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Praxishygiene 28.12.2020

IDZ gibt Auskunft zu Hygienekosten in Zahnarztpraxen

IDZ gibt Auskunft zu Hygienekosten in Zahnarztpraxen

Die Hygienekosten in Zahnarztpraxen angemessen zu erfassen, bringt gewisse Herausforderungen mit sich. Die 2020 erschienene Hygienekostenstudie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) unter der Autorenschaft von Nicolas Frenzel Baudisch verwendete aus diesem Grund drei gesonderte Datenquellen – direkte Beobachtungen von hygienebedingten Tätigkeiten in Zahnarztpraxen, Fragebögen zu Material- und Gerätekosten sowie Sekundärdaten. Im Ergebnis entstand so ein Überblick über die Gesamthygienekosten in Zahnarztpraxen in Deutschland. Wir sprachen mit Nicolas Frenzel Baudisch zu den Kernerkenntnissen seiner Untersuchung und Fragen, die offen geblieben sind.

Herr Frenzel Baudisch, was genau umfasst die Hygienekosten beziehungsweise was verstehen Sie unter den Hygienekosten einer Zahnarztpraxis?

Im Buch Hygienekosten in Zahnarztpraxen verstehe ich unter dem Begriff Hygienekosten alle Ausgaben, die zum Zweck des Schutzes vor Ansteckungen in Zahnarztpraxen in Deutschland im Jahr 2016 getätigt wurden. Das Jahr ist so gewählt worden, dass es möglichst aktuell ist, aber schon Daten dafür vorliegen. Dieser Hygienekostenbegriff umfasst dann sowohl Sachkosten – wie Material- und Gerätekosten, also Desinfektionsmittel, Handschuhe, Reinigungs- und Desinfektionsgeräte sowie deren Wartung, Reparatur und Validierung etc. – als auch Personalkosten für die Aufbereitung der Medizinprodukte, aber auch der Behandlungszimmer etc.

Im Vorwort zu Ihrer Untersuchung schreiben die Herren Professoren Jatzwauk und Jordan, dass die Hygienekosten einer Zahnarztpraxis die Kosten einer Hausarztpraxis um ein Vielfaches übertreffen. Warum ist das so?

Ich muss zunächst einschränkend darauf hinweisen, dass die dort gemeinten Studien – die Hygienekostenstudie des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) und die Hygienekostenstudie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ, also unsere Studie) – nur begrenzt miteinander vergleichbar sind: Die beiden Studien wurden mit sehr unterschiedlichen Methoden durchgeführt. Ich habe aber keinen Zweifel daran, dass die Hygienekosten in Zahnarztpraxen die von Hausarztpraxen deutlich übersteigen, denn alles andere wäre auch höchst verwunderlich: In Zahnarztpraxen hantieren Zahnärzte ständig in Kontakt mit der Mundschleimhaut, sodass es sich immer schon um semikritische Eingriffe handelt, mit den entsprechenden Folgen für die Hygienekosten; in Hausarztpraxen ist das ungleich seltener der Fall.

Die Hygienekosten einer Zahnarztpraxis sind hoch, auch wenn die Kosten von Praxis zu Praxis variieren. Welche Faktoren treiben hier hauptsächlich die Kosten in die Höhe?

Wir haben verschiedenste Zahnarztpraxen miteinander verglichen und geschaut, warum dort die Hygienekosten unterschiedlich ausfallen. Und es zeigt sich, dass es vor allem darauf ankommt, wie viele Patientinnen und Patienten in einer Zahnarztpraxis behandelt werden. Das ist auch unmittelbar einleuchtend: Maßnahmen zum Schutz vor Ansteckung sollen die Übertragung von Krankheitserregern zwischen Menschen verhindern; mit jedem Menschen, der eine Zahnarztpraxis betritt, fallen folglich Hygienekosten an.

Sie haben über die Hygienekosten 2016 Ergebnisse zusammengetragen. Was sind die Kernerkenntnisse Ihrer Untersuchung?

Zunächst einmal beliefen sich die Gesamthygienekosten in deutschen Zahnarztpraxen in 2016 unseren Daten nach auf durchschnittlich rund 70.000 EUR. Davon entfielen zwei Drittel auf die Personalkosten und ein Drittel auf die Sachkosten. Besieht man sich nur die Einzelpraxen, dann zeigen sie auch ziemlich genau dieses 2:1-Verhältnis. Allerdings verschiebt sich das etwas bei den sonstigen Praxisformen: Dort be trägt das Verhältnis von Personal zu Sachkosten 1,7:1. Das führe ich auf Skaleneffekte infolge stärkerer Arbeitsteilung in größeren Organisationseinheiten zurück.

Gibt es ein regionales Gefälle bzw. Unterschiede in den Hygienekosten deutschlandweit? Und wenn ja, was bedingt die Unterschiede?

Ja, in der Tendenz liegen die durchschnittlichen Gesamthygienekosten pro Zahnarztpraxis in den alten Bundesländern etwas höher als in den neuen Bundesländern. Das hat vor allem mit den jeweils typischen Praxisstrukturen zu tun: Die Zahnarztpraxen in den neuen Bundesländern sind (zumindest heute noch) im Schnitt kleiner, was die Anzahl der Behandlungsstühle, der Patienten pro Quartal etc. angeht. Und damit fallen dort eben auch weniger Hygienekosten an.

Sind womöglich trotz genauester Recherche und Untersuchungen Fragen in Ihrer Studie offengeblieben und wenn ja, welche?

Ja, auf jeden Fall mussten Fragen offenbleiben. Forschung beantwortet auch immer nur ein paar wenige Fragen und wirft wiederum neue Fragestellungen auf. Zum Beispiel haben wir den Aspekt der Qualität der Hygienemaßnahmen überhaupt nicht behandelt: Es wäre eigentlich interessant gewesen, wenn wir hätten untersuchen können, welche Art der Praxisstruktur und Praxisführung mit den geringsten Hygienekosten die erforderliche Qualität an Hygiene hervorbringen kann. Dann hätten wir quasi Hinweise auf effizientes Qualitätsmanagement in Bezug auf Hygiene herausarbeiten können. Aber das wäre um ein Vielfaches aufwendiger gewesen. Und Hygienekosten allein sind schon unheimlich schwer zu erfassen.

Seit April dieses Jahres gibt es eine Corona­Hygienepauschale in Höhe von 14,23 Euro. Ist das Ihrer Meinung nach ein realistischer Wert oder lässt sich damit nicht wirklich der aktuelle Hygieneaufwand abdecken?

Das kann ich leider nicht beurteilen. Dazu müssten wir die derzeitigen Abläufe und Ausgaben während der Pandemie analysieren. Und das auch noch unter Pandemie-Arbeitsbedingungen. Da muss ich leider passen.

Aus dem, was Sie für Ihre Untersuchung gesichtet und zusammengetragen haben – können Sie einen Blick nach vorne werfen und die Zukunft der Hygienekosten kurz umreißen. Werden die Kosten immer nur weitersteigen? Welche Aspekte werden zukünftig die Hygiene bestimmen, auch mit der Erfahrung, die Corona gebracht hat?

Im Zuge der allgemeinen Inflation werden auch die Hygienekosten rein nominell entsprechend steigen. Zudem hat die Coronavirus-Pandemie in der Tat massive Auswirkungen auf unterschiedlichste Bereiche. Ich kann mir gut vorstellen, dass nach der Pandemie nicht nur Dinge wie Homeoffice weiter verbreitet sein werden, sondern dass auch manche Abläufe in Arztpraxen, die jetzt in der Pandemie anders organisiert sind, bleiben werden: Vielleicht wird man auch in Zukunft während der Grippezeit in hausärztlichen Wartezimmern eine Mund-Nase-Bedeckung tragen. Es fällt mir aber schwer, jetzt abzuschätzen, welche Auswirkungen die Pandemie ganz konkret auf Zahnarztpraxen haben wird.

Und zum Schluss: Was hat Sie im Zuge Ihrer Untersuchung überrascht? Gab es Erkenntnisse, die von dem Erwartbaren abwichen?

Mich haben viele Dinge überrascht. Die schiere Höhe der Hygienekosten fand ich beträchtlich. Aber auch den starken Zusammenhang der Hygienekosten mit der Patientenzahl hatte ich so nicht erwartet, obwohl er völlig trivial klingt, wenn man einmal länger darüber nachdenkt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview ist in ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis erschienen.

Foto Teaserbild: joyfotoliakid – stock.adobe.com

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