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Labormanagement 27.01.2021

Laboralltag: Die vier Stufen des Berufslebens

Laboralltag: Die vier Stufen des Berufslebens

Das Berufsleben schreibt wunderschöne Geschichten. Sie haben die Zahntechnik von der Pike auf gelernt, anschließend das Handwerk verfeinert und schließlich den Schritt zum Meister gewagt. Es war ein langer und anstrengender Weg, doch mit diesen Fähigkeiten und dem handwerklichen Können ist auch der Schritt in die Selbstständigkeit gefolgt. Hier angekommen, sollte doch alles so einfach sein.

Die Kunden kommen von alleine in das Labor. Der Zahnersatz sprudelt nur so ins Unternehmen, die Aufträge pro Kunde steigen stetig. Doch oftmals ist das in der Realität nicht so einfach. Zwischen Wunsch und Wahrheit klafft eine riesige Lücke und keiner scheint helfen zu können.

Hier kommen häufig die vier Stufen des Arbeitslebens ins Spiel. Je nachdem, in welcher Dekade Sie sich gerade befinden, ändern sich die Anforderungen. Die Aufgaben steigern sich konsequent. Nicht jeder Mensch ist bereit, diese vier Stufen zu durchleben. Manche kommen bis zur Stufe 3, andere hören bereits nach der ersten Stufe auf und wundern sich, warum es keinen Fortschritt gibt. Die Entscheidung dazu ist aber freiwillig. Wichtig ist nur, dass man sich damit arrangieren kann. Es gibt nur Unternehmer oder Unterlasser. Beide haben ihre Berechtigung – als Selbstständiger ist Letzteres für Sie allerdings keine Option.

Stufe 1: Die Lehre

Blicken wir auf die ersten zehn Jahre des Berufslebens. Hier geht es darum, den Beruf zu erlernen. Ausbildungsberufe haben meist eine Dauer von drei Jahren. Der Lehrling bekommt in dieser Zeit einen Überblick über die meisten Facetten des Berufs. Nach der Lehre beginnt jedoch erst der Feinschliff. Der junge Mensch hat vieles erlebt und sich einige Handgriffe angeeignet. Jetzt heißt es, die Abläufe so oft zu wiederholen, dass sie sprichwörtlich in Fleisch und Blut übergehen. Zusätzlich trainiert man seine Fähigkeiten so weit, dass sie in einer ansprechenden Zeiteinheit zu erledigen sind. Damit hat man dann die Chance auf eine entsprechend angepasste Bezahlung.

Stufe 2: Die Spezialisierung

Die zweite Dekade dient der Spezialisierung. Will man sich im Fachlichen auf eine Sache konzentrieren, werden Fortbildungen besucht, Bücher gewälzt und viel geübt. Irgendwann erlangt man dann den Status des Spezialisten. Man wird Ansprechpartner, wenn eine Aufgabe schwierig wird. Anfänglich nur in den eigenen Reihen und später dann auch orts- oder flächenübergreifend. Geht man dann so weit, dass man Wissen weitergibt oder sogar noch veröffentlicht, ist die Spezialisierung und die Anerkennung als solches erreicht. Der Weg dahin ist lang.

Am besten kann man das mit der 10.000-Regel erklären. Ein kleines Kind braucht ca. 10.000 Versuche, bis es richtig laufen kann. Dieselbe Anzahl an Versuchen ist nötig, um Profi in einem Bereich zu werden. Wer zu früh aufhört, verschwindet in der Mittelmäßigkeit und wird nicht mehr beachtet. Hierbei sollte man dem großen, übergeordneten Ziel treu bleiben und es nie aus den Augen lassen.

Wenn Sie unternehmerisch denken, ist die Spezialisierung eine andere. Hier sollte nicht das Ziel sein, sich auf eine Fähigkeit zu beschränken, sondern sich in allen Bereichen gute oder sogar überdurchschnittliche Fähigkeiten anzueignen. So ist eine Absicherung des Unternehmens gewährleistet. Hier eignet sich die Meisterausbildung oder/und der Betriebswirt. Es geht also im Großen und Ganzen um die fachspezifische Spezialisierung. Es dauert nicht unbedingt zehn Jahre, bis das Ziel erreicht worden ist, manche sind schon früher selbstständig oder haben ihr Wissen veröffentlicht. Doch bis man sich seiner Sache sicher ist, gehen einige Jahre ins Land. Am Ende sind Sie in Ihrem gewählten Bereich Spezialist und können souverän und zielstrebig alle Herausforderungen meistern.

Stufe 3: Der Mensch

Die dritte Dekade ist die spannendste, da in dieser Phase weder Ihre fachliche Qualifikation gefragt ist noch Ihr Repertoire an zuvor angeeignetem theoretischem Wissen hilft. Hier geht es um die Fähigkeit, mit Menschen zu arbeiten. Je schwieriger die Menschen sind, desto besser sollten Sie mit ihnen zurechtkommen. Werden Sie ein Spezialist im Bereich der Menschenkenntnis. Ihre Fähigkeit sollte es sein, jeden Menschen so, wie er ist, zu akzeptieren. Keine Situation, kein Mensch und auch kein Ereignis wirft Sie mehr aus der Bahn. Kurzes Innehalten, in aller Ruhe die Ressourcen nutzen und zeitnah einen Lösungskatalog erstellen – das sind Ihre Fähigkeiten, die Sie nicht mehr aus dem Wohlfühlbereich herausbringen. Sie erkennen jede noch so kleine Unzufriedenheit und räumen sie emphatisch und zügig aus dem Weg. Das Schöne dabei ist, dass es auch noch richtig Spaß macht.

Phase 4: Die Ernte

Die letzten zehn Jahre des beruflichen Tuns sind die schönsten. Als Metapher für das ganze Berufsleben kann man ein verpacktes ferngesteuertes Modellflugzeug verwenden. Am Anfang halten Sie die unbekannte Schachtel in der Hand, dann wird das Geschenkpapier entfernt und Sie erfreuen sich an der Überraschung. Mit unbändigem Eifer wird die Schachtel geöffnet, doch beinhaltet sie kein Flugzeug, sondern nur unendlich viele Einzelteile aus unterschiedlichen Materialien. Zum Glück liegt eine Anleitung anbei. Die Vorfreude lässt einen dann sofort in die Werkstatt eilen und das Projekt beginnen. Ist alles überstanden und zusammengebaut, folgt die Belohnung. Sie bekommen den gerechten Lohn, wenn Sie alles richtig gemacht haben. Ihr Flieger ist in der Luft.

Fazit

Es gibt viele Menschen, die ein Projekt nicht bis zum Ende führen oder bei der langen Vorbereitungszeit die Lust verlieren und somit das Projekt auf der Strecke liegen lassen. Jeder Berufstätige darf selbst entscheiden, wie weit er in seinem Vierstufenplan gehen will. Doch nur diejenigen, die die ersten drei Stufen gut hinter sich gebracht haben, gelangen zu der Erntephase.

Der Beitrag ist in ZWL Zahntechnik Wirtschaft Labor erschienen.

Foto Teaserbild: pict rider – stock.adobe.com

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