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Wissenschaft und Forschung 29.09.2016

Mangelernährung im Zahn nachweisbar

Jana Schikora
Jana Schikora
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Mangelernährung im Zahn nachweisbar

Dass das Dentin der Zähne Chemikalien und Umwelteinflüsse speichert, ist bereits bekannt. Dass aber auch Mangelernährung und Stress ihre Spuren im Gebiss hinterlassen, haben jetzt irische Forscher herausgefunden und ihre Ergebnisse im Magazin PLOS ONE veröffentlicht.

Ausgangspunkt für die Forschungen war der Fund eines Massengrabes eines Armen- und Waisenhauses aus dem 19. Jahrhundert 2005 in Irland. Da Sterbedaten und -umstände aus Dokumentationen bekannt waren, konnten die menschlichen Überreste der Kinder und Erwachsenen als ideale Untersuchungsobjekte genutzt werden. So machten sich die Forscher rund um Julia Beaumont von der Universität von Bradford auf die Suche nach Markern, die für eine Hungersnot typisch sein könnten.

 

dentin

Die Grafik zeigt die Entwicklungsrichtung des Dentins im menschlichen Zahn. © 2016 Beaumont, Montgomery.

Fündig wurden sie im Kollagen der Zähne. Dieses schlüsselt die Ernährungsweise zeitlich sehr präzise auf. Allerdings nur während der Entstehung, das heißt, ist das Dentin einmal vollständig aufgebaut, ändert es sich nicht mehr. Im Kollagen im Knochen ist es genau andersrum: Das wird täglich neu gebildet und mittelt so die Ernährung der letzten Lebensjahre.

Mit der Studie wollten die Forscher Marker ausfindig machen, die den Übergang von einer kartoffelhaltigen Ernährung zu einer maishaltigen Diät anzeigen, und somit Mangelernährung oder gar Hunger nachweisen. Dies ist ihnen auch gelungen: Kommt es während des Zahnwachstums zur Unterernährung sinkt der Anteil an Kohlenstoff stark ab und der Stickstoffanteil steigt enorm. Früher wurde dies als Anzeichen einer reichhaltigen Ernährung des Adels interpretiert, was aber bei den untersuchten Skeletten nachweislich nicht der Fall war.

Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass dieses Phänomen bei Mangel- und Unterernährung auftritt, weil der Körper sich quasi selbst verzehrt sowie bestehendes Protein recycelt und die letzten Fettreserven aufbraucht, welche einen geringen Kohlenstoffwert besitzen. Zugleich haben die Wissenschaftler aber auch festgestellt, dass nach einer Umstellung der Ernährung auf Mais sich die Kohlenstoff- und Stickstoffverhältnisse wieder normalisiert haben, was zeigt, dass sich der Körper an die neue Ernährungsweise angepasst hat. Besonders für die Forensik könnten die Studienergebnisse in Zukunft wichtig werden.

Die vollständige Studie gibt es hier.  

Quelle: PLOS ONE

Foto: © whiteLion – fotolia.com
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