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Branchenmeldungen 03.07.2020

MIH – Sind die „Kreidezähne“ ein größeres Problem als Karies?

MIH – Sind die „Kreidezähne“ ein größeres Problem als Karies?

„Kreidezähne“ werden sie oft genannt. Der medizinische Begriff dafür lautet „MolarenInzisiven-Hypomineralisation (MIH)". Für betroffene Kinder kann dieses Krankheitsbild bedeuten, dass sie beim Zähneputzen, Essen oder Trinken Schmerzen haben. Und: Die betroffenen Zähne sind anfälliger für Karies. Woher kommt diese Erkrankung und was können Eltern tun, um die Mundgesundheit ihrer Kinder zu schützen? 

Es gibt Erkrankungen, die Ärzten und Wissenschaftlern Rätsel aufgeben. Zu diesen Krankheitsbildern zählen die sogenannten „Kreidezähne“, medizinisch „Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH). Die Schmelzbildungsstörung tritt meist an den ersten bleibenden Backenzähnen auf, häufig auch an den bleibenden Frontzähnen. Untersuchungen zeigen: Auch Milchzähne können schon betroffen sein. Die Zähne haben weiße bis gelblich-braune Flecken – je größer und dunkler die verfärbten Stellen sind, desto stärker ist die Mineralisationsstörung.

„Bezogen auf die Mundgesundheit und die Lebensqualität der Kinder ist MIH mittlerweile ein größeres Problem als Karies in der Altersgruppe der 12-Jährigen“, beschreibt Prof. Dr. Dr. Norbert Krämer, Direktor der Poliklinik für Kinderzahnheilkunde, Justus-Liebig-Universität Gießen, die derzeitige Situation. „Wenn bereits Milchzähne von der Erkrankung betroffen sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch die bleibenden Zähne MIH haben, um rund 11 Prozent erhöht“, erklärt der Experte.

Martin Till, Landesgeschäftsführer der BARMER Hessen, Prof. Dr. Dr. Norbert Krämer, Direktor der Klinik für Kinderzahnheilkunde am Universitätsklinikum Gießen und Stephan Allroggen, Vorstandsvorsitzender der KZV Hessen (v.l.n.r.) Foto: KZV Hessen

Martin Till, Landesgeschäftsführer der BARMER Hessen, sagt mit Blick auf den kürzlich veröffentlichten BARMER Zahnreport 2020: „Die sogenannten Kreidezähne sind eine besondere Herausforderung für die Zahngesundheit. 2018 waren laut Report fünf Prozent der hessischen Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren von MIH betroffen; das sind mehr als 19.800 Personen. Wir appellieren deshalb an Eltern und Erziehende, die vorgesehenen Routineuntersuchungen für Kinder und Jugendliche noch stärker zu nutzen, um frühzeitig Erkrankungen und Entwicklungsstörungen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich zu erkennen.“

Ursachen unklar

Eine wesentliche Rolle bei der Entstehung scheinen Weichmacher aus Kunststoffen zu spielen, die mit der Nahrung aufgenommen werden. Auch Probleme während der Schwangerschaft, Infektionskrankheiten, Antibiotikagaben, Einflüsse durch Dioxine und Erkrankungen der oberen Luftwege könnten dazu beitragen. Die Ursachenforschung für die Erkrankung ist jedoch noch lange nicht abgeschlossen. „Zwar wissen wir über die Ursachen für die MolarenInzisiven-Hypomineralisation (MIH) nach wie vor wenig“, sagt Stephan Allroggen, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen. „Was wir aber wissen: Mit frühzeitiger zahnärztlicher Vorsorge können auch ´Kreidezähne` erhalten werden. Umso wichtiger ist es, Eltern frühzeitig über MIH zu informieren und ihnen zu empfehlen, was sie tun können.“

Damit die Mineralisationsstörung keine „große Unbekannte“ bleibt, ist Forschung dringend erforderlich. Solange die MIH nicht verhindert werden kann, konzentriert sich der Schutz der Mundgesundheit von Kindern und Jugendlichen auf die Aufklärung der Eltern und den Erhalt der betroffenen Zähne. Mit der Mundgesundheit hängen viele soziale Faktoren zusammen: Ist sie schon in einer frühen Lebensphase beeinträchtigt, hat das negative Folgen für die kindliche Entwicklung, den Schulerfolg und das Sozialverhalten. Damit betroffene Kinder unbeschwert aufwachsen, lernen und spielen können, sind ein frühes Erkennen und eine individuelle Behandlungsstrategie für die MIH entscheidend.

Quelle: KZV Hessen

Foto Teaserbild: Prof. Dr. Dr. Norbert Krämer

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