Anzeige
Praxishygiene 28.10.2016

Amalgamkapseln in Untertagedeponien?

Amalgamkapseln in Untertagedeponien?

Rohstoffkreisläufe dentalmedizinischer Abfälle in Deutschland - Teil 8

Es ist schon erstaunlich. Die Verwendung von Amalgam als Füllungsmaterial ist immer mal wieder in den Medien und es gibt die Befürworter und Ablehner des quecksilberhaltigen Materials gleichermaßen.

Eigentlich hat man das Gefühl, dass immer weniger Menschen in Deutschland sich für Amalgam als Füllungsmaterial entscheiden. Viele Praxen bieten es nicht einmal mehr 
an. In einigen Universitäten wird das Verarbeiten von Amalgam auch gar nicht mehr gelehrt. Man möchte also meinen, dass 
sich die Mengen an verarbeitetem Amalgam stark reduziert hätten.

Spricht man nun mit den Herstellern, so werden einem zwar Stagnation und inzwischen auch ein tendenzieller Rückgang 
bestätigt, jedoch augenscheinlich nicht annähernd so stark wie man vielleicht vermuten würde.

Der Entsorgungsfachbetrieb enretec GmbH kann keinen nachhaltigen Rückgang bei 
den Entsorgungsmengen bestätigen. Das Entsorgen dieses ganz speziellen Abfalls 
ist also ein Thema und wird auch künftig 
ein Thema sein. Welche Abfälle fallen zum Zeitpunkt der Amalgamherstellung in der Praxis an?

Der wohl gängigste Weg, Amalgam anzumischen, ist die Verwendung von Einwegkapseln. Es gibt auch weitere Techniken, das Füllungsmaterial anzumischen, wie 
z.B. vorportionierte Feilung und Queck
silber, die in einer Mehrwegkapsel homogenisiert werden. Neben den Amalgamrestbeständen (Knet- und Stopfreste) fallen zur Entsorgung je nach Anmischverfahren also auch gebrauchte Amalgamkapseln an. Die Verwertung von Amalgamreststoffen hatten wir in dieser Artikelreihe bereits behandelt. Aber was passiert mit den Amalgamkapseln? Gibt es dafür auch tolle Verwertungsmöglichkeiten?

Derzeit sind in Deutschland zwei Wege zulässig:

1. Entsorgung in einer Untertagedeponie

Der ökologisch betrachtet schlechtere Weg ist die Verbringung der Kapseln in eine 
Untertagedeponie. Die Sammler und Entsorger stellen die vielen Kleinstmengen aus den Praxen in großen Metallfässern zusammen. Diese werden in dafür zugelassene Untertagedeponien verbracht.

Inzwischen dürften in verschiedenen Untertagedeponien Deutschlands viele Hundert Tonnen an gebrauchten Amalgamkapseln eingelagert sein.

Im Ergebnis fristen die gebrauchten Amalgamkapseln ihr Dasein in stillgelegten Bergwerken und mir scheint der Schlusssatz, „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“, hier sehr passend.

2. Entsorgung durch Recycling

Wesentlich fortschrittlicher ist die folgende Möglichkeit: Nach meinem Kenntnisstand gibt es in Deutschland nur einen einzigen Entsorger, der für gebrauchte Amalgamkapseln ein Verfahren entwickelt hat, bei dem die Kapseln einer maximal möglichen Verwertung zugeführt werden. Zunächst werden die Kapseln geschreddert, um sie anschließend einem Waschprozess zu unterziehen. Hierbei sollen alle in den Kapseln befindlichen Rückstände (Amalgam) zunächst ausgewaschen werden. Das 
amalgamhaltige Prozesswasser wird anschließend gefiltert, um die Amalgamrückstände einer Verwertung zuführen zu können. Übrig bleiben die Kunststoffflakes der Amalgamkapseln. Da die Quecksilberbelastung für eine Kunststoffverwertung zu hoch ist, gehen diese Kunststoffabfälle in eine Sonderverbrennungsanlage. Im Ergebnis sind die Amalgamkapseln vollständig entsorgt.

Da beide Wege der Entsorgung sehr aufwendig und relativ kostenintensiv sind, ist die Entsorgung von Amalgamkapseln für Praxen stets kostenpflichtig.

Fragen Sie doch mal Ihren Entsorger, 
welchen Weg Ihre gebrauchten Amalgamkapseln gehen.

Ihre Carola Hänel

Foto: © Janthiwa Sutthiboriban – shutterstock.com
Mehr
Mehr News aus Praxishygiene

ePaper

Anzeige