Branchenmeldungen 24.09.2021

„Nur bei vollständig entferntem Biofilm sind wir sicher“

„Nur bei vollständig entferntem Biofilm sind wir sicher“

Foto: EMS

Prophylaxe nach dem Stand der Technik ist zugleich klinisch wirksam, sanft und substanzschonend. Nicole Einemann und Manuela Cordes, zwei erfahrene Dentalhygienikerinnen, berichten im Interview über ihre Erfahrungen mit einer modernen Version der Prophylaxestunde von Axelsson und Lindhe.

Was gehört für Sie zu einer Prophylaxesitzung?

Nicole Einemann: Zu einer Prophylaxesitzung zählt das komplette Programm, d.h. sorgfältige Anamnese, Risikodiagnostik, Plaque- und Gingivitisindizes und bei Parodontitispatienten je nach Bedarf zusätzliche Befunde. Ganz zentral sind das Anfärben und ein konsequentes Biofilmmanagement. Und natürlich erklären wir, warum wir das alles tun, einschließlich Verbindungen zur Allgemeingesundheit. Wir sind beide zertifizierte Ernährungsberaterinnen und betrachten die Prophylaxe ganzheitlich.

Manuela Cordes: Unsere Patienten wollen verstehen, wo ihr Nutzen liegt, auch weil sie dafür einen angemessenen Preis bezahlen. Dafür bieten wir das Bestmögliche. Vor allem in Bezug auf die Ergebnisse, also einen sauberen und gesunden Mund. Aber wir möchten ebenso, dass sich unsere Patienten wohlfühlen, und die Prophylaxe sollte nach Möglichkeit ein positives Erlebnis sein. Unsere Patienten spüren das und empfehlen uns gern weiter.

Das ist doch nicht selbstverständlich?

Einemann: Nein, viele Menschen haben Respekt oder sogar Angst vor der Professionellen Zahnreinigung. Handinstrumente, Schallscaler, rotierende Bürsten und Polierpaste werden oft als unangenehm empfunden. Um eine individuell zugeschnittene Prophylaxe anbieten zu können, haben, unserer Ansicht nach, auch verschiedene Methoden ihre Berechtigung. Seit etwa 2001 arbeiten wir aber, wenn immer möglich, mit AIRFLOW-Geräten. Nicht zufällig kommen zu uns viele Angstpatienten. Airflowing wird meist als sanfte Methode empfunden und viele Patienten sind wirklich begeistert. Auch wegen des warmen Wassers bei den aktuellen Desktopgeräten. Das ist besonders bei freiliegenden Zahnhälsen wichtig.

Die meisten dieser Maßnahmen gehen auch in Kombination mit der Methode nach Axelsson und Lindhe. Was machen Sie klinisch anders?

Manuela Cordes: Die klassische Prophylaxestunde ist noch immer die Basis. Sie wurde aber mit der Guided Biofilm Therapy (GBT) an die heutige Zeit angepasst und ist klinisch sowie technisch auf dem neuesten Stand. Ganz wichtig für alle weiteren GBT-Schritte ist das Anfärben. GBT bedeutet „geführt“. Das heißt, wir werden bei der Zahn- und Mundreinigung mit AIRFLOW durch den angefärbten Biofilm zuverlässig angeleitet. Nur wenn dieser vollständig entfernt ist, können wir sicher sein. Im Gegensatz zu rotierenden Polierern reinigt die Methode bis 4 mm subgingival und auch interdental.

Einemann: Ohne Anfärben bleibt gerade an den schwierigen Stellen Biofilm zurück. Eine Praxisstudie hat gezeigt, dass so dreimal mehr Restbeläge verbleiben1. Dies ist nicht die bestmögliche Behandlung. Und wie wir alle wissen, kann es dadurch zu fortschreitender Entzündung und Krankheit kommen. In fast allen Fällen lässt sich der Biofilm vollständig mit AIRFLOW PLUS Pulver entfernen. Das ist effektiv und zugleich minimalinvasiv für Zahnsubstanzen und Weichgewebe2,3.

Seit wann arbeiten Sie mit der GBT?

Cordes: Seit 2018 behandeln wir nach dem GBT-Protokoll und sind davon wirklich überzeugt. Mit regelmäßigen Praxistrainings, durchgeführt von der Swiss Dental Academy (SDA), bleiben wir immer auf dem neuesten Stand. Und unsere Patienten freuen sich sehr darüber, dass es nicht mehr „piekst“ und die Behandlung oft nahezu schmerzfrei ist. Das gilt auch ganz weitgehend für das piezokeramische Ultraschallsystem PIEZON mit PS Instrument. Das verwenden wir nach dem Airflowing bei härterem Zahnstein, aber nur so wenig wie möglich. Airflowing und GBT entlasten uns auch als Behandlerinnen. Zum Beispiel können unsere Patienten ergonomisch optimal gelagert werden und die reduzierte Anwendung von Handinstrumenten schont die Handgelenke.

Kommen in der momentanen Corona-Zeit noch genügend Patienten und was tun Sie für deren und ihre eigene Sicherheit?

Einemann: Wir behandeln grundsätzlich jeden Patienten als potenziell infektiös – also mit Maske, Visier und Haarhaube; außerdem natürlich mit großer Absaugkanüle und starker Saugleistung. Bei uns werden die Geräte selbstverständlich nach jedem Patienten sterilisiert. Flächen werden im Handumdrehen desinfiziert, nichts steht in der Umgebung des Behandlungsstuhls herum. Das alles haben wir übrigens auch schon vor Corona so gemacht.

Cordes: Wir haben den Eindruck, dass mit den aktuellen Geräten, speziell dem AIRFLOW Prophylaxis Master, noch weniger Aerosole freigesetzt werden. Außerdem spülen unsere Patienten vor jeder Behandlung mit einer antimikrobiellen Lösung. Zur weiteren Sicherheit wird gründlich gelüftet.

Wie lange dauert die GBT und wie sieht Ihr Patientenspektrum aus?

Einemann: Wir haben praktisch alle Patientengruppen, einschließlich Implantat- und KFO-Patienten sowie Kinder. In aller Regel dauert eine GBT-Sitzung rund eine Stunde. Bei jüngeren Kindern oder wenn bei älteren Patienten nur einige Teleskope oder Implantat-Abutments zu reinigen sind, kann die Prophylaxe auch in einer halben Stunde erledigt sein, einschließlich Putztechniktraining. Kinder lieben die GBT ganz besonders.

Autor: Dr. Jan H. Koch

 

Literatur:

1 Bastendorf KD, Strafela-Bastendorf N, Mann P. Pilotstudie: Verbessert das Anfärbender Plaque die Ergebnisse einer PZR? Plaque ‚N Care 2016; 2: 91–93.

2 Buhler J, Amato M, Weiger R, Walter C. A systematic review on the effects of air polishing devices on oral tissues. International Journal of Dental Hygiene 2016; 14:15–28.

3 Ramaglia L, Sbordone L, Ciaglia RN, Barone A, Martina R. A clinical comparison of the efficacy and efficiency of two professional prophylaxis procedures in orthodontic patients. Eur J Orthod 1999; 21: 423–428.

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