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Branchenmeldungen 26.08.2011

Komposit anstelle einer Krone!

Roman Wieland
Roman Wieland
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Komposit anstelle einer Krone!

Neueste Erkenntnisse über die Anwendung von Kompositen sowie viele praxisorientierte Vorträge gab es an der Fortbildung Rosenberg "Moderne Composites" im Sihlcity Zürich an welcher über 200 Interessierte teilnahmen.

Highlight und kontrovers diskutiert war das von Prof. Ivo Krejci vorgestellte Konzept, bei dem strikt defektorientiert gearbeitet wird. Anstelle von Kronen und Stiftaufbauten werden nur noch Kompositaufbauten verwendet.

Wie lange hält meine Füllung?

Behandler als auch Patienten wollen wissen, wie lange eine Kompositfüllung halten wird. Prof. Thomas Attin, ZZM Zürich, referierte über diese Frage und stellte mit Blick auf Bewährtes, Aktuelles und Zukünftiges, Studien über Nachuntersuchungen vor. Grob kann gesagt werden, dass nach 10 Jahren die Füllung verloren geht eintritt, 15 Jahre überleben noch 50%, nach 17 Jahren müssen fast alle Füllungen ersetzt werden. Für Komposit, Amalgam und Komposit-Inlays gilt eine jährliche Verlustrate von ca. 1.6%. Labor-Keramikrestaurationen, sowie CAD/CAM gefertigte Arbeiten haben eine jährliche Verlustrate von ca. 1.2%. Gold hält mit einer jährlichen Verlustrate von 0.5% am längsten. Die häufigsten Versagensgründe sind Fraktur, Sekundärkaries und Füllungsverlust. Mittlerweile sind viele verschiedene Komposit-Systeme auf dem Markt, so dass kaum mehr eine Übersicht möglich ist. Etwas Klarheit  schaffte Prof. Attin.

Er zeigte verschiedene chemische Zusammensetzungen mit deren gegenseitigen Einflüssen. Die meisten heute mit "Nano" bezeichneten Komposite sind Nano-Hybrid-Komposite. Ihr Vorteil ist der bis zu 80% mögliche Füller-Gehalt und die sich daraus ergebende geringere Monomerabgabe. Aufgrund der möglichen toxischen Wirkung von nicht gebundenen Monomeren ist eine möglichst tiefe Konzentration anzustreben. Die genaue Erforschung der Auswirkungen dieser Monomerabgabe wird in Zukunft einen immer grösser werdenden Stellenwert bekommen.

 

Empfehlungen von Prof. Attin:

  • Smart Dentin Replacement: Das Füllen der Kavität mit SDR in einer Schicht zeigt in ersten Studien gute Ergebnisse. Das Produkt ist bei Dentsply DeTrey erhältlich.
  • SonicFill: Ultraschall senkt die Viskosität um ein normales Komposit wie ein Flowable zu verwenden. Das System von Kerr und KaVo zeigt in Studien gute Werte.
  • VertiseFlow (Kerr): Die Integration der OptiBond-Adhäsivtechnologie eliminiert die zusätzlichen Schritte von Ätzgel/Primer/Bond. Studien zeigen gute Werte in Kombination mit Komposit, alleine als Bulk-Fill ist es aber nicht geeignet.

Prof. Attin sieht die Zukunft der Kompositmaterialien in der Integration von biotechnologischen Aspekten, wie der Abgabe von Fluorid oder anderen Stoffen. Abschliessend gab er noch ein paar Tipps für die Praxis: Die vorgeschriebene Polymerisationsdauer ist unbedingt einzuhalten; frakturierende Randleisten lassen sich vorbeugen indem diese etwas zur Okklusalfläche hin gestaltet werden; der grosse Vorteil einer Kompositfüllung ist deren Noninvasivität und der damit sich ergebenden substanzschonenden Präparationsweise; der Zahnarzt soll die Lebensqualität steigern und nicht nur die Ästhetik.

Optibond FL ist Goldstandard

Prof. Roland Frankenberger, Universität DE-Marburg, referierte auf amüsante Art über perfekte Anschrägungen, unterschiedliche Ätzzeiten und verschiedene Techniken je nach Lokalisation des Zahnes. Er gab verschiedene Tipps und Tricks für den Alltag: So soll zum Beispiel kein Calcium- oder Natriumhydrogencarbonat-Pulver zur Reinigung von Inlay-Kavitäten verwendet werden. Diese Pulver verunreinigen die Oberfläche, besser ist die konventionelle Reinigung mit Bimsstein oder Clinpro™ Prophy Powder. Cerec-Restaurationen funktionieren unter anderem darum so gut, weil keine Höckerbelastung zwischen Präparation und Einsetzen stattfindet. Besonderes Augenmerk gilt es bei IPS Empress-Inlays auf die Okklusalfläche zu legen. Bereits kleinste Rauigkeiten nach dem Einschleifen führen oftmals, nach etwa vier Jahren zu einem Bruch des Inlays. Um dies zu verhindern muss die Oberfläche perfekt poliert werden. Mit faszinierender 3D-Bilder zeigte Prof.  Frankenberger die komplexe Geometrie von Dentinkanälchen und Ätzmustern. Zum Abschluss seines Vortrags betonte Prof. Frankenberger noch einmal, was Minimalinvasivität bedeutet: Präparation, Nachhaltigkeit und Reparaturfähigkeit. Für alle Faktoren gilt: Der Behandler ist mit Abstand der wichtigste Faktor.

Komposit anstelle einer Krone!

Prof. Ivo Krejci, Universität Genf,  hielt den wohl kontroversesten Vortrag des Tages. Weil wir immer älter werden, müssen moderne restaurative Konzepte ebenfalls länger halten. Das von Prof. Krejci vorgestellte Konzept sieht vor, dass Restaurationen nicht mehr definitiv sind, sondern vielmehr als temporäre Lösung bezeichnet werden. Überkronungen und Wurzelkanalstifte sind viel zu invasiv, es soll nur die defekte Substanz entfernt und adhäsiv mit Kompositen repariert werden. Die Kavitäten werden nicht geometrisch präpariert, sondern defektorientiert. Ob eine direkte oder indirekte Restauration erfolgt, entscheidet ob die Füllung beherrscht werden kann oder nicht. Das heisst, je grösser und komplexer der Aufbau, desto eher kommt ein laborgefertigter Komposit-Aufbau zur Anwendung. Freiliegende Dentinoberflächen werden mittels einer dünnen Kompositschicht versiegelt. Das Lichthärten muss mit mindestens 2000 Milliwatt Leistung von allen Seiten erfolgen, unter ständiger Kühlung durch den Luftbläser. Prof. Krejci ist kein Fan von Flowables – Schallaktivierung oder Aufwärmen von normal gefüllten Kompositen erachtet er als sinnvoller. Mit klinischen Bildern aus dem Studentenkurs der Universität Genf belegte Professor Krejci, dass dieses Konzept unter Alltagsbedingungen funktioniert. Die Literatur zeigt, dass Kompositaufbauten eine gute Haltbarkeit aufweisen, eine 10-Jahres-Studie über dieses neue Konzept inklusive Vergleich Komposit/Keramik ist in Arbeit. Erste Zwischenergebnisse werden mit grosser Spannung erwartet. Mehr als 12 Teilnehmer begaben sich nach der Präsentation nach vorne um Fragen anzubringen. Eine heftige Diskussion entbrannte, was bewies, wie spannend und kontroverser dieser Vortrag  war.

Faserverstärkung vom Flugzeug abgeschaut

Dr. Jan Frydensberg präsentierte viele Patientenfälle aus seiner Privatpraxis in Kopenhagen, inklusive seiner Misserfolge um solche den Zahnärzten zu ersparen. Der Vorteil von Glasfaser ist, dass die Fasern durch die ganze Restauration gehen und somit für grosse Stabilität sorgen. Dr. Frydensberg verwendet das Produkt everStick® vertrieben durch die heico-Dent. Anwendungsbereiche sind ästhetische Schienungen, Verstärkungen von Provisorien sowie direkte Brückeversorgungen. Dr. Frydensberg präsentierte viele Tipps für die Privatpraxis, Zum Beispiel muss bei einer Brücke der Faserstrang für eine optimale Kräfteverteilung gingivanah verlaufen, oder dass mit einem Stück Aluminiumfolie die Ausdehnung des Glasfasermaterials einfach bestimmt werden kann. Insgesamt habe das Arbeiten mit Glasfasermaterial im Patientenmund „Bastelcharakter“, kleines Budget und ältere Patienten seien aber eine gute Indikation. Über 300 Studien wurden schon über Glasfaser-Brücken durchgeführt. Es hat sich gezeigt, dass es sich um eine gute Langzeit-Provisorische Lösung handelt.

Zeig mir deine Eckzähne

Inzisale Frakturen an den seitlichen Schneidezähnen ergeben sich oftmals, weil die Eckzahnspitzen durch Knirschen an Höhe verloren haben und nun andere Zähne die Führung übernehmen. Bei einer Versorgung mit Veneers ist dieser Umstand unbedingt zu beachten und die Eckzähne sind entsprechend aufzubauen. Der Privatpraktiker Dr. Markus Lenhard zeigte mittels sehr schönen selbst gezeichneten Illustrationen wie Komposit ästhetisch am perfektesten zu schichten ist. Die Dentinfarbe ist über den ganzen Zahnbogen identisch, aber am Eckzahn im gingivanahen Drittel am einfachsten zu bestimmen. Dies, weil dort die Schmelzschicht am Dünnsten ist. Dr. Lenhard gab viele Tipps für die Praxis. Starkes Bleichen nimmt den Zähnen die Transluszenz und sie werden opak. Die Abschrägung für einen Kompositaufbau in der Front soll so verwirklicht werden, dass Lichtreflexionen zerstreut werden. Je älter der Zahn, desto durchsichtiger wird das Dentin, desto weniger Dentinmasse soll bei einem ästhetischen Aufbau verwendet werden, entgegen der natürlichen Schichtung. Erscheint die Schneidekante nach einem Aufbau zu transluzent, so kann palatinal eine kleine Abschrägung gemacht werden welche einen Halo-Effekt ergibt. Dr. Lenhard betonte, dass, wenn Komposit mit den Fingern angefasst wird, Monomere durch den Handschuh treten können. Dieser Vorgang dauert aber einige Minuten und lässt sich durch einen Wechsel der Handschuhe unterbinden.

Kontakt:

www.fbrb.ch

Fotos: med. dent. Roman Wieland

Foto: © med. dent. Roman Wieland
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