Praxismanagement 22.01.2015

Zahnarzt muss auch auf Chefaufgaben vorbereitet sein

Zahnarzt muss auch auf Chefaufgaben vorbereitet sein

Foto: © Sergey Nivens - Fotolia

Der berufliche Werdegang der meisten Zahnärzte führt immer noch in die eigene Praxis. Obwohl die Bedingungen für die Betreiber in den vergangenen Jahrzehnten schwieriger geworden sind, kann ein niedergelassener Zahnmediziner nach wie vor erfolgreich sein. Eine der Voraussetzungen hierfür ist jedoch, dass er seine Aufgaben als Personalchef und Geschäftsführer genauso ernst nimmt, wie seinen fachlichen Kompetenzbereich am Behandlungsstuhl.

Über einschlägige Erfahrungen mit der Selbstständigkeit verfügen leider nur die wenigsten Heilberufler. Die Möglichkeiten, sich betriebswirtschaftliche Kenntnisse speziell für die Zahnarztpraxis anzueignen, sind ebenfalls dünn gesät, auch weil das Thema im Rahmen der Ausbildung an den Universitäten, wenn überhaupt, nur eine unbedeutende Rolle spielt. Eines ist hierbei besonders wichtig: Die Praxis mag streng genommen zwar ein „Betrieb“ sein – die speziellen Strukturen und Abläufe im Arbeitsalltag erfordern jedoch auf diese Besonderheiten abgestimmte ökonomische und personelle Überlegungen. Fortbildungen in diesem Bereich sollten also die Bedürfnisse von Praxisbetreibern berücksichtigen. Ein Beispiel für einen solchen Anbieter ist die Westerburger Gesellschaft für zahnärztliche Praxisführung, die 2015 bereits im sechsten Jahr Zahnmediziner, Praxismanagerinnen und zahnärztliches Fachpersonal zum Betriebswirt der Zahnmedizin fortbildet. Im Fokus des fünf Wochenenden umfassenden Kurses stehen betriebswirtschaftliche Themen, die für erfahrene Praxischefs und -chefinnen ebenso relevant sind, wie für zahnärztliche Mitarbeiter und Absolventen des Zahnmedizinstudiums, die sich mit dem Gedanken einer Praxisgründung beschäftigen.

Wissen und Anwendungskompetenz großgeschrieben

Den Veranstaltern geht es aber auch darum, Anwendungskompetenz zu vermitteln. Denn auch ein betriebswirtschaftlich weitergebildeter Zahnarzt kann von seinem Wissen nur dann profitieren, wenn er dieses konsequent und täglich umsetzt. Führungskompetenz ist nur eines der Themen, mit denen sich Praxischefs auseinandersetzen müssen. Zu den ökonomischen Grundlagen, die unabdingbar für den Erfolg einer Praxis sind, gehören Rechnungswesen, Businessplanung, Controlling und Finanzierung ebenso wie Praxismarketing und Recht und Steuern. Leider räumen nur wenige Zahnärzte der Außendarstellung ihrer Praxis die Aufmerksamkeit ein, die dieser Punkt verdient. Im Rahmen der Praxisorganisation müssen sich Praxisbetreiber außerdem mit Themen wie Qualitätsmanagement, ISO-Zertifizierung oder leistungsgerechter Entlohnung befassen. Neben Zahlen und Fakten kommt auch den sogenannten „Soft Skills“ im Umgang mit Patienten und Mitarbeitern eine steigende Bedeutung zu. Motiviertes Personal und ein dauerhaft an die Praxis gebundener Patientenstamm stellen eine tragende Säule für eine erfolgreiche Praxis dar. Im Zusammenhang mit den Bereichen Selbstmanagement und Unternehmensführung ist es deshalb nötig, dass Zahnärzte darauf achten, dass die Beziehungen zum Personal und zu den Patienten harmonisch verlaufen. Dies gilt gleichermaßen für das tägliche Miteinander im Praxisteam.

Die eigene Balance im Blick behalten

Im stressigen Praxisalltag versäumen es viele Chefs, das eigene seelische Gleichgewicht im Blick zu behalten. Auch für Zahnärzte ist der Begriff der „Work-Life-Balance“ oft ein Fremdwort. Ziel und Inhalt einer Fortbildung zum Betriebswirt der Zahnmedizin muss es deshalb auch sein, die Teilnehmer dafür zu sensibilisieren, dass beruflicher Erfolg nicht zuletzt eine ausgewogene Gewichtung von beruflichen und privaten Belangen ausmacht. Nur auf diese Weise gelingt es Zahnärzten, genug Energie für die anspruchsvollen Aufgaben in der Praxis zu generieren. Im letzten Jahr veröffentlichte der Quintessenz Verlag erstmals ausgewählte schriftliche Abschlussarbeiten, die während des Lehrgangs entstanden sind, in Buchform. Auch 2015 wird wieder ein Band mit besonders gelungenen Hausarbeiten in den Druck gehen. Unter den Beiträgen sind beispielsweise Texte zu den Themen „Stress als Bedrohung des wirtschaftlichen Praxisgewinns“, „Bleaching in der Zahnarztpraxis“ oder „Neugestaltung eines Prophylaxekonzepts bei der Praxisübernahme“ zu finden.

Weitere Infos unter www.betriebswirt-zahnmedizin.de

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