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Patienten 22.09.2015

Wer ist die „Generation 65 plus“?

Wer ist die „Generation 65 plus“?

Wenn es früher um Alterszuschreibungen ging, wurden die Menschen in „jung“ und „alt“ eingeteilt. Aktuelle Erhebungen des Statistischen Bundesamtes zeigen jedoch deutlich, was bereits in vielen Bereichen wahrzunehmen ist: Die sogenannte „Generation 65 plus“ ist die der „jungen Alten“ – vergleichsweise aktiv und so fit, wie es eine Großelterngeneration noch nie war. Wer ist also die Generation 65plus und was macht sie aus?

Eines kann vorweg genommen werden: Mit dem Renteneintritt beginnt zwar noch immer ein neuer Lebensabschnitt, aber noch lange nicht der Abschied vom Leben. Vielmehr wird heutzutage vom dritten, vierten und fünften Lebensabschnitt gesprochen, wenn es um die Zeit nach dem aktiven Berufsleben geht. Auch sind die „Alten“ keine homogene Masse, sondern unterscheiden sich in ihren demografischen, sozioökonomischen, psychografischen und physischen Merkmalen zum Teil erheblich. Ende 2013 lebten in Deutschland rund 81 Millionen Menschen. Davon waren 17 Millionen Menschen 65 Jahre oder älter. Damit gehörte jeder fünfte Deutsche zur Generation 65plus. Bis zum Jahr 2060 wird sich der Anteil voraussichtlich auf 33 Prozent erhöhen (Tab. 1). 

Leben mit „65 plus“

Laut Statistischem Bundesamt ist innerhalb von wenigen Jahrzehnten die Lebenserwartung der Generation 65plus signifikant gestiegen. Demnach werden jetzt 65-jährige Frauen fast 86 Jahre alt, zum gegenwärtigen Zeitpunkt 65-jährige Männer im Durchschnitt 82,5 Jahre. Der Zeitraum bis zum Lebensende ist also vergleichbar mit dem von Mittvierzigern bis zur Rente.

Gesundheitszustand: Drei Viertel fühlen sich fit

Den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes zufolge fühlen sich drei Viertel der Älteren fit. In den vier Wochen vor der Mikrozensuserhebung im Jahr 2013 hatten rund 24 Prozent der 65-Jährigen und Älteren gesundheitliche Beeinträchtigungen, die zu Einschränkungen in den gewohnten Tätigkeiten führten. Männer (23 Prozent) und  Frauen (24 Prozent) empfanden fast gleichermaßen. Mit zunehmendem Alter nimmt jedoch die Zahl derer zu, die sich gesundheitlich beeinträchtigt fühlen: In der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen bezeichneten sich im Jahr 2013 rund 18 Prozent als krank oder unfallverletzt, zwischen 70 und 74 Jahren schätzten dies zu 21 Prozent ein und ab 75 Jahre 28 Prozent (Tab. 2). Objektive Indikatoren zum Gesundheitszustand belegen allerdings, dass die Zahl älterer Krankenhauspatienten ab 65 Jahre deutlich zugenommen hat. So waren im Jahr 2013 insgesamt 43,2 Prozent aller Behandelten ab 65 Jahre. Das entspricht einem Anstieg seit 2003 um fast 25 Prozent. Auch steigt mit zunehmendem Alter das Risiko, auf Pflege angewiesen zu sein: Zum Jahresende 2013 waren insgesamt 2,2 Millionen Menschen ab 65 Jahre pflegebedürftig. Davon wurden zwei Drittel zu Hause versorgt und 42 Prozent ausschließlich durch Angehörige. Vollstationär in Pflegeheimen versorgt wurden 33 Prozent der Pflegebedürftigen ab 65 Jahren.

Erwerbstätigkeit: Erwerbstätigenquote mehr als verdoppelt

Im Schnitt geht der Bundesdeutsche mit 65 Jahren und drei Monaten in Rente. Die aktuellen Zahlen der Statistiker zeigen jedoch, dass viele länger arbeiten als noch vor wenigen Jahren. Während vor zehn Jahren noch sechs Prozent der Rentenberechtigten zwischen 65 und 69 Jahren erwerbstätig waren, so waren es 2014 schon 14 Prozent. Jeder Siebente arbeitet damit über den Renteneintritt hinaus weiter. Die Erwerbstätigenquote hat sich damit in kurzer Zeit mehr als verdoppelt (Tab. 3).

Einkommen: Mehr Bezüge von Grundsicherung

Wenngleich das Rentenalter nicht mehr gleichzusetzen ist mit Ruhestand und  Erwerbstätigkeit auch ab 65 Jahren eine Rolle spielt, bestreitet die Mehrheit der Generation 65 plus den hauptsächlichen Lebensunterhalt durch Renten- oder Pensionsbezüge. Im Jahr 2014 waren das laut Statistischem Bundesamt 88 Prozent. Allerdings lebte im gleichen Jahr jede vierte ältere Frau (25 Prozent) in einer Paargemeinschaft von Einkünften Angehöriger, meist des Ehemannes oder Partners. Insgesamt 73 Prozent der älteren in Paargemeinschaften lebenden Frauen hatten ein persönliches Einkommen von unter 900EUR. Weiterhin bezogen zum Jahresende 2013 knapp 500.000 Menschen ab 65 Jahre Leistungen der Grundsicherung nach SGBXII und damit fast doppelt so viele wie noch in 2003. Die Generation 65plus ist jedoch weniger armutsgefährdet als die 18- bis 64-Jährigen in Deutschland (Tab. 4).

Techniknutzung: Mehr als jeder Zweite nutzt einen Computer

Die Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren stehen mitten im Leben. Bereits 57 Prozent nutzten laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2014 einen Computer. Im Vergleich zu 2010 ist damit die Computernutzung um 8 Prozentpunkte gestiegen. Ebenso deutlich hat auch die Internetnutzung zugenommen, von 35 Prozent im Jahr 2010 auf 45 Prozent in 2014 (Tab. 5).

Bildung: Auch im Alter Neues lernen

Der Generation 65 plus ist Bildung auch im Alter wichtig. Immerhin waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes an deutschen Hochschulen zum Wintersemester 2014/15 rund 42 Prozent aller Gasthörerinnen und Gasthörer 65 Jahre und älter. Zehn Jahre zuvor waren 31 Prozent mindestens 65 Jahre alt. Interessant ist auch die Tatsache, dass die Gesamtzahl der Gasthörerinnen und Gasthörer in den vergangenen zehn Jahren um 14 Prozent gesunken, die Anzahl der Gaststudierenden ab 65 Jahren aber um ganze 20 Prozent gestiegen ist. Auch die Kurse an Volkshochschulen erfreuen sich bei den 65-Jährigen und Älteren wachsender Beliebtheit. Von 2003 bis 2013 ist ihr Anteil an den Kursbesuchen um knapp 6 Prozentpunkte auf 15,4 Prozent gestiegen. Der Themenbereich Gesundheit war bei den Kursteilnehmern ab 65 Jahre übrigens am beliebtesten.

Warum Alterszahnheilkunde?

Bereits im Jahr 1989 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO die „Geriatrisierung der medizinischen Disziplinen“ durch Aus-, Fort- und Weiterbildung gefordert. Zwar gibt es keine „Alten“ per se, und die „Alten“ sind jung geblieben. Doch gerade weil der Anteil der Generation 65 plus an der Bevölkerungspyramide bei steigender Lebenserwartung wächst und die „jungen Alten“ vergleichsweise aktiv und fit am Leben teilnehmen, kann dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Lebenssituation und der Gesundheitszustand von älteren bis alten Menschen von dem 30-Jähriger unterscheidet. Diese Patientengruppe ist aus zahnmedizinischer Sicht als heterogen zu betrachten und bedarf individueller Behandlungsansätze. Ziel einer funktionierenden Alterszahnheilkunde muss ein „gesundes Altern“ sein, bei größtmöglicher Mundgesundheit und Erhaltung der Funktionalität zur Sicherung von Lebensqualität und lebensnotwendiger Ernährung. Eine multidisziplinäre Zusammenarbeit sowie Fortschritte in der Prophylaxe, der restaurativen Zahnheilkunde, Implantologie, Parodontologie, Endodontologie und auch der Zahntechnik tragen dazu bei.

Foto: © Wavebreak Media – Shutterstock
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