigte sich mit prothetischen Versorgungen. Hier erörterten Dr. Dr. Alexander Raff und Dr. Wilfried Beckmann, inwieweit adhäsive Teilkronen und ähnliche Keramik-Versorgungen analog berechnet werden können. Raff sprach sich für die analoge Berechnung aus. Der in GOZ-Nr. 2220 beschriebenen Vorgehensweise der „Versorgung eines Zahnes durch eine Teilkrone mit Retentionsrillen oder -kästen oder mit Pinledges“ werde in der modernen Zahnheilkunde bei adhäsiv befestigten Keramikteilkronen nicht mehr gefolgt. Deswegen sei es fraglich, ob die Anwendung dieser Art von Teilkronen unter die GOZ-Nr. 2200 fallen und nach dieser berechnet werden könnte. Raff kam somit zu dem Schluss, dass eine Analogie daher absolut vertret- und vermittelbar ist. „Kronen, Teilkronen, Veneers sind im Gebührenverzeichnis beschrieben und die Beschreibung bezieht ausdrücklich Kronen jeder technischen Ausführung ein“, sagte hingegen Beckmann. Auch die adhäsive Befestigung insbesondere von Teilkronen und Veneers sei im Gebührenverzeichnis beschrieben. Damit seien keine Voraussetzungen für eine Analogberechnung adhäsiver Teilkronen gegeben.

Während der Pausen und auch beim kommunikativen Ausklang am Ende der Veranstaltung hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, mit den Referenten ins Gespräch zu kommen und konnten auf persönlicher Ebene Nachfragen stellen und sich auch untereinander mit verschiedenen, praxisrelevanten Themen auseinandersetzen.

Fazit

Das Besondere der GOZmasters war, dass die Teilnehmer durch das Hören der verschiedenen Argumentation der Fachleute viel darüber lernen konnten, wie das zahnärztliche Gebührenrecht funktioniert. So kann sich das eigene Verständnis zur GOZ verbessern und unmittelbar im Praxisalltag bei der Abrechnung helfen.

Foto: OEMUS MEDIA AG/ZA AG
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