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Branchenmeldungen 21.02.2011

Schweizer Professor und Beate Uhse

Schweizer Professor und Beate Uhse

Mit einem polemischen und sich z.T. schon deutlich an der Grenze des guten Geschmacks bewegenden Vortrag präsentierte sich Prof. Thomas Imfeld/Zürich im Rahmen des ansonsten hochkarätigen wissenschaftlichen Programms des Bayerischen Zahnärztetages. Unter dem Motto „ästhetische Zahnheilkunde = lieb" und „kosmetische Zahnheilkunde = böse“ holte er in seinen, in weiten Teilen identischen Vorträgen, zum Rundumschlag gegen Zeitschriften, Veranstaltungen und gegen einzelne, seiner Meinung nach zu aggressiv werbende, Dentalfirmen aus.

Der Bayerische Zahnärztetag gilt gemeinhin als wissenschaftlich hochkarätige und vor allem gut besuchte Veranstaltung von überregionaler Bedeutung und wurde diesem Anspruch auch in diesem Jahr wieder gerecht. Lediglich die Vorträge von Prof. Thomas Imfeld ließen aus Sicht des Zuhörers eine gewisse Ernsthaftigkeit und bisweilen auch Seriosität vermissen. Wie im Programm ausgewiesen, referierte oder besser gesagt polemisierte der Referent mit zwei Vorträgen zum Themenkreis Ästhetik vs. Kosmetik.

Allein in der konkreten Themenstellung war das Ergebnis des Diskurses schon vorweggenommen. Da wurde zunächst das „Feindbild“, ohne auch nur wirklich zu hinterfragen, mit Stereotypen aufgebaut. Zunächst eine Definitionsfindung, die dem geplanten Ergebnis vorgriff, dann ein paar Bilder, wie unnötig und handwerklich schlecht angeblich kosmetische Zahnheilkunde praktiziert wird, und schließlich der Kompositaufbau eines abgebrochenen Frontzahnes als das herausragende Beispiel moderner Zahnheilkunde. Zahnaufhellung ist eigentlich „Teufelswerk“ und das Ergebnis kommt selbstverständlich „kloschüsselweiß“ daher, Veneers sind alles andere als schonend und verkürzen den Lebenszyklus des Zahnes um 20 Jahre, und selbst für die Implantologie gab´s den Running Gag, wonach der natürliche Zahn dem Implantat im Wege stehe, mit einem Bild dokumentiert. Einmal in Fahrt setzte der Professor noch mit einem von ihm „präparierten“ Cover einer Zeitschrift nach, wo er die Titelzeile durch den Schriftzug „Beate Uhse“ ausgetauscht hatte, womit er sich rein juristisch schon im Bereich der ehrverletzenden Darstellung befunden haben dürfte. Mal abgesehen davon, dass der Referent weite Teile des Vortrages mit identischem Bildmaterial und Aussagen den gleichen Teilnehmern bereits am Vorabend präsentiert hatte, war der Erkenntnisgewinn eher überschaubar. Folgte man dem eigentlichen Kontext der beiden Vorträge, war am Ende selbst ästhetische Zahnheilkunde eher problematisch.

Die eigentlichen Fragen und was denn nun der wirkliche Unterschied zwischen Ästhetik und Kosmetik sei, blieb daher weitgehend im Dunkeln. Viel wichtiger wäre es z. B. gewesen, sich ernsthaft mit der Frage des Umgangs der Wünsche der Patienten nach ästhetischen Veränderungen und den daraus resultierenden praxisorganisatorischen, juristischen und ethischen Fragen auseinanderzusetzen. Auch die Zahnmedizin befindet sich heute in einem sowohl politischen als auch marktwirtschaftlichen Spannungsfeld. Aufgrund der Tatsache, dass die Patienten oder besser Kunden auch in Deutschland ohnehin einen Großteil der zahnärztlichen Behandlungen aus der eigenen Tasche zahlen müssen, sollte man auch akzeptieren, dass diese sich informieren und konkrete Vorstellungen äußern.

Foto: © BLZK

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