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Branchenmeldungen 11.10.2013

Österreichischer Zahnärztekongress schließt mit positiver Bilanz

Österreichischer Zahnärztekongress schließt mit positiver Bilanz

Zahlreich international angereiste Vortragende mit hoher Reputation präsentierten Anfang Oktober an drei Kongresstagen praxisnahes Wissen für die tägliche Ordinationstätigkeit und regten zu einer lebhaften und interdisziplinären Diskussion an.

Vom 3. bis 5. Oktober 2013 fand in der Landeshauptstadt Graz der diesjährige Österreichische Zahnärztekongress zusammen mit der Tagung des European College of Gerodontology (ECG) statt. Das Kongressthema lautete „planungistgleicherfolg“ und legte die Schwerpunkte dieser Veranstaltung vor allem auf Praxisnähe und Orientierungshilfe für die tägliche Arbeit in den Ordinationen. Das Kongresshaus Graz lockte über 900 Teilnehmer an drei sonnigen Herbsttagen in die „steirische Toskana“. Ausgewählte Spezialisten aller zahnmedizinischen Fachgebiete präsentierten an den Kongresstagen ein abwechslungsreiches und praxisnahes Vortragsprogramm. Der Kongress fand heuer erstmals zusammen mit der Tagung des European College of Gerodontology (ECG) unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Gerwin Arnetzl, European College of Gerodontology, statt. Der internationale Kongress widmete sich heuer dem Thema „at crossroads“. Insgesamt standen mehr als 30 Referenten aus Österreich sowie ca. 20 Referenten aus Deutschland, der Schweiz und Belgien, darunter renommierte Referenten wie Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf, Würzburg, Prof. Dr. Regina Mericske-Stern, Bern, oder Dr. Gwen Swennen, Brügge, auf dem Podium, um die neuesten Erkenntnisse des zahnmedizinischen Wissens- und Wissenschaftsbereichs vorzustellen und zu diskutieren.

 

 

Angekommen in der Realisierung von Visionen

Auf der Pressekonferenz, welche am Vormittag des ersten Kongresstages stattfand, erläuterte Prof. DDr. Norbert Jakse, Präsident der ÖGZMK Steiermark die medizinisch-technische Entwicklung in der Zahnmedizin: Digitale, dreidimensionale Bildgebung, virtuelle Planung, Ultraschall getriebene Instrumentarien und Laser Technologie, Scan-Vorgänge, Zahnersatz aus 3D Fräsen oder Zahnrestaurationen unter Anwendung von hochwertigen Keramiken und Kunststoffen sind nur einige eingeleitete technologische Entwicklungen der letzten beiden Jahrzehnte, welche die Zahnmedizin und ihre Möglichkeiten teilweise bereits grundlegend verändert haben. Jakse betonte, dass all diese Vielfältigkeit an technologisch Möglichem, die während des Kongresses nicht nur im Rahmen von wissenschaftlichen Präsentationen, sondern auch in einer umfassenden Industrieausstellung veranschaulicht wird, auf großartigen Entwicklungen und Errungenschaften basiert. Gleichzeitig hob der ÖGZMK Präsident der Steiermark hervor, dass diese neue Technologie den einzelnen Zahnarzt im Praxisalltag vor die große Herausforderung eines sinnvollen und verantwortungsvollen Einsatzes stellt.

Alterszahnheilkunde – Bestandsaufnahme und Zukunft

Über 80% institutionalisierter Senioren in Österreich leiden unter einer entzündlichen Erkrankung in der Mundhöhle. Ein Drittel leidet unter akuten Schmerzen, Schmerzen beim Kauen und damit eingeschränkter Lebensqualität. Univ.-Prof. Dr. Gerwin Arnetzl, Präsident des European College of Gerodontology (ECG), fasste auf der Pressekonferenz die gegenwärtige Situation in Österreich und Europa zusammen und appellierte eindringlich: „Es ist unsere Verpflichtung, dass der Zugang zur Versorgung vom ersten bis zum letzten Zahn und darüber hinaus gewährleistet ist. Es sind gesundheitsfördernde Gesamtkonzepte zu schaffen, die das ganze Leben und alle Bereiche abdecken.“

Zahnklinik NEU – Ein Zentrum für Mundgesundheit

Ebenso auf der Pressekonferenz stellte Univ.-Prof. Dr. W. Wegscheider, Vorstand der Univ.-Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Graz das Projekt der Zahnklinik für Mundgesundheit in Graz vor. Im Zuge des Neubaus der Zahnklinik wird ein Zentrum für Mundgesundheit und Spitzenzahnmedizin in der Steiermark entstehen. Diese beiden Säulen einer modernen Zahnheilkunde werden im Zahnmedizinstudium verankert und an den Patientinnen und Patienten des neuen Zentrums praktiziert werden. Durch eine besonders intensive kontinuierliche Betreuung aller Patienten soll eine dauerhafte und nachhaltige Mundgesundheit gewährleistet werden.

Kann die zahnärztliche Versorgung in der Zukunft noch gesichert werden?

Schließlich fasste Dr. Reinhard Fürtinger, Präsident der Landeszahnärztekammer Steiermark, den derzeitigen Stand zahnärztlicher Versorgung in der Steiermark zusammen. Die Landeszahnärztekammer für Steiermark steht zu dem mit der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse verhandelten Stellenplan, der eine flächendeckende Versorgung in der Steiermark mit Kassenzahnärzten gewährleistet. Diese flächendeckende Versorgung mit Zahnärzten sei in naher Zukunft gefährdet, da durch Pensionierung der geburtenstarken Jahrgänge ein großer Bedarf an jungen Zahnärzten gegeben sei. Die Rahmenbedingungen für diese sind schwieriger geworden und so sei zu befürchten, dass Kassenstellen für Zahnärzte unbesetzt bleiben. Als Gründe nannte Fürtinger, dass der Kassenvertrag für Zahnärzte, der in seinen Grundzügen aus dem Jahr 1957 stammt, weder an aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, noch an wirtschaftliche Veränderungen angepasst wurde.

„planungistgleicherfolg“

Mit dem heurigen Kongressmotto: „planungistgleicherfolg“, standen Diagnostik, Planung und Praxis thematisch im Mittelpunkt. Der fachliche Teil begann am Donnerstag mit dem Thema „Diagnostik“ – „Wann brauche ich was?“. Jede Zahnärztin und jeder Zahnarzt ist mit der täglichen Diagnose der Erkrankungen der Zahnhartsubstanz konfrontiert. Eine frühzeitige Diagnose kariöser, abrasiver, erosiver oder anderer Veränderungen ist daher wichtig, um rechtzeitig notwendige Maßnahmen einleiten zu können. Die Diagnostik in der oralen Chirurgie dient primär der optimalen Therapieplanung invasiver Eingriffe, um Komplikationen vermeiden bzw. verringern zu können. Um zielgerichtet sowohl bestmögliche ästhetische Ergebnisse als auch funktionell zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen, ist eine umfassende Diagnostik in der kieferorthopädischen Behandlung wichtig. Wissenschaftliche Beiträge von Referenten wie u.a. von Prof. Dr. Christof Dörfer, Kiel, Prof. Dr. Adrian Lussi, Bern, Dr. Claudia Aichinger Pfandl, Wien oder PD Dr. Michael Bornstein, präsentierten anschaulich die Bedeutung der einzelnen diagnostischen Schritte und analysierten diese anhand ausgewählter klinischer Beispiele. Das weite Spektrum der Diagnostik in der Prothetik vermittelte Prof. Dr. Regina Mericse-Stern, Bern; zur Diagnostik in der Restaurativen Zahnheilkunde referierte Prof. DDr. Albert Mehl, Zürich. Prof. DDr. Joachim Obwegeser ergänzte das Vortragsprogramm des ersten Kongresstages anschaulich mit dem Thema Diagnostik und therapeutische Konsequenzen der Gesichtsasymmetrien. Der erste Kongresstag endete mit dem Gastvortrag von Prim. Univ.-Prof. Dr. med. Dr. phil. Michael Lehofer: „Ist ein erfolgreiches Leben planbar?“, und leitete zugleich zum Kongressthema des 2. Tages über.

Rund um die Planung

Grundlage einer fundierten Planung sind Anamnese, Befund und erweiterte Diagostik: Am Freitag drehten sich alle Vortragsthemen rund um die „Planung“ – Was brauche ich vom Möglichen?“. So setzt beispielsweise genaue Planung einer Augmentation setzt eine Zielvorstellung voraus, welche zusammen im „backwards planning“ zusammen mit dem Patienten im Rahmen erster Vorstellungstermine erarbeitet wird. In der Kieferorthopädischen Planung geht es u.a. um die Punkte, zu welchem Zeitpunkt je nach skeletaler und dentaler Fehlstellung bei Kindern und Jugendlichen begonnen werden soll und welche Unterlagen auch bei Erwachsenen routinemäßig für eine fundierte Diagnostik erforderlich bzw. wann weiterführende Maßnahmen (DVT) notwendig sind. Restaurative und prothetische Therapiekonzepte erfordern ebenso eine individuelle Planung, wie chirurgische Maßnahmen. Referenten wie Prof. DDr. Henrik Terhyden, Kassel, Dr. Fiona Adler, München, Prof. Dr. Sven Reich, Aachen, oder Dr. Albino Triaca aus Zürich kamen hier ausführlich zu Wort.

Die Praxis

Schließlich stand der Samstag unter der Thematik: „Praxis – „Mein schönster Fall und was kann schiefgehen?“. Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf, Würzburg, stellte anhand von Fallbeispielen dar, wie parodontal schwer vorgeschädigte Zähne nach Elimination der parodontalen Entzündungsprozesse langfristig erhalten werden können. Zum Management von White-Spot-Läsionen referierte PD Dr. Michael Knösel, Göttingen. Dr. Bernd Reiss, Malsch, Prof. Dr. med. Dr. med. dent Gwen Swennen, Brügge, oder Prof. Dr. Thomas Attin, Zürich, sind als weitere renommierte Redner des ausführlichen Vortragsprogrammes hervorzuheben, welche Vorträge u.a. zur Praxis in der KFO, zur Restaurativen Zahnheilkunde oder zum Gebiet der MKG-Chirurgie präsentierten.

Der parallel zum Zahnärztekongress durchgeführte Internationale Jahreskongress des European College of Gerodontology ECG bot ebenfalls Vorträge namhafter österreichischer und internationaler Spezialisten der Alterszahnheilkunde, darunter Prof. Dr. med. Giovanni Maio, Freiburg, Dr. Anastassia E. Kossioni, Athen, und Claar D. van der Maarelo-Wierink, Nijmegen, dar.

Um eine intensive interdisziplinäre Diskussion zu fördern, haben die Veranstalter bewusst auf mehrfache Parallelvortragsblöcke in unterschiedlichen Sälen verzichtet. Dementsprechend wurde das Hauptprogramm in den zwei Tagen ausschließlich im Hauptsaal des congress|graz abgehalten. Weitere freie Vorträge, ein umfassendes Vortragsprogramm für zahnärztliche Assistenten mit zusätzlich insgesamt 16 Praxisworkshops sowie eine umfangreiche Dentalausstellung begleiteten das wissenschaftliche Programm.

Engagierte Referenten mit richtungsweisenden Konzepten, zufriedene Aussteller, ein hoch motiviertes Veranstaltungsteam und begeisterte Teilnehmer – der Österreichische Zahnärztekongress Graz ist rundum gelungen.

Im kommenden Jahr wird der Österreichische Zahnärztekongress vom 25. bis 27. September in Rust stattfinden.

Foto: © Graz Tourismus/OEMUS MEDIA AG/Univ.-Klinik für ZMK Graz
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