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Wissenschaft und Forschung 16.02.2017

Darum schützt Kauen vor Infektionen

Jana Schikora
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Im Speichel befinden sich wichtige Enzyme, die den Verdauungsprozess bereits im Mund in Gang setzen. Ordentliches Kauen ist deshalb für die Verdauung förderlich. Dass kräftiges Zubeißen aber auch vor Infektionen schützen kann, haben Forscher jetzt herausgefunden und ihre Ergebnisse im Journal Immunity veröffentlicht.

Das internationale Team der Wissenschaftler erkannte in seinen Untersuchungen, dass Kauen die Bildung von TH17-Zellen im Mund stimuliert. Diese Zellen gehören zu den T-Helferzellen, die ein wichtiger Teil des adaptiven Immunsystems sind. Speziell die TH17-Zellen dienen der Abwehr gesundheitsschädlicher Keime, kämpfen aber nicht gegen Bakterien, die für die Gesundheit förderlich sind. Bisher war nur bekannt, dass auch im Mund TH17-Zellen gebildet werden, aber nicht welcher Mechanismus dafür ursächlich ist.

In Untersuchungen mit Mäusen wollten die Wissenschaftler deshalb diesem Mechanismus auf den Grund gehen. Dazu wurden die Mäuse zunächst für 24 Wochen mit weichen Lebensmitteln gefüttert und danach sowohl die Produktionsmenge von TH17 als auch der Abrieb an den Zähnen betrachtet. Beides hatte sich signifikant im Vergleich zu Normalwerten verringert. Um einen Zusammenhang zwischen Zahnabrieb und der Produktion von TH17 herzustellen, simulierten die Wissenschaftler mit einem Wattestäbchen, dass über die Mäusezähne gerieben wurde, das Kauen harter Lebensmittel. Anschließend wurde erneut die Menge des produzierten TH17 gemessen. Das Ergebnis: Das TH17 hatte sich deutlich erhöht. Allerdings stellten die Forscher ebenfalls fest, dass eine zu Hohe TH17-Produktion die Entstehung von Parodontitis oder Gingivitis begünstigt. Genauso wie das ständige Kauen harter Lebensmittel den Zahnabrieb fördert und somit eine bereits bestehende Parodontitis verschlimmern kann. Zu dieser Erkenntnis kamen sie, als sie den Mäusen 24 Wochen lang nur hartes Futter zu fressen gaben.

© Joanne E. Konkel et al. 2017

Mit ihren Experimenten konnten die Wissenschaftler also beweisen, dass das Immunsystem nicht nur auf pathogene Keime reagiert, sondern auch beim Kauen harter Lebensmittel einsetzt. Von den Ergebnissen erhoffen sie sich neue Möglichkeiten, um Krankheiten über die orale Aktivierung des Immunsystems zu bekämpfen. Wie der Balanceakt zwischen der dentalen Schädigung und der positiven Wirkung von TH17 allerdings vonstatten geht, muss erst noch in weiteren Studien untersucht werden.

Die vollständige Studie gibt es hier.

Quelle: cell.com

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Foto: © rocketclips – fotolia.com
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