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Praxismanagement 06.03.2018

Potenziale moderner Sicherheits­technik für die Zahnarztpraxis

Potenziale moderner Sicherheits­technik für die Zahnarztpraxis

Moderne Sicherheitstechnik ist heutzutage weitaus mehr als nur die klassische Alarmanlage zum Schutz vor Einbrüchen. Natürlich ist der Objektschutz weiterhin ein zentraler Punkt, aber die Sicherheitstechnik deckt inzwischen auch eine Vielzahl anderer Überwachungsfragestellungen sinnvoll mit ab, sei es die Früherkennung von Feuer, von Gas- oder Wasserleckagen oder auch die Meldung des Ausfalls zentraler Versorgungsstromsicherungen oder betriebsrelevanter Gerätestörungen. Was dabei inzwischen technisch möglich ist und was davon fallabhängig sinnvoll für den Einsatz in einer Zahnarztpraxis sein kann, darum soll es im nachfolgenden Artikel gehen.

Viele Praxisinhaber haben schon einmal in der eigenen Praxis irgendeine Form von schwerwiegender betriebssicherheitsrelevanter Störung erfahren oder jedenfalls aus dem Kollegenkreis davon gehört. Sie wissen, wie schnell es gehen kann und welche oft kostenintensiven schwerwiegenden Folgen daraus resultieren können. Entsprechend hoch ist auch das Interesse an dem Thema in der Zahnärzteschaft. Aber was an Sicherheitstechnik für Geräte und Gebäude in komplexen industriellen technischen Anlagen längst selbstverständlich ist, hat in der Zahnarztpraxis dennoch bislang nur wenig Einzug gehalten. Nicht, weil keine Bereitschaft seitens der Zahnärzte da wäre zu investieren, sondern mangels Wissen um das Spektrum der Möglichkeiten. Nach Erfahrungen der Autoren zeigt sich immer wieder, dass viele Kolleginnen und Kollegen, wenn sie davon hören, was inzwischen machbar ist, deutlich ihr Bedauern äußern, dass sie bislang davon nichts wussten und dass sie, wenn sie davon Kenntnis gehabt hätten, gern solche technischen Möglichkeiten auch für ihre Praxis genutzt hätten. Nachfolgend werden die einzelnen Möglichkeiten des Einsatzes von Sicherheitstechnik unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen an eine Zahnarztpraxis näher erläutert.

Einbruch-/Überfallmeldesysteme und individuelle Zugangskontrollen

Wie für jedes Privat- oder Gewerbe­gebäude ist ein wichtiger sicherheits­technischer Bereich zunächst einmal auch für eine Zahnarztpraxis die Ab­sicherung gegen unbefugten Zugang zum Objekt. Dies erfolgt mit einer so­genannten Einbruchmeldeanlage, das was der Laie in der Regel unter der „Alarmanlage“ versteht. Fenster und Türen zur Praxis werden mit Öffnungs- und bei Bedarf auch Glasbruchsensoren gesichert. Zusätzlich kommen Bewegungsmelder und bei Bedarf gegebenenfalls auch Überwachungskameras zum Einsatz. Neben dem Schutz der Räumlichkeiten vor unbefugtem Zutritt kann auch eine personenbe­zogene Zutrittsbeschränkung und Zugangskontrolle fallabhängig sinnvoll sein. So kann zum Beispiel mit tech­nischen Hilfsmitteln sichergestellt werden, dass bestimmte Praxisräume, wie das Materiallager oder der zentrale Geräteraum, nur von einem festgelegten kleinen Personenkreis betreten werden dürfen. Ergänzende Sicherungseinrichtung speziell für den Personenschutz kann in bestimmten Fällen ein sogenannter Überfall- oder Paniktaster sein. Wird dieser an der Rezeption an unauffälliger Stelle angebracht, kann die Mitarbeiterin im Falle eines drohenden gewalttätigen Übergriffes oder Überfalles über eine stille Alarmierung unbemerkt und schnell wichtige Hilfe herbeiholen.

Brandmeldesysteme

Auch Brandschutz ist ein wichtiges Thema. Größere Praxisräumlichkeiten unterliegen hierbei in der Regel ohnehin regionalen verpflichtenden Vorgaben für eine professionelle Brandmelde­anlage. Aber auch kleinere Praxen, die dies gesetzlich gesehen nicht zwingend vorweisen müssen, sollten mindestens die Überwachung des Betriebes mit einer geeigneten Anzahl von Rauchwarnmeldern überlegen. Brände sind nicht der seltenste Zwischenfall in einer Zahnarztpraxis, im Gegenteil; sei es die versehentlich ohne Wasser angeschaltete Kaffeemaschine im Sozialraum, das defekte Vorschaltgerät einer Deckenleuchte im Behandlungszimmer oder der heiß gelaufene, schon ältere Wäschetrockner im Keller oder sei es schließlich ein nächtlicher Serverbrand, weil der Lüfter des Gerätes unbemerkt nicht mehr funktionierte, was zur Überhitzung führte. Tagsüber können sicherlich noch viele Beinahe- oder beginnende Entstehungsbrände rechtzeitig durch die Aufmerksamkeit anwesender Personen entdeckt werden. Anders ist es in Räumen wie Keller oder Geräteraum, in denen sich nicht ständig Personen aufhalten, oder auch allgemein über Nacht oder am Wochenende, wenn kein Praxisbetrieb stattfindet. Spätestens hier spielen technische Brandmeldesysteme ihr Potenzial voll aus.

Meldung von Wasserleckagen

Die Überwachung wasserführender Leitungen ist im Besonderen für eine Zahnarztpraxis von Bedeutung: In der Regel verfügen fast immer mehrere Geräte, seien es Behandlungsstühle oder Aufbereitungsgeräte im Hygienebereich, über Festwasseranschlüsse, die schon einmal aus verschiedensten Gründen zu Leckagen neigen können. Flächensensoren können hier in der direkten Umgebung der Geräte gut zur Detektion von austretender Feuchtig­keit verwendet werden. Unabhängig davon bleibt aber sicherlich eine zum Beispiel mit der Bereichsstromabschaltung gekoppelte automatische zentrale Wasserabschaltung bei Betriebsunterbrechung der Praxis, also nachts, an Wochenenden und in Urlaubszeiten, immer noch die wirksamste Methode zur Vermeidung größerer Wasserleckschäden. Meldetechnik kann solche Vorsichtsmaßnahmen nur sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen. Spezielle Sensoren in der Hauptwasserleitung können zudem außerordentliche Wasserverbrauchsspitzenwerte, wie sie bei unbemerkten Rohrbrüchen schnell entstehen können, registrieren und dann auch in so einem Fall automatisch, zunächst einmal bis zur Behebung der Störung, die zentrale Wasserzufuhr zur Praxis vorübergehend vorsorglich unterbrechen.

Gasdetektoren

Sollte es erforderlich sein, kann auch die Überwachung der Praxisluft auf gesundheitsgefährdendes Kohlenmonoxid durchgeführt werden. Auch Leckagen von Erdgas oder Propangas können über entsprechende Sensoren rechtzeitig erkannt werden.

Überwachung der Stromversorgung der Praxis

Ebenfalls ist es technisch möglich, den Ausfall von Überspannungs- und Überstromschutzeinrichtungen zu überwachen, sodass deren Auslösung umgehend gemeldet wird. Darüber hinaus kann auch eine Überwachung von bestimmten Schaltzuständen erfolgen. So kann zum Beispiel umgehend erkannt werden, wenn über den Bereichsschalter die Praxisstromversorgung versehentlich nach Betriebsende nicht wie eigentlich geplant abgeschaltet wurde.

Einzel-Geräteüberwachung

Sinnvoll ist auch, Stör- und Warnmeldungen zentraler Geräte der Praxis zu erfassen. Hierzu gehören häufig die Absauganlage und der Kompressor oder auch Kühlsysteme für Geräteschränke oder die Technikräume. Viele dieser Geräte verfügen bereits über spezielle Signalschalter in Form sogenannter potenzialfreier Kontakte, über die sie direkt oder über spezielle Koppler fast immer an jedes größere Meldeanlagensystem angeschlossen werden können.

Alarmierungsmöglichkeiten

Für alle angebundenen Melder übernimmt die Zentrale der Alarmanlage dann nach entsprechender Programmierung die Weiterverarbeitung aller eingehenden Informationen. In der Regel werden alle anfallenden Alarme lokal in der Praxis auf einem Bedien­panel dargestellt. Zusätzlich ist eine akustische Alarmierung durch einen Sirene möglich. Dar­über hinaus besteht die Möglichkeit der Fernalarmierung, sodass festgelegte Personen bei Alarm zum Beispiel per SMS, Mail oder Anruf automatisch informiert werden. Hierzu ist zusätzlich der Abschluss eines passenden Vertrages mit einem Mobilfunkprovider erforderlich, dessen SIM-Karte dann in die Meldeanlage eingelegt wird.

Aufschaltung auf Notruf- und Serviceleitstelle

Hochwertige Anlagen ermöglichen zudem auch, sofern gewünscht, die Aufschaltung auf eine Notruf- und Serviceleitstelle eines professionellen Wachdienstleisters. Sämtliche Alarme werden dann dort empfangen. Bei Bedarf werden zuvor mit dem Auftrag­geber verbindlich abgestimmte Maßnahmen eingeleitet. In schwerwiegenderen Stör- oder Notfällen können direkt Polizei und/oder Feuerwehr alarmiert werden. Auch eine Intervention durch eine Funkstreife des Wachdienstes vor Ort ist möglich. Der Praxisschlüssel wird für solche Einsätze bei dem Wachdienst abgesichert zusätzlich hinterlegt. Insbesondere für die Nacht-, Urlaubs- und sonstigen Abwesenheits­zeiten kann es für den Praxisinhaber sehr entlastend und beruhigend sein, zu wissen, dass sich auch im Ernstfall jemand verantwortlich um sein Objekt kümmert.

Automatische Schutzschaltungen/Steuerstromkreise

Für bestimmte Fragestellungen kann auch fallabhängig eine lokale automa­tische Sicherheitsschaltung als Ergänzung zu einer internen oder externen Alarmierung sehr interessant sein, beispielsweise dass bei einem Defekt einer zentralen Abwasserpumpe automatisch das Hauptwassermagnetventil der Praxis zunächst schließt, damit jede weitere Wasserzufuhr bis auf Weiteres erst einmal gestoppt ist.

Was ist bei der Produktauswahl zu beachten?

Grundsätzlich sollten möglicherweise bestehende Vorgaben von Versicherungen und Behörden zu Art und Aus­führung der Anlage ebenso wie Empfehlungen der lokalen Feuerwehr im Vorfeld eingeholt und in die Planung einbezogen werden. Entscheidend im Alltag ist die Betriebssicherheit der gewählten Alarmanlage. Nichts ist nerviger als eine Vielzahl von Fehlalarmen – und wer mehrmals nachts die eigene Praxis zu einem Zeitpunkt aufsuchen musste, an dem er sonst eigentlich keine Sprechstunde anbietet, nur um dann festzustellen, dass das System mal wieder einfach so Alarm ausgelöst hat, der weiß es zu schätzen, wenn die Anlage stabil läuft. Und nicht zuletzt wissen das auch die Nachbarn, die erfahrungsgemäß regelmäßigen nächt­lichen Gratiskonzerten der Außensirene auch nur wenig Positives abgewinnen können. Aus Sicht der Autoren sollte daher für einen professionellen Betrieb eine hochwertige Alarmanlage eines spezialisierten Anbieters verwendet werden und nicht die Billiglösung aus dem untersten Preissegment. Letztere wird in den seltensten Fällen ein langfristig konstant zufriedenstellendes Ergebnis liefern können. Wenn möglich, sollte, wie bereits in Artikel 1 der Serie (ZWP 11/2017) beschrieben, konsequent auf leitungsgebundene Signal­übermittlung gesetzt werden. Nach wie vor ist das die technisch sicherste und stabilste Lösung. Auch nicht zu unterschätzen ist die Bedeutung einer übersichtlichen leichten Bedienbarkeit der Anlage. Mindestens sollten auch nicht allzu technikaffine Mit­arbeiter des Betriebes mit der Schließanlage und Zugangsberechtigung, ohne dabei regelmäßig versehentlich Alarm auszulösen, zurechtkommen können. Und hilfreich ist es auch, wenn Alarme mit relativ einfachen Mitteln im Störfall erst einmal auch vom Anlagenbetreiber selbst zurückgesetzt werden können, ohne dass hierfür gleich der betreuende technische Spezialist hin­zugezogen werden muss.

Fazit

Moderne Sicherheitstechnik bietet weit mehr als nur die klassische Alarmanlage zum Schutz vor Einbrüchen. Ihr Einsatz stellt einen wichtigen Mehrwert für die Zahnarztpraxis dar. Gezielte betriebs­sicherheitstechnische Einrichtungen können durch rechtzeitige Erkennung von Störfällen viele Schadensfälle verhindern oder zumindest ihre Folgen deutlich mindern. Dieses Potenzial sollte nicht mangels Wissen um die Möglichkeiten verschenkt werden. Sicherheitstechnik sollte daher von Anfang an bei der technischen Projektierung in die Gesamtplanung der Praxis ganzheitlich miteinbezogen werden.

Der Beitrag ist in der ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis 1+2/2018 erschienen.

Co-Autoren: Dr. Michal-Constanze Müller, Hakan Meyvahos

Foto: plantic – shutterstock.com
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