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Wissenschaft und Forschung 10.02.2020

Erhöhtes Kariesrisiko bei autistischen Kindern – warum?

Erhöhtes Kariesrisiko bei autistischen Kindern – warum?

Genau genommen steht die Autismus-Spektrum-Störung in keinem direkten Zusammenhang mit oralen Manifestationen. Jedoch bleiben unter anderem typische Verhaltensweisen der Erkrankung nicht ohne Folgen für die Mundgesundheit, wie eine Studie belegen konnte.

Die neurologische Entwicklungsstörung äußert sich in erster Linie durch Defizite in der sozialen Interaktion, eine eingeschränkte Sprachfähigkeit sowie wiederholende Bewegungs- und Verhaltensmuster. Schätzungen zufolge sind zudem bei 70 Prozent der Autisten selbstverletzende Verhaltensweisen anzutreffen, dazu zählen z.B. Selbstextraktionen von Zähnen oder ständiges Zupfen am Zahnfleisch.

Die im BMC Oral Health veröffentlichte Studie südafrikanischer Forscher der University of KwaZulu-Natal zeigt allerdings, dass es weitere Risiken für die Mundgesundheit gibt. Hierfür führten sie umfassende zahnmedizinische Untersuchungen – auf Karies, Zahnfleischentzündungen, Plaque, Abrieb und Weichteilverletzungen – bei knapp 150 autistischen Kindern zwischen sieben und 14 Jahren durch, die Eltern füllten zusätzlich Fragebögen aus.

Anhand des DMF-T-Index ermittelten die Wissenschaftler, dass über 85 Prozent der Kinder Karies an bleibenden Zähnen aufwiesen. Keine der kariösen Läsionen war jedoch behandelt – eine eindeutige Absenz zahnmedizinischer Versorgung. Beeinträchtigte Kinder scheinen in Südafrika zahnmedizinisch isoliert zu sein, in Europa würde sich vermutlich ein anderes Bild zeigen. Darüber hinaus wies knapp die Hälfte der Kinder einen Verlust des Zahnschmelzes auf. Nach Ansicht der Autoren könne dies als Folge von Bruxismus oder dem häufig bei Autisten auftretenden Pica-Syndrom, das Essen von Sand, Steinen usw., angesehen werden.

Zudem dokumentierten sie bei ca. 43 Prozent der untersuchten Kinder sichtbare Plaque. Die Auswertung der Fragebögen bestätigte, dass die Mundhygiene häufig vernachlässigt wird. 53 Prozent der Kids würden nur einmal täglich Zähne putzen. Nach Angaben der Eltern würden die Kinder überdies vor allem weiche und zuckerhaltige Nahrung zu sich nehmen. Nicht nur das, sondern auch die Medikation, die häufig Mundtrockenheit, aber auch eingewachsenes Zahnfleisch oder Blutungen hervorrufen kann, bergen weitere Gefahren.

Foto: Bits and Splits – stock.adobe.com

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