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Praxismanagement 10.04.2015

Aligner oder Brackets oder besser beides?

Aligner oder Brackets oder besser beides?

Vor dem Einstieg in die Behandlung mit Kunststoffschienen wägt der Kieferorthopäde nicht nur die Wirtschaftlichkeit von Aligner- und Bracketbehandlungen gegeneinander ab. Er entscheidet sich auch für eines der auf dem Markt erhältlichen Schienensysteme. In diesem Beitrag geht Prof. Dr. Johannes Georg Bischoff auf die Frage nach den jeweils wirtschaftlichen Auswirkungen für die KFO-Praxis ein.

Teil 4: Wirtschaftlichkeitsvergleich

Für Patienten zählt allein der mit Alignern erzielte Behandlungserfolg. Praxisintern stellt sich für Kieferorthopäden darüber hinaus die Frage, ob sie die Schienen fertig beziehen wollen (z. B. Invisalign®), ob diese im eigenen Praxislabor komplett selbst gefertigt oder anhand von eingekauften CAD-Modellen in der Praxis erstellt werden, wie beispielsweise mithilfe des digitalen CA® CLEAR-ALIGNER Systems. Ungeachtet der kieferorthopädischen Vor- und Nachteile eines Systems, die jeder behandelnde Kieferorthopäde aus seiner individuellen Sicht heraus beurteilt, liegen einem wirtschaftlichen Kostenvergleich die objektiven Zahlen zugrunde.

Berechnungsgröße: Kosten pro Schiene

Bei Systemen, bei denen im Praxislabor für jeden der etwa einen Monat andauernden Behandlungsschritte jeweils drei neue Schienen hergestellt werden, fallen grundsätzlich Materialkosten (z. B. für Folien, Wachsblöcke,Silikonmaterial) zwischen 3 € und 5 € pro Schiene an. Dazu kommen die Kosten für die notwendige Ausrüstung des Labors sowie für die Arbeitszeit des Kieferorthopäden, der Assistenz und des Technikers im Labor. Sofern CAD-Modelle bezogen werden, fallen noch Kosten für die gedruckten Modelle an, die bei durchschnittlich 38 € pro Modell liegen. Sofern 3-D-gedruckte Patientenmodelle eingesetzt werden, reduziert sich dieser Betrag. Im Gegensatz dazu werden die fertigen Schienen außerhalb der KFO-Praxis für eine gesamte Behandlung hergestellt und dann komplett an den Kieferorthopäden ausgeliefert. Die Kosten liegen, je nach Mengenrabatt, pro Invisalign®-Schiene zwischen 21 € und 48 €.

  • Invisalign® Teen: 40 € bis 22 € (Ø 25 Schienenpaare = 50 Schienen)
  • Invisalign® Full: 39 € bis 21 € (Ø 25 Schienenpaare = 50 Schienen)
  • Invisalign® Lite: 46 € bis 25 € (Ø 14 Schienenpaare = 28 Schienen)
  • Invisalign® i7: 48 € bis 42 € (Ø 7 Schienenpaare = 14 Schienen)

Make oder Buy?

Im Rahmen eines wirtschaftlichen Vergleichs müssen nun rein methodisch Arbeitszeit und Laborausrüstung für die Variante der selbst gefertigten Schienen einbezogen werden. Die Frage ist: Sind im Ergebnis die Kosten für die Arbeitszeit (Kieferorthopäden und Mitarbeiter) für die Herstellung der Schienen im eigenen Labor geringer als die Kosten für Invisalign®-Schienen abzüglich Materialkosten für die selbst erstellten Schienen?

Bei den in der vorstehenden Tabelle gezeigten Beispielen wäre die Herstellung der Schiene im Praxislabor wirtschaftlich sinnvoll, wenn die zusätzlich für die Herstellung der einzelnen Schiene notwendige Arbeitszeit für alle an der Herstellung beteiligten Personen weniger als 19 € (bei 25 € pro Invisalign®-Schiene) bzw. 34 € (bei 40 € pro Invisalign®-Schiene) an Aufwand verursachen würde.

Sofern kieferorthopädische Praxen Schienen mit eingekauften CA®-Digital-Modellen erstellen, reduziert sich der maximal zur Verfügung stehende Betrag zur Abdeckung von Arbeitskosten bei Selbstherstellung noch um die Kosten für das 3-D-gedruckte Modell.

Auf der Grundlage der Preisliste 2013 von CA® DIGITAL kostet ein CA®-Digital Step für Unter- oder Oberkiefer 69 € (inkl. 3-D-gedrucktem Modell). Hierzu kommt das CA®-Digital Ziel-Set-up inklusive Therapieplan i. H. v. 115 € (pro Kiefer) für maximal 5 CA®-Digital Steps. Pro Step (CA®-Digital gedrucktem Modell) werden üblicherweise drei Schienen erstellt (eine weiche Schiene, eine mittelweiche und eine Hartschiene). Daraus ergeben sich an zusätzlichen Kosten pro Schiene für die Thera- pieplanung und das gedruckte 3-D-Modell:

  • Therapieplanung + 1 Step: 184 €: 3 (Schienen) = 61,33 € pro Schiene
  • Therapieplanung + 2 Steps: 253 €: 6 (Schienen) = 42,16 € pro Schiene
  • Therapieplanung + 3 Steps: 322 €: 9 (Schienen) = 35,77 € pro Schiene
  • Therapieplanung + 4 Steps: 391 €: 12 (Schienen) = 32,58 € pro Schiene 
  • Therapieplanung + 5 Steps: 460 €: 15 (Schienen) = 30,66 € pro Schiene

Fügt man diese Kosten zusätzlich in die obige Tabelle ein, so liegen in vielen Fällen die Kosten für die Therapieplanung, das 3-D-gedruckte Modell, Material für die Herstellung der Schiene im eigenen Praxislabor und die AfA höher, als die Kosten einer einzelnen Invisalign®-Schiene. Hinzu kommen auch bei dieser Variante noch die Kosten der Arbeitszeit für die Herstellung der Schiene im eigenen Labor. In diesen Fällen sind genannte Schienen kostengünstiger als selbst erstellte Schienen auf Grundlage von 3-D-gedruckten Modellen auf der Basis eines CA®-Digital Ziel-Set-up-Therapieplans. Andererseits ist zu berücksichtigen, dass nach Herstellerangaben Invisalign®-Schienen Zähne bis zu maximal 0,7 mm und CA®-Digital-Schienen bis zu 1 mm im Monat bewegen sollen. Dies impliziert, dass für das gleiche Ergebnis eine unterschiedliche Anzahl an Schienen benötigt wird.

Fazit

Der Vergleich der Kosten pro Schiene ist eine Methode, um sich eine Orientierung bezüglich der Wirtschaftlichkeit von fertig bezogenen und selbst gefertigten Schienen zu verschaffen. Dabei schneiden die Invisalign®-Schienen häufig günstiger ab. Vor allem dann, wenn die Praxis ausgelastet ist und große Mengen an Alignern bezieht, sodass ein entsprechender Mengenrabatt realisiert werden kann. Allerdings muss auch immer berücksichtigt werden, wie viele Schienen pro Behandlung je System benötigt werden. Denn danach berechnen sich die Stückkosten. Nichtsdestotrotz spielen bei der Entscheidung für oder gegen selbst erstellte Schienen auch andere Fragen eine Rolle, die im Einzelfall zu beantworten sind, wie zum Beispiel: Behandelt ein Kieferorthopäde lieber mit einem Komplett-Schienen-Set oder will er zwischendurch selbst durch neue Abdrücke in den Behandlungsverlauf eingreifen? Eignet sich sein Praxislabor für eine effiziente Herstellung der Schienen? Kann das Labor dauerhaft ausgelastet werden?

Ausblick

Nach diesem Exkurs geht es im nächsten Beitrag (Teil 5) um drei idealtypische Einstiegsszenarien für den Einsatz von Invisalign® mit ihren jeweils wirtschaftlichen Konsequenzen. Alle Szenarien basieren auf der Berechnungsgrundlage fertig bezogene Schienen.

Foto: © Pressmaster - Shutterstock.com
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