Labormanagement 10.06.2021

Vom Meister zum Ausbilder: „Man muss es einfach lieben“

Rebecca Ludwig
Rebecca Ludwig
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Vom Meister zum Ausbilder: „Man muss es einfach lieben“

Foto: Robert Kneschke – stock.adobe.com

Robert Huber ist seit 17 Jahren Lehrer an den Meisterschulen am Ostbahnhof. Als Bereichsleiter für den berufs- und arbeitspädagogischen Teil 4 der Meisterausbildung kommt er täglich mit Lernenden auch aus dem zahntechnischen Handwerk zusammen. Im Interview erklärt er, was die Lernenden zu guten Lehrenden machen wird und warum es so ratsam ist, ein Ausbildungsbetrieb zu werden.

Herr Huber, direkt zu Beginn: Was macht einen guten  Ausbildenden aus?

Man kennt ja die Handlungskompetenzen: Selbst-, Fach- und Sozialkompetenz etc. Ausbildende brauchen diese Eigenschaften auf einem hohen Level. Was aber das Ganze zusammenhält, ist der bloße Fakt, dass man den Menschen lieben muss. Die Arbeit und Herausforderung eines Lehrers und damit auch eines Ausbilders ist es, etwas zum zehnten Mal zu erzählen und dabei die Begeisterung an der Sache nicht zu verlieren. Denn sowohl der Mensch gegenüber als auch das Handwerk sind diese Begeisterung und Mühe wert. Hermann Hesse hat gesagt: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ – und da ist etwas sehr Wahres dran. Ein neuer Azubi in meist jungem Alter kommt in einen wohlstrukturierten Betrieb und findet sich hier in einer völlig anderen Lebenswirklichkeit wieder. Lehrende und Ausbildende heutzutage müssen das Gespür besitzen, dass die junge Generation nicht mehr wie früher nahe an der Arbeitswelt der älteren Generation ist, sondern einen enorm großen Abstand dazu hegt. Und diesen riesigen Sprung in die Arbeitswelt hinein DARF man begleiten. „Muss“ ist an dieser Stelle unpassend. Es muss insgesamt um mehr gehen als der finanzielle Aspekt. Wenn ein Ausbilder das vorlebt, startet die nächste Generation schon in den besten Positionen.

Welche Stellung haben Ausbildende also inne?

Man ist eine Art „Türöffner“: Zum einen eben hin zum Handwerk, und hier ist die große Liebe dazu so entscheidend. Gerade in der Zahntechnik sitzt man in Deutschland ja quasi an der Quelle: es gibt so viele verschiedene Werkstoffe, so viele technische Möglichkeiten. Der Ausbildende muss lieben, dass sich das Handwerk in der Zukunft ändert, also gespannt und neugierig sein. Diese Neugierde und den Spaß kann und soll er dann auf die Auszubildenden übertragen. Die Begeisterung für das Fach vorleben, das ist die Aufgabe des Ausbildenden.Zum anderen öffnen Ausbildende aber die Türen auch hin zur Arbeitswelt. Diese ist ganz anders als den Azubis bisher bekannte schulische Umgebung. Doch gerade im Handwerk können Auszubildende als Neulinge direkt sehen und anfassen, was sie erreicht haben, und das erleichtert den Einstieg in das Berufsleben ungemein.

Warum sollte ein Betrieb ausbilden?

Diese Frage klären wir auch im Teil 4 der Meisterausbildung. Ein ausbildender Betrieb hilft nicht nur den Auszubildenden, sondern ebenso dem Bestandsteam. Die Azubis lernen in der Ausbildung, sich selbst zu hinterfragen und sich in ihren Tätigkeiten selbst wahrzunehmen. Das führt dazu, dass sie kritische Fragen stellen. Und das führt dann im Gegenüber, beim Bestandsteam, wiederum dazu, sich zu hinterfragen. Und so kommen wir alle immer weiter, so können wir alle voneinander profitieren.

Gleichzeitig bringen die Auszubildenden auch Energie mit in den Betrieb. Wenn man selbst schon etwas abgespannt ist, erinnert der Nachwuchs oft ganz nebenbei daran, warum wir selbst den Beruf machen. Die Bestandsmitarbeiter „entschlafen“ also nicht, sie bleiben hungrig und wach.

Wie wird sich die kommende Generation an Ausbildern Ihrer Einschätzung nach machen?

Viele sind pessimistisch. Ich persönlich aber nicht, ganz im Gegenteil. Ich habe vielmehr das Gefühl, dass die Generationskonflikte, die es früher gegeben hat, heute nicht mehr so prägend sind. Wir unterscheiden uns nicht mehr so stark voneinander. Die „Alten“ sind weit weniger festgefahren, das lebenslange Lernen ist einfach normal geworden. Und auch das Wertschätzen junger Leute ist in der älteren Generation weitgehend vorhanden.

Mir wird nur bang, wenn die Leute nicht ins Handwerk bzw. in einen Beruf finden, in dem sie sich wohlfühlen. Arbeiten ist so viel mehr als Broterwerb. Der Abstand von Arbeitswelt und Lebenswirklichkeit vieler junger Leute ist heute groß. Es gibt kaum Gewerbemischgebiete, wir schieben die Lebenswelten weit auseinander. Viele Eltern erzählen ihren Kindern nicht, was sie arbeiten. Die Begleitung in die Arbeitswelt hinein ist heutzutage nicht gewährleistet. Hier sehe ich die Eltern, aber auch die Ausbilder in der Verantwortung. Wieder hin zum gemeinsamen Anpacken.

Herr Huber, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview ist in ZT Zahntechnik Zeitung erschienen.

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