Praxishygiene 09.11.2021

Hygienische Anforderungen an zahntechnische Werkstücke

Nicola V. Rheia
Nicola V. Rheia
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Hygienische Anforderungen an zahntechnische Werkstücke

Foto: BaracaPix – stock.adobe.com

PRAXISHYGIENE – TEIL 8: „Anforderungen an die Reinigung und Desinfektion von zahntechnischen Werkstücken, Abformungen und Hilfsmitteln – Teil 2“ 

In der vergangenen ZWP-Ausgabe der Fachartikelreihe zur Praxishygiene wurde auf die unterschiedlichen Anforderungen an die Reinigung und Desinfektion von Flächen, Einrichtungsgegenständen und Fußböden sowie die damit verbundenen Maßnahmen, die bei der praktischen Umsetzung der Anforderung berücksichtigt werden sollten, eingegangen. Der vorliegende Beitrag erläutert die hygienischen Anforderungen an das Handling von zahntechnischen Werkstücken, Abformungen und sonstigen Hilfsmitteln.

In der Zahnarztpraxis sind Sie für die Durchführung von Hygienemaßnahmen und für den hygienisch einwandfreien Zustand von zahntechnischen Arbeitsgegenständen verantwortlich. Gerade wenn diese den zahnärztlichen Behandlungsbereich verlassen, und darüber hinaus, wenn im gewerblichen Dentallabor eigene Hygienemaßnahmen durchgeführt werden, müssen wichtige Vorgaben beachtet und erfüllt werden.

Reinigung und Desinfektion von zahn­technischen Werkstücken, Abformungen und Hilfsmitteln

Generell gilt: Eine Weiterleitung von zahntechnischen Werkstücken, Abformungen und sonstigen Hilfsmitteln in das gewerbliche Partnerlabor, wie auch in das praxiseigene Labor, erfolgt erst nach Reinigung und Desinfektion mit geeigneten Verfahren. Gleiches gilt ebenso für den Rücktransport.

Zudem werden von den zuständigen Regierungspräsidien zur Hygienekontrolle Praxisbegehungen veranlasst. Es werden alle Hygiene- und Arbeitsschutz-relevanten Anforderungen auf Erfüllung und Einhaltung in der Praxis überprüft. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein Kontrolleur den Prozess der Desinfektion und Reinigung von zahntechnischen Werkstücken hinterfragt und sich somit eventuell auch im praxiseigenen Zahnlabor von den einwandfreien und hygienischen Zuständen überzeugen möchte.

Zahntechnische Arbeitsgegenstände wie:

  • Instrumente
  • Geräte
  • Abformungen
  • Artikulatoren
  • Bissnahmen
  • Materialien/Teile
  • getragene oder anprobierte zahntechnische Werkstücke, wie Prothesen, Kronen, Inlays etc. ...

… kommen im Mund des Patienten mit Speichel und ggf. Blut in Kontakt.

Bedingt durch eine hohe Konzentration an unterschiedlichsten Bakterien und Keimen sowie durch den Umgang mit kontaminierten Arbeitsgegenständen sollte dem Infektionsschutz bei der täglichen Arbeit eine besonders wichtige Rolle beigemessen werden. Denn diese krankheitserregenden Mikroorganismen können bei der Übergabe von Zahnarztpraxis in das Labor gelangen.

Selbst die Dauer des Transportes gewährleistet nicht, dass die potenziellen Krankheitserreger absterben. Daher schützen Sie sich mit einer ordnungsgemäßen Reinigung und Desinfektion aller eventuell kontaminierten Arbeitsgegenstände vor möglichen Infektionen und ggf. auch rechtlichen Auseinandersetzungen.

Folgendes ist zu beachten:

Abformungen, zahntechnische Werkstücke, Bissnahmen usw., die aus der Mundhöhle des Patienten kommen, sind als mikrobiell kontaminiert anzusehen. Ganz wichtig ist es, dass Abformungen und Zahnersatz (Prothesen, Kronen usw.) gereinigt und desinfiziert werden, sodass für alle beteiligten Personen, einschließlich für den Transport zuständige Personen, keine Infektionsgefahr besteht. Generell gilt, dass die Zahnarztpraxis für einen hygienisch einwandfreien Zustand verantwortlich ist, gerade wenn Werkstücke usw. den Behandlungsbereich verlassen. Daher sollen Abformungen und zahntechnische Werkstücke erst weitergegeben werden, wenn diese nach einem geeigneten Verfahren gereinigt und desinfiziert wurden.

Maßnahmen zur Reinigung und Desinfektion nach der sofortigen Entnahme aus dem Mund des Patienten:

1. Vorsichtiges und sorgfältiges Abspülen und Reinigen von Abformungen unter fließendem Leitungswasser ohne Kontamination der Umgebung durch Spritzer.

2. Die Desinfektion mit Desinfektionsmittel für Abformungen erfolgt durch Eintauch- oder Sprühdesinfektion in einem geschlossenen System.

3. Zahntechnische Werkstücke, inklusive getragenem Zahnersatz, werden im Ultraschallgerät oder einem Spezialgerät gereinigt und desinfiziert. Ist dies aus materialtechnischen Gründen nicht möglich, werden diese mit Wasser gründlich gereinigt (optisch sauber) und anschließend im Tauchbad desinfiziert.

4. Nach der Desinfektion wird das Desinfektionsmittel unter fließendem Leitungswasser oder mit geeigneten Mitteln, die auf das Desinfektionsverfahren abgestimmt sind, abgespült.

5. Kontaminierte Artikulatoren müssen ebenso desinfiziert werden.

Vorsicht bei Bohrschablonen und prothetischen Bestandteilen für implantatgetragenen Zahnersatz

✔ Da in der Implantologie unter sterilen Bedingungen gearbeitet wird, sind für Bohrschablonen Materialien zu bevorzugen, die vor dem Einsatz am Patienten steri lisiert werden können.

✔ Prothetische Bestandteile für einen implantatgetragenen Zahnersatz, wie zum Beispiel Abutments, Gingivaformer oder Abformpfosten, die nach der Einheilungsphase der Implantate eingesetzt werden, sind ebenso unter Beachtung des vorherigen hygienischen Aufbereitungsprozesses (Risikostufe) zum Einsatz zu bringen.

Cave!

Denken Sie bitte auch daran, zahntechnische Werkstücke, die aus dem zahntechnischen Labor zurückkommen, vor dem Einsetzen in die Mundhöhle des Patienten mittels Eintauch- oder Sprühdesinfektion zu reinigen und anschließend unter Leitungswasser abzuspülen.

Für Dentallabore gelten diese Empfehlungen ebenso. Das bedeutet jedoch nicht, dass dann in der Praxis auf diese Hygienemaßnahmen verzichtet werden darf. Die in diesem Beitrag genannten Verantwortlichkeiten entfallen somit nicht und sind für die Praxis verpflichtend umzusetzen.

Anforderungen an die Desinfektionsmittel

Bezüglich der Verträglichkeit der Materialien auf Desinfektionsmittel sollten Sie sich unbedingt an die Angaben des Herstellers halten. Gerade bei Abformungen besteht die Gefahr der Verformung, was in jedem Fall ausgeschlossen werden sollte, denn darunter würde die spätere Passform des zahntechnischen Werkstücks leiden.

Diese Möglichkeit ist jedoch kein Argument dafür, keine Desinfektion durchzuführen. Die heutigen Desinfektionsmittel für Abformungen sind den Beschaffenheiten und Eigenarten der Abdruckmaterialien angepasst, um Verformungen zu verhindern.

Auch hier gilt:

✔ Desinfektionsmittel müssen VAH-zertifiziert sein und den Anforderungen an Flächendesinfektionsmittel (Präparate zur Sprühdesinfektion) oder an Instrumentendesinfektionsmittel (Präparate zur Eintauchdesinfektion) entsprechen (begrenzt viruzid).

✔ Desinfektionsmittel müssen materialverträglich sein.

✔ Herstellerangaben zu Abform- und Zahnersatzmaterialien müssen bei der Auswahl des Desinfektionsverfahrens beachtet werden.

✔ Die Herstellerangaben zu Verwendungszeiten eines Desinfektionsbades sind einzuhalten.

✔ Bei der Reinigung in einem Ultraschallbad müssen Desinfektionsmittel für die Anwendung geeignet sein.

To do’s

Dokumentieren Sie die Schutz- und Präventionsmaßnahmen in Ihrem Praxis-individuellen Hygieneplan und in QM-Arbeitsanweisungen. Kommunizieren Sie die Hygienemaßnahmen im Team. Unterweisen und schulen Sie Ihr Team in allen hygienerelevanten Anforderungen.

In allen Bereichen gilt es, Risikopotenziale so gering wie möglich zu halten, denn Prävention ist besser als Therapie.

Um den Kenntnisstand Ihrer Mitarbeiter zu überprüfen, veranstalten Sie im Rahmen einer Teamsitzung doch einfach mal einen Wissenstest. Nach der Auswertung eines solchen Tests können Sie sehen, welche Mitarbeiter fit sind und wo eventuell das Wis sen noch ausbau­ fähig ist. Fordern und fördern Sie Ihre Mitarbeiter, indem Sie Fortbildungsmöglichkeiten anbieten, denn Hygiene und Arbeits sicherheit ist ein wichtiges Thema, das Sie und Ihre Mitarbeiter bei jedem Handgriff in der Praxis begleitet.

Fachwissen intern überprüfen: Nutzen Sie gleich das Q&A, das diesem Beitrag als QR-Code beigelegt ist, und testen Sie sich und Ihre Mitarbeiter.

Der Beitrag ist in der Zahnarzt Wirtschaft Praxis erschienen.

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