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Praxismanagement 04.12.2014

Aspekte der Arbeitszufriedenheit von Auszubildenden

Aspekte der Arbeitszufriedenheit von Auszubildenden

Der vielfach diskutierte Fachkräftemangel in Deutschland ist mittlerweile auch in der Berufsgruppe der Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) angekommen. Wie die aktuelle Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt, stehen den rund 770 gemeldeten Berufsausbildungsstellen im Berichtsjahr 2013/2014 nur circa 530 Bewerber gegenüber.

Somit bleiben viele Stellen in den Zahnarztpraxen, Zahnkliniken, kieferorthopädischen, oral- und kieferchirurgischen Praxen unbesetzt. Ausgehend von diesem Tatbestand stellt sich die Frage, wie das Berufsbild der ZFA von Auszubildenden und künftigen Bewerbern gesehen wird? Welche Faktoren tragen zur Zufriedenheit mit dem ausgeübten Beruf bei und welche Kritikpunkte gibt es aus Sicht der Arbeitnehmer?

Eine aktuelle Studie der Hochschule RheinMain untersuchte in Kooperation mit der Landeszahnärztekammer Hessen unterschiedliche Aspekte der Arbeitszufriedenheit von Zahnmedizinischen Fachangestellten, um hieraus Verbesserungsmöglichkeiten und Handlungsempfehlungen für Praxisinhaber abzuleiten. In zwei Teiluntersuchungen konzentrierte sich die Studie im November 2013 zunächst auf die Befragung von 191 Zahnmedizinischen Fachangestellten (ausgelernte ZFAs und Auszubildende). In diesem ersten Teilschritt galt es, quantitativ auswertbare Fakten über Berufswahl, Ausbildungsplatzsuche, Betriebsklima, Vergütung, Ausbildungsinhalte, Arbeitszeitbelastung, Zukunftschancen, Work-Life-Balance und Zufriedenheit zu erarbeiten. Im zweiten Teilschritt standen ab März 2014 dann insbesondere die qualitativen Aspekte im Vordergrund. Aufbauend auf den Ergebnissen der ersten Teiluntersuchung erfolgten persönliche Interviews mit weiteren 50 Auszubildenden, um auch emotionale Facetten der Arbeitszufriedenheit (Motivation, Unterstützungsbedarf, Wünsche, Kritikpunkte) zu erfassen. Ein erster Blick auf das Ergebnis ist ernüchternd. 32 % der im November 2013 befragten Zahnmedizinischen Fachangestellten würden den Beruf nicht noch einmal wählen, 22 % sind unentschlossen, 10 % würden die Ausbildung in einer anderen Praxis absolvieren wollen und lediglich 36 % würden die gleiche Entscheidung noch einmal treffen. Auch wird der Beruf der ZFA von vielen Auszubildenden nicht als langfristiges Betätigungsfeld gesehen. Hier gaben 23 % an, den Beruf nicht weiter ausüben zu wollen und weitere 37 % sind sich dessen nicht sicher (Abb. 1). Dieses Ergebnis verdeutlicht die Notwendigkeit einer vertieften Analyse und es gilt zu ermitteln, welche Faktoren zu verändern sind, damit die von den Zahnarztpraxen mit Aufwand ausgewählten und betreuten Auszubildenden die Berufswahl nach einigen Jahren nicht überdenken oder den Beruf ganz aufgeben.

Ergebnisse im Detail

Betriebsklima
Das Betriebsklima und somit das Verhältnis zum Chef und zu den Kollegen ist 95 % der Befragten sehr wichtig. Grundsätzlich bewerteten die Probanden das Betriebsklima als eher positiv. 75 % äußerten sich positiv zum Verhältnis zu ihrem Vorgesetzten, und auch die Frage zu dem Verhältnis gegenüber den anderen Mitarbeitern ergab mit circa 70 % ein ähnliches Bild. Die überwiegend positiven Beurteilungen der Auszubildenden werden vor allem durch solche Aussagen bestätigt wie: „Wir sind ein Team! Wenn wir Azubis Hilfe brauchen, ist sofort jemand da. Das Verhältnis zum Zahnarzt und den Kollegen ist sehr gut.“ Dennoch gibt es auch Auszubildende, die mit dem Betriebsklima in ihrem Ausbildungsbetrieb nicht zufrieden sind. Als Gründe für die Unzufriedenheit wurden beispielsweise das negative Reden unter den Kollegen, fehlende Unterstützung im stressigen Alltag, aber auch mangelnde Absprachen und eine unausgewogene Personalplanung (viele Auszubildende und wenige ausgelernte ZFAs) genannt.

Vergütung
Ein Aspekt, der sich negativ auf die Zufriedenheit der befragten ZFAs und Auszubildenden auswirkt, sind die Verdienstmöglichkeiten. Hier gaben 43 % an, dass die Vergütung kaum für ein eigenverantwortliches Leben ausreichend sei. Die persönliche Befragung aus 2014 kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Insbesondere die Auszubildenden nahmen dabei Bezug auf die hohe Verantwortung, die sie schon während der Ausbildung zu tragen haben. Die Aussage einer Studienteilnehmerin drückt das Empfinden der meisten Auszubildenden aus: „Ich finde mein Gehalt nicht fair. Ich mache genau die gleichen Arbeiten wie eine ausgelernte Fachkraft, die Belastung und Verantwortung ist hoch. Das Gehalt ist wenig motivierend.“ (Abb. 2).

Anerkennung
In der Studie kristallisierte sich mit 71 % deutlich heraus, dass den Befragten die soziale Anerkennung für den Beruf sehr wichtig ist. Auch in den Interviews mit den Auszubildenden stand die Anerkennung im Berufsalltag mit im Vordergrund und Aspekte wie Kritik und Feedback, Wertschätzung, Gleichbehandlung, Vertrauen und Rücksichtnahme wurden thematisiert. Für die Auszubildenden ist es wichtig, dass der Vorgesetzte Vertrauen und Wertschätzung signalisiert, was in den meisten Fällen auch zutrifft. „Es gibt gar keinen Unterschied zwischen dem Umgang mit einem festangestellten Mitarbeiter und dem mit mir“, sagte eine Studienteilnehmerin. „Ich werde auf jeden Fall wertschätzend behandelt. Das äußert sich durch Lob an meiner Arbeit.“ Allerdings gab es auch gegenteilige Aussagen wie „Ich würde mir häufiger einmal ein ‚Danke‘ wünschen“. Insgesamt bewerten die Auszubildenden die Anerkennung im Berufsalltag jedoch als gut. Viele sagten aus, genauso viel und lange zu arbeiten wie ihre Kollegen. Trotzdem wurde gewünscht, dass Rücksicht darauf genommen wird, dass Auszubildende noch nicht so viel Erfahrung in diesem Berufsfeld haben wie die ausgelernten Kollegen und auf Unterstützung angewiesen sind. Daher wird ein konstruktives Feedback durch den Ausbilder als wichtig erachtet.

Unterstützung
Die Teilnehmer an der Befragung wurden gebeten, zu bewerten, in welchem Ausmaß sie während ihrer Ausbildung durch ihre Vorgesetzten sowie durch die ausgelernten ZFAs und andere Auszubildende unterstützt wurden (Abb. 3). Unter ausreichender Unterstützung verstehen die Auszubildenden das Beantworten von Fragen sowie Zeit zur Kommunikation, um Praxisabläufe zu besprechen und Feedback zu erhalten. Die Auszubildenden bewerteten die Unterstützung der Kollegen und Vorgesetzten als durchaus positiv. Jedoch wurde angemerkt, dass es oftmals an Zeit fehle, im Tagesgeschäft auf Fragen der Auszubildenden einzugehen: „Generell fühle ich mich gut unterstützt. Aber es fehlt häufig die Zeit, um Fragen zu stellen.“ Auch geben die Auszubildenden an, kaum Möglichkeiten zu haben, sich Notizen zu machen oder fachliche Aspekte nachzuarbeiten.

Work-Life-Balance
Ein weiterer für die Zufriedenheit des Praxispersonals relevanter Aspekt ist die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Daher wurden die Zahnmedizinischen Fachangestellten und Auszubildenden zu Arbeitsbelastung und Überstunden befragt. 49 % der Befragten gaben an, regelmäßig Überstunden zu leisten. Nur 41 % der Arbeitnehmer, die Überstunden leisten, bekommen hierfür einen Freizeitausgleich. Weiterhin gaben 49 % an, dass die tägliche Arbeitszeit mehr als acht Stunden beträgt. Auch in den qualitativen Interviews mit den Auszubildenden war dies ein zentraler Aspekt. 83 % der Auszubildenden sagten aus, dass ihnen geregelte Arbeitszeiten wichtig sind. Ergänzend empfinden 32 % kaum noch Zeit für Freizeitaktivitäten. Sie begründen dies durch Überstunden, lange Arbeits- und Schulwochen sowie die Schichtarbeit: „Durch das Schichtsystem von 12.30 bis 20.30 Uhr ist es schwer, Freizeit zu planen und Freunde zu treffen“ (Abb. 4).

Ausbildung und Zukunftschancen
Bezogen auf die Dauer der Ausbildung gaben 67 % der ZFAs an, diese als angemessen zu empfinden. Auch der Ausbildungsstand nach der Prüfung wurde von 38 % als ausreichend angesehen. Ebenso sind Fortbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen der Mehrheit der Befragten bekannt. Hier äußerten 50 %, Interesse an einer Fortbildung im Bereich Oralprophylaxe/Ernährungslehre zu haben. Gründe hierfür sind zum einen bessere Verdienstmöglichkeiten sowie das eigenverantwortliche Arbeiten am Patienten. Auch in den Interviews mit den Auszubildenden ergab sich ein ähnliches Bild: „Ich werde weiter in meinem Berufsfeld bleiben, meinen Realschulabschluss nachholen und dann die Weiterbildung zur Prophylaxehelferin machen.“ Solche Aussagen lassen darauf schließen, dass viele Auszubildende grundsätzlich mit ihrer Wahl des Berufsfeldes zufrieden sind. Es kristallisierte sich zudem heraus, dass neben Fortbildungen auch viele der angehenden Zahnmedizinischen Fachangestellten an einem erweiterten Berufsabschluss oder einem Studium interressiert sind. „Ich möchte auf jeden Fall studieren, ich habe Abitur und möchte Zahnärztin werden.“

Schlussfolgerungen

Ein gutes Betriebsklima am Arbeitsplatz, die Anerkennung des Auszubildenden durch Kollegen und Ausbilder, eine ausreichende Förderung und Unterstützung durch das Praxisteam, ein interessantes Arbeitsumfeld, gute Zukunftschancen, eine ausreichende Work-Life-Balance und eine angemessene Vergütung während und nach der Ausbildung sind zentrale Einflussgrößen für die Zufriedenheit der angehenden Zahnmedizinischen Fachangestellten. Basierend auf den vorliegenden Ergebnissen lassen sich praktische Empfehlungen zur Verbesserung der Arbeitszufriedenheit ableiten. So wünschen die ZFAs und die Auszubildenden mehr heitlich (Abb. 5):

  • bessere Verdienstmöglichkeiten
  • geregelte Arbeitszeiten
  • ein breites Angebot an Unterstützung und Hilfestellungen
  • angemessene Anerkennung durch Vorgesetzten und Kollegen
  • ein ausreichendes Fortbildungsanbegot
  • regelmäßige Kommunikation im Team.

Zielführende Maßnahmen hierbei könnten beispielsweise sein:

  • feste Integration von Teamentwicklungsmaßnahmen in den Praxisalltag, z.B. regelmäßige Teammeetings
  • Raum für Anerkennung und Lob durch geplante Feedbackgespräche
  • Ausbildungsablauf und Erwartung in den einzelnen Teilschritten der Ausbildung genau definieren und kommunizieren
  • Beachtung des Rahmenlehrplanes, Integration fachlicher Lernziele in den Ausbildungsplan und Einbau von Phasen für Vor- und Nachbereitung
  • Ausgleich von Überstunden, zum Beispiel durch Freizeit.

Zur Erreichung und zum Erhalt einer hohen Arbeitszufriedenheit der Zahnmedizinschen Fachangestellten und deren Bestärkung, den richtigen Beruf gewählt zu haben, sollten die Wünsche und Bedürfnisse der Auszubildenden besonders berücksichtigt werden. Insbesondere das vorgestellte Teilergebnis der Untersuchung, wonach ein Berufswechsel nach der ZFA-Ausbildung eher wahrscheinlich ist, sollte hier ein Anstoß für Veränderung sein. Letztlich sichern die angehenden ZFAs den künftig reibungslosen Ablauf im Praxisalltag, und die Zufriedenheit dieser Berufsgruppe ist ein entscheidender Aspekt für den langfristigen Erfolg einer Zahnarztpraxis.

1 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (April 2014).

Foto: © MH - Fotolia
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