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Wissenschaft und Forschung 21.02.2011

Schluckstörungen durch Zahnprothesen

Schluckstörungen durch Zahnprothesen

Schlecht sitzende oder lockere Zahnprothesen können gerade bei alten Patienten Schluckstörungen mit bedrohlichen Folgen hervorrufen. Darauf weist Dr. Heidrun Schröter-Morasch, Oberärztlin der HNO-Klinik Bogenhausen, im wissenschaftlichen Informationsdienst „Zahnmedizin Report“ hin.

Eine Prothese als „Fremdkörper" im Mund kann die Wahrnehmung von Speise und Flüssigkeit reduzieren (insbesondere in der Anpassungsphase) und zur verminderten Kontrolle der Muskelspannung führen. Das kann ein vorzeitiges Abgleiten von Nahrung in den Rachen und in den noch geöffneten Kehlkopf und in die Luftröhre bedingen. Nahrung oder Flüssigkeit in den Atemwegen führen zu lebensbedrohlichen Folgeerkrankungen: Chronische Bronchitis und Lungenentzündung bis hin zu Lungenversagen können die Folgen einer Schluckstörung sein. Hinzu kommt, dass diese Patienten oft auch an Unterernährung leiden.

Zahnarzt ist erster Ansprechpartner bei Schluckstörungen

Der Zahnarzt ist häufig der erste Ansprechpartner bei Schluckstörungen, da viele dieser Patienten ihre Beschwerden auf mögliche Zahnprobleme zurückführen (z.B. verlängerte Essdauer, Notwendigkeit des längeren Kauens oder des Kleinschneidens oder Pürierens fester Speisen, Husten beim Essen und Trinken, Liegenbleiben von Nahrungsresten im Mund, Herauslaufen von Speichel, Nahrung, Flüssigkeit aus dem Mund, Gefühl des Steckenbleibens von Nahrung im Hals und hinter dem Brustbein, Druckgefühl, Aufstoßen).

Mit einer rechtzeitigen funktionalen Therapie lassen sich die Beschwerden in den meisten Fällen reduzieren oder gar beseitigen. 60 bis 80 Prozent der behandelten Patienten erlangen die Fähigkeit zur zumindest teilweisen Nahrungsaufnahme über den Mund wieder, betont Dr. Schröter-Morasch.

Der Zahnarzt kann durch eine besondere prothetische Versorgung eine Funktionsverbesserung erreichen: Zum Beispiel kann durch Absenkung des harten Gaumens mittels einer verdickten Gaumenplatte - ebenso wie durch eine Verdickung der Unterkieferprothese als Widerlager der Zunge - der Kontakt mit der noch eingeschränkt beweglichen Zunge und damit eine Weiterbeförderung der Nahrung ermöglicht werden. Auch die Anfertigung von Stimulationsplatten kann für eine Verbesserung der Wahrnehmung und Beweglichkeit im orofazialen Bereich hilfreich sein. Unerlässlich ist zudem die Zusammenarbeit mit einem HNO-Arzt, so Dr. Schröter-Morasch.

Quelle: www.zahnmedizin-report.de

Foto: © Shutterstock.com

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