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Businessnews 08.05.2019

Eine volle Pipeline wegweisender Innovationen

Georg Isbaner
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Eine volle Pipeline wegweisender Innovationen

Im Rahmen eines Interviews mit Georg Isbaner, Implantologie Journal, während der IDS 2019 ging Nobel Biocare Präsident Hans Geiselhöringer u.a. auf den neuartigen Ansatz der „Mucointegration“ ein, sprach über den Stellenwert des Keramikimplantatsystems NobelPearl im Gesamtportfolio des Unternehmens und was die Teilnehmer des Global Symposiums in Madrid erwartet. Zudem lüftete er bereits ein paar Geheimnisse über das neue Implantatsystem N1, welches bald auf den Markt kommen wird.

Herr Geiselhöringer, Ihrem Auftritt auf der IDS nach zu urteilen scheint bei Nobel Biocare ja wieder einiges in Bewegung zu sein.

Damit liegen Sie richtig. Innovation ist ein Grundpfeiler unserer Strategie. Seit einigen Jahren arbeiten wir intensiv daran, eine Reihe von wegweisenden Innovationen auf den Markt zu bringen, die die Implantologie, wie wir sie kennen, verändern werden. In der Vergangenheit haben wir bereits maßgebende Neuerungen auf den Weg gebracht und sind ständig bestrebt, die Entwicklung unserer Produkte noch weitreichender voranzutreiben. Deshalb haben wir uns sehr viele Gedanken gemacht und signifikant in die Entwicklung einer neuen und fortschrittlichen Oberflächentechnologie investiert. Diese bezieht sich nicht nur auf das Implantat, sondern auch auf das Abutment und im Speziellen auf das Soft-Tissue-Interface. Wir sind sehr stolz, dieses absolut neuartige Konzept mit dem Namen Mucointegration™ hier auf der IDS erstmals vorzustellen.

Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff?

Die Implantologie war bisher primär auf die Einheilung des Implantats mit dem Knochen ausgerichtet. In den letzten Jahren ist das Weichgewebe allerdings immer mehr in den Fokus gerückt, da es für die Langfristigkeit der Ästhetik sehr entscheidend ist. Aus meiner Sicht waren bisher nicht genügend Lösungen vorhanden, um diesen Ansatz zuverlässig und langfristig zu verfolgen. Mit unseren neuen Oberflächen sind wir jetzt noch besser in der Lage, der Nachfrage von Patienten nach Lösungen zu entsprechen, die neben einer sofortigen Funktion und kürzerer Behandlungsdauer, bessere Langzeitergebnisse und Ästhetik ermöglichen. Die nötigen Studien, die meine Aussage untermauen, gibt es mittlerweile schon.

Darüber hinaus stand bisher meistens die Rauheit im Mittelpunkt der Überlegungen, wenn es um Oberflächen ging. Jedoch ist das nicht das einzige Kriterium, das entscheidet, ob eine Oberfläche ideal osseointegriert ist und mit dem Zahnfleisch harmoniert. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Oberflächenchemie. Diese kann nur mit einer speziellen Form der Anodisierung funktionieren, und genau nach diesem Prinzip haben wir unsere Xeal-Oberfläche entwickelt, die das Abutment und das Soft-Tissue-Interface am oberen Implantatkopf adressiert. Mucointegration ist ein Konzept, das komplett neue Investitionen in Forschung, Entwicklung und Produktion erfordert. Allerdings war uns klar, dass es in der Implantologie – entgegen der Meinung, es gäbe keine wirklichen Innovationen mehr in diesem Bereich – so viele noch nicht adressierte Probleme gibt. Diesen haben wir uns intensiv gewidmet und für fast jeden entscheidenden Behandlungsschritt massive Verbesserungen gefunden, welche wir zusammengefasst und in einem Implantatsystem gebündelt haben. Das Nobel Biocare N1™ wird auf unserem Global Symposium Ende Juni 2019 in Madrid vorgestellt. Es besticht durch ein einfaches Handling, eine sehr gute Vorhersagbarkeit von Behandlungsergebnissen sowie eine äußerst kurze Osseointegrationsdauer und wird neue Maßstäbe für die Industrie setzen. Ich freue mich schon sehr darauf, unsere Xeal-Oberfläche und das neue N1 Implantatsystem unseren Kunden auf dem Symposium in Madrid zu präsentieren.

Mit NobelPearl hat Nobel Biocare seit letztem Jahr ein Keramikimplantat am Markt, das in der oberen Liga mitspielt. Welchen Stellenwert hat NobelPearl derzeit in Ihrer Strategie?

NobelPearl ist ein wichtiger Aspekt in unserem Portfolio, wenngleich auch die Keramikimplantologie in naher Zukunft vermutlich ein Nischenbereich bleiben wird. Wie sich dieser Bereich in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren entwickeln wird, vermag ich allerdings nicht zu prognostizieren.

NobelPearl ist wichtig für uns, weil es Patienten gibt, die das Bedürfnis haben, vollkeramisch versorgt zu werden. An dieser Stelle möchte ich nicht darüber urteilen, welche Vor- oder Nachteile die Keramik gegenüber anderen Materialien hat. Für mich ist nur wichtig, dass ein Implantat klinisch gut funktioniert und dass es wissenschaftlich gut dokumentiert und fachlich belegt ist. All das ist unser Implantat mit Sicherheit.

Darüber hinaus finde ich es bei einem Keramikimplantat wichtig, dass es tatsächlich metallfrei ist. Abgesehen von NobelPearl gibt es derzeit kein solches Implantat, denn überall ist in der Regel noch eine Metallschraube verbaut. Ich als Patient wäre höchst erstaunt, wenn ich eine metallfreie Konstruktion wünsche und am Ende eine Metallschraube implantiert bekomme.

Des Weiteren finde ich wichtig, dass ein Keramikimplantat zweiteilig ist, denn das hat besonders mit Blick auf die Einheilungsphase viele Vorteile. Keramikimplantate sind während dieser Zeit für Sofortbelastungen nicht gut geeignet. Allerdings gibt es immer irgendwelche Belastungen, sei es durchs Kauen oder durch die Zunge. Zudem finde ich zweiteilige Keramikimplantate auch schlichtweg ästhetischer. Das ist zwar nur meine persönliche Meinung, allerdings glaube ich, dass mir viele Kollegen und Zahnärzte in dieser Hinsicht zustimmen würden.

Sie haben vor Kurzem Ihre neue Global Symposia Veranstaltungsreihe angekündigt. Worauf können sich Zahnärzte beim ersten dieser Fortbildungsverantaltungen diesen Sommer in Madrid freuen?

Viele Jahre lang war es unser Konzept, alle drei Jahre ein globales Symposium und in der Zwischenzeit Länder-Symposien auszurichten. Basierend auf dem sehr guten Feedback, das wir von unseren klinischen Partnern auf die neuen Produkte im Vorfeld erhalten haben, haben wir uns jedoch dafür entschieden, anstelle von einem globalen insgesamt drei globale Events zu veranstalten. Eines wird davon in Europa, eines in Nordamerika und eines in Asien stattfinden.

Wir benötigen schlichtweg drei globale Symposien, um unsere vielen Fortschritte und Neuerungen auch adäquat global adressieren zu können. So wird in Madrid unsere neue Oberfläche und das neue Implantatsystem N1 vorgestellt. In den USA wird die Oberfläche dann auch noch einmal vorgestellt und N1 eingeführt. In Tokio werden wir dann die Oberfläche und N1 zusammen einführen. Uns war es wichtig, so viele Kunden wie möglich mit unseren Symposien zu erreichen, da es sich bei den Neuerungen um wahre Durchbrüche in der dentalen Implantologie handelt. Es ist ein weiterer, bedeutender Schritt, um zukünftig noch schneller, sicherer und vorhersagbarer implantieren zu können. Besonders N1 ist so anders als das, was man bisher gewohnt war und bis heute als gut angesehen hat. Man könnte es fast als revolutionär bezeichnen, denn es adressiert jeden Schritt der Implantatbehandlung. Ich freue mich sehr auf die Reaktionen, wenn wir das Implantatsystem vorstellen werden und wenn die Experten die Designs und die Biologie sehen, die hinter N1 stecken. Mit Blick auf die Aufbereitungsmöglichkeiten des Implantatbetts zum Beispiel oder den neuen Implantatkörper – N1 ist in jeder Hinsicht erstaunlich. Unsere Teams und die mehr als 20 Universitäten, mit denen wir zusammengearbeitet haben, um das System zu entwickeln und zu testen, haben einen unglaublich guten Job gemacht. Ein weiterer entscheidender Punkt ist das Training, wenn wir eine solche Innovation einführen. Dieses muss optimal stattfinden. Auf einer Messe zum Beispiel ist das natürlich nicht möglich. Bei einem Symposium hingegen können wir viele kleine Hands-on-Kurse mit erfahrenen Experten anbieten, die zu der Zeit dann bereits über ein Jahr lang mit dem Produkt arbeiten konnten. Mit deren Feedback und durch einen Peer-to-Peer Austausch können wir Zahnärztinnen und Zahnärzte optimal trainieren und informieren. Allerdings fungieren wir in erster Linie als reine Veranstalter dieser Weiterbildungen und das wirkliche Training kann nur optimal funktionieren, wenn ein Experte einen Experten ausbildet. Dieser Ansatz ist mitunter ein entscheidender Schritt in Richtung der Themen, auf die wir künftig noch mehr Wert legen möchten – Mentoring und Coaching. Wir haben begonnen, ein Netzwerk zu etablieren, dass Kliniker in der ersten Phase der Nutzung unserer neuen Produkte unterstützen soll. Darüber hinaus soll es dazu dienen, bei Problemen einen Ansprechpartner zu haben, der Feedback geben kann, weil er potenziell mehr Erfahrung mit diesen Produkten hat.

Welche Herausforderungen sind damit verbunden, die Dachmarke „Nobel Biocare Systems“ zu etablieren? Wie kommunizieren Sie dies den Zahnärzten?

Die Innovationen, die wir mit Xeal, TiUltra und N1 auf den Markt bringen, sind klar von denen unserer Value Brands, wie etwa Alpha Bio Tec, Implant Direct oder Logon, abgegrenzt. Das Portfolio, das wir jetzt mit Nobel Biocare einführen, kann man als die nächste Generation in der Implantologie bezeichnen, und für Zahnärzte schaffen wir damit natürlich die nötigen Anreize. Die Oberflächen-Technologie und die Protokolle, die verwendet werden, um N1 zu implantieren, werden vielen Patienten helfen, weniger traumatisiert, weniger belastet und mit weniger Angst auf eine Implantbehandlung zurückblicken zu können. Neben den Kosten für eine Behandlung ist die größte Sorge des Patienten doch nach wie vor die der Schmerzen, die mit einem chirurgischen Eingriff einhergehen. Solange wir nicht weiter forschen und entwickeln, können wir diese Angst auch nicht adressieren.Ich bin allerdings davon überzeugt, dass wir mit der Entwicklung von N1 und der neuen Oberflächentechnologie in dieser Hinsicht einen Riesenschritt in die richtige Richtung gemacht haben. Gerade in der Implantologie gibt es doch noch so vieles, was es zu verbessern gilt, wenn man sich zum Beispiel digitale Integrationsmöglichkeiten und die dreidimensionale Planung vor einem Eingriff anschaut. Es hat nicht lange gedauert, bis unser All-on-4® Konzept zum standardmäßigen Behandlungsprotokoll für den zahnlosen Kiefer avancierte, und ich bin zuversichtlich, dass es auch in anderen Bereichen der Implantologie Konzepte gibt, denen wir uns annehmen können, um auch zukünftig unserer „Leadership in Innovation“-Rolle in der Industrie gerecht zu werden. Zudem bin ich zuversichtlich, dass wir in den nächsten fünf bis sieben Jahren weitere wegweisende Innovationen auf den Markt bringen können. Die Oberflächentechnologie und N1 sind da erst der Anfang. Wir werden darüber hinaus auch stärkeren Fokus auf die langfristige Erhaltung von Weichgewebe legen. Dies ist ein entscheidender Bereich, der bisher gar nicht oder nur wenig in der Implantologie adressiert wurde. Um intaktes Weichgewebe um das Implantat, die Prothetik und das Interface herum sicherstellen zu können, brauchen wir wissenschaftlich fundierte Protokolle, und die gibt es derzeit leider noch nicht. Allerdings arbeiten wir in diesem Zusammenhang bereits an einem neuen Produkt, welches wir gerade zur Marktreife führen und innerhalb der nächsten zwei Jahre launchen werden. Ich bin froh darüber, dass wir eine volle Pipeline mit wegweisenden Innovationen haben, die allesamt auf die Optimierung des klinischen Workflows abzielen und die Behandlungen für Patienten letztendlich weniger invasiv und zeitintensiv machen werden. Bei Nobel Biocare steht immer der Patient im Mittelpunkt. Mit unseren neuen Produkten wird die Zuverlässigkeit von Versorgungen wesentlich verlängert werden, sodass Patienten hoffentlich ein Leben lang mit unseren Implantaten und unserer Prothetik leben können.

Bei der Zulassung von medizinischen Produkten gibt es noch immer großen Aufklärungsbedarf. Wie schätzen Sie dieses Thema ein?

Es wird immer schwieriger, ein Produkt zuzulassen. Darüber bin ich allerdings froh. Wenn ich als Patient eine Behandlung benötige, dann möchte ich natürlich, dass das verwendete Produkt sicher und medizinisch getestet ist sowie wissenschaftlich untermauert in den Markt eingeführt wurde. Dies ist die Verantwortung eines jeden Herstellers von medizinischen Produkten. Ich begrüße klare Regeln, wann ein Produkt zugelassen wird und wann nicht.

Herr Geiselhöringer, vielen Dank für das Gespräch.

Foto: OEMUS MEDIA AG

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