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Wissenschaft und Forschung 16.06.2017

Milchzähne liefern Informationen für Erkrankungsrisiko von Autismus

Jana Schikora
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Bisher wurde angenommen, dass eine genetische Veranlagung und Umweltfaktoren für Autismus ursächlich sind. In einer aktuellen Studie mit Zwillingen haben amerikanische Forscher anhand von Milchzähnen neue Indizien gefunden.

Einen weiteren Hinweis auf den Einfluss von Umweltfaktoren auf das Erkrankungsrisiko von Autismus haben Forscher in einer Zwillingsstudie gefunden: Demnach wiesen Milchzähne von Kindern, die an Autismus erkrankten, eine höhere Konzentration an Blei sowie einen Mangel an Mangan und Zink auf.

Für die Studie, die von der Icahn School of Medicine in New York durchgeführt wurde, kamen ausschließlich Zwillingspaare zum Einsatz. Besonders bei eineiigen Zwillingen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass beide Geschwister an Autismus erkranken, wenn eines bereits erkrankt ist. Deshalb sind hier die Vergleichsmöglichkeiten besonders gut. Für ihre Untersuchungen benutzten die amerikanischen Wissenschaftler die Milchzähne der Kinder, da diese als Speicher fungieren. Das Material stammte von schwedischen Zwillingspaaren, die dort an einer Studie zu den Ursachen von Autismus und ADS teilnahmen. Unter den 32 Zwillingen waren 20 Paare, von denen nur ein Zwilling erkrankt war, und 12 Paare, bei denen bei beiden Autismus diagnostiziert wurde. Die Kontrollgruppe bestand aus 44 Zwillingspaaren ohne Autismus-Diagnose.

Mittels Laser wurden die verschiedenen Metallgehalte der unterschiedlichen Entwicklungsphasen der Milchzähne (von der 10. Woche pränatal bis zur 20. Woche postnatal) extrahiert und ihre Konzentration analysiert. Blei war bei den autistischen Kindern bis zu 50 Prozent höher konzentriert als bei den gesunden Kindern. Außerdem wiesen die erkrankten Kinder einen Mangel an Mangan und Zink auf. Während die Zinkkonzentration besonders pränatal auffällig niedrig war, stabilisierte sich der Wert postnatal aber schnell wieder.

Die Ergebnisse zeigen, dass Umweltfaktoren eine ebenso große Rolle für das Erkrankungsrisiko spielen wie die genetische Disposition. Ob aber ein Kontakt der Mutter mit den Toxinen bzw. eine Mangelernährung Schuld sind oder die Kinder die Metalle nicht ordentlich verstoffwechseln können, müssen weitere Untersuchungen erst noch belegen.

Die komplette Studie gibt es hier.  

Quelle: nature.com

Foto: pathdoc – stock.adobe.com
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