Branchenmeldungen 01.03.2019

Lingualexperten trafen sich in Garmisch-Partenkirchen

Lingualexperten trafen sich in Garmisch-Partenkirchen

Die Lingualexperten hierzulande hatten es in letzter Zeit nicht leicht: Alignerhersteller schossen nach und nach wie Champignons aus dem Boden und gewannen so manchen Lingualbehandler für sich. Zudem erschwerte ein massiver Wintereinbruch Anfang des Jahres die Anreise zur DGLO-Jahrestagung. Dass sich die Lingualfamilie trotz allem nicht so leicht unterkriegen lässt, zeigte ein dennoch wunderschönes sowie informatives Event.

Zum mittlerweile 13. Mal lud die Deutsche Gesellschaft für Linguale Orthodontie (DGLO) Mitte Januar zu ihrer Wissenschaftlichen Jahrestagung – diesmal ins Bayerische Skihotel am Badersee.

Bereits am Donnerstagabend reisten die ersten Gäste über die schneebedeckte Autobahn nach Garmisch-Partenkirchen an und keiner wusste so recht, ob die Schneemassen die Weiterfahrt ermöglichten. Dass die Zugverbindungen wegen Lawinen- und Baumbruchgefahr gestrichen waren und der Personalstreik an verschiedenen Flughäfen andauerte, machte die Anreise für so manchen Teilnehmer zu einem unvergesslichen Abenteuer. Umso größer war untereinander die Wiedersehensfreude, als am Freitagmorgen die Tagung durch Präsident Dr. Andreas Bartelt eröffnet wurde.

Gleich zu Beginn übernahm der engagierte Kieferorthopäde den ersten Vortrag. Nach einer langen Erprobungsphase des ALIAS™ Brackets durch dessen Erfinder Dr. Kyoto Takemoto konnte Dr. Bartelt ein selbstligierbares, passives Lingualbracketsystem vorstellen, dass mit „beinahe“ geraden Bögen zu den gewünschten Behandlungszielen führt. Der quadratische Slot verspricht dabei eine maximale Torque- und Rotationskontrolle und der selbstligierbare Mechanismus eine einfache Handhabung.

Im Anschluss an den ersten Vortrag wurden alle Teilnehmer zur Erkundung des Skigebietes und der wunderschönen Ortschaft bis zur Mitgliederversammlung der DGLO freigestellt. In deren Rahmen ergab dann der Bericht des DGLO-Vorstandes eine stabile Mitgliederzahl und ein gutes finanzielles Polster, dass die Unterstützung von Forschungsprojekten zum Thema Lingualtechnik auch weiterhin ermöglicht. Zudem sind alle Weiterbildungsassistenten dazu eingeladen, eine kostenlose DGLO-Mitgliedschaft anzunehmen, um sich schon während ihrer kieferorthopädischen Ausbildung für die Lingualtechnik zu engagieren. Nach der Mitgliederversammlung konnte man beim traditionellen Round-Table-Abend in gemütlicher Runde des hauseigenen Restaurants interessanten Gesprächen bis in die Nacht hinein lauschen.

Am Samstagmorgen startete Dr. Stephan Pies unter dem Vorsitz des Ehrenmitglieds Prof. Dr. Ingrid Rudzki mit beeindruckenden Behandlungsfotos zum Thema „Raummanagement im zahnlosen Bereich“. Die Kombination aus Beneslider und vollständig individualisierter lingualer Apparatur (VILA) machen einen fast unsichtbaren, kontrollierten Lückenschluss möglich. Für den überzeugenden Vortrag und die vorbildlichen intraoralen Fotos aus der eigenen Praxis erhielt Dr. Pies den mit 500 Euro dotierten Preis für den besten Vortrag der 2019er Tagung.

Im Anschluss präsentierte Dr. Enrico Pasin in sympathischer Manier seine beeindruckenden Erfindungen und Weiterentwicklungen verschiedenster KFO-Apparaturen. Seinen festsitzenden Lip bumper, die BioBiteCorrector Twin Appliance sowie den sogenannten Pasin-Pin hatten viele Teilnehmer bis dahin noch nicht gesehen.

Mit der Einführung eines digitalen Scanners und den damit verbundenen Erfahrungen in Bezug auf die Lingualtechnik überzeugten Dr. Claudia Obijou-Kohlhas und Dr. Peter Kohlhas in ihrem Vortrag. Dass die Planung der Lingualbehandlung und Kontrolle des Set-ups mit dem Treatment Management Portal (Fa. 3M) übersichtlich, schnell und einfach funktioniert, könnte so manche Konkurrenz anspornen, ebenfalls eine digitale Plattform zu erstellen. Für die Zukunft sah das Ehepaar eine gemeinsame Plattform mit einer Art Baukastenprinzip für sämtliche KFO-Apparaturen als unaufhaltsam an, bei der jeder Behandler die unterschiedlichsten Geräte aus einer Hand miteinander kombinieren kann.

Der plastische Chirurg Dr. Peter Neumann ließ die Kongressteilnehmer in seinen bildlichen Darstellungen der ästhetischen Chirurgie von Kopf und Hals über ihren Tellerrand hinausschauen. Er zeigte den derzeitigen State of the Art für Lidkorrekturen und Facelifts.

Das folgende Team, bestehend aus Dr. Silvia Silli und Dipl.-Ing. Christian Url, stellte in ihrer Präsentation überzeugend dar, warum das virtuelle dem manuellen Set-up überlegen ist. Mit dem Programm OnyxCeph3™ können Zahnstellungen virtuell korrigiert werden, sodass jederzeit die Verschiebung in allen Raumrichtungen metrisch und visuell überprüft werden kann. Eine realistische und realisierbare Behandlungsplanung für die Lingualtechnik erhöht somit die Erfolgsrate der kieferorthopädischen Therapie.

Für diejenigen, die es bisher nicht gewagt haben, die Gaumenpins für einen Beneslider selbst zu setzen, gab Prof. Dr. Benedict Wilmes einen erfreulichen Hinweis: Digital hergestellte Bohrschablonen des RKS Labors in Rastede ermöglichen eine sichere Insertion der Pins in die T-Zone. Die Weiterentwicklung der digitalen 3D-Druckverfahren zur Herstellung des BENEfit-Systems lassen auf eine Erhöhung der Präzision und eine weitere Vereinfachung für den Anwender hoffen.

Unter Verwendung der vollständig individualisierten lingualen Apparatur (VILA) präsentierte Dr. Volker Breidenbach anhand klinischer Lingualfälle, mit welchen Mitteln der Lückenschluss einerseits und die Lückenöffnung andererseits erfolgreich durchgeführt werden sollten. Bei schwierigen Verankerungssituationen empfahl er Implantate oder das Herbstscharnier. Der Implantologe Dr. Peter Randelzhofer brachte die Zuhörerschaft zum Thema „Weichgewebsmanagement bei Implantaten“ auf den aktuellen Stand. Im Anschluss daran erläuterte Dr. Jean-Philippe Becker, worauf es bei Datensicherheit und Datenschutz in einer modernen KFO-Praxis ankommt.

Mit seiner Masterarbeit für Lingualtechnik an der Universität Basel gab Dr. Steffen Decker seine wissenschaftlichen Ergebnisse über die verschiedenen Ligaturen in der Lingualtechnik preis. Einfache Alastik™- oder Stahlligaturen sind schnell zu setzen und bringen die nötige Kraft auf, um den Bogen in den Slot zu ziehen. Eine neue Erfindung zur Aufrichtung gekippter Frontzähne bei vertikalem Lingualslot stellen das Alastik™ Tipping Tie der Dres. Decker/Fernandez und die Tip-Chain von Dr. Hirose dar.

Dr. Martina Bräutigam stellte abschließend zum einen das konsekutive Vorgehen bei Kombination von TADs und Lingualapparatur und zum anderen das simultane Vorgehen gegenüber. Je nach Indikation und Zahnstatus kann der Behandler selbst entscheiden, ob er zuerst die TADs setzt und anschließend die Lingualbrackets oder beide Systeme gleichzeitig verwendet, um die Effizienz zu steigern.

Einen gelungenen Abschluss der Tagung brachte der gemütliche Hüttenabend bei deftigem Essen und in Tracht, bei dem die vier neu zertifizierten DGLO-Mitglieder geehrt wurden.

Dieser Beitrag ist in KN Kieferorthopädie Nachrichten erschienen.

Autorin: Dr. Claudia Obijou-Kohlhas

Foto: Dr. Claudia Obijou-Kohlhas

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