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Recht 04.06.2019

Urteil: Mediziner müssen Kollegen regulär behandeln

Urteil: Mediziner müssen Kollegen regulär behandeln

Ärzte müssen Medizinerkollegen genau so sorgfältig behandeln wie andere Patienten. Das bedeutet zum Beispiel, dass sie bei der Untersuchung präzise Fragen stellen müssen – und nicht davon ausgehen dürfen, dass der erkrankte Kollege sich diese Fragen schon selbst gestellt haben wird. Das geht aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Celle hervor (Az.: 1 U 66/18), auf das die Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht im Deutschen Anwaltverein hinweist.

Klägerin in dem Fall war eine niedergelassene Frauenärztin, die sich wegen akuter und extremer Kopfschmerzen an einen Internisten wandte. Dieser untersuchte sie zunächst per Computertomographie (CT), was kein Ergebnis brachte, und schickte die Patientin dann ohne weitere Untersuchungen nach Hause. Noch am gleichen Tag wurde die Frau per Rettungswagen ins Krankenhaus eingeliefert, wo die Ärzte einen Hirnvenenverschluss feststellten.

Wegen der Folgen der zunächst unentdeckten Krankheit klagte die Frau auf Schadenersatz und Schmerzensgeld – und bekam Recht. Denn mit dem Verzicht auf weitere Untersuchungen nach dem CT habe der Arzt einen groben Behandlungsfehler begangen, so das Gericht. Gerade angesichts der extremen Kopfschmerzen habe der Internist nicht davon ausgehen können, dass die Patientin ihm von sich aus eine vollständige Krankengeschichte liefert. Entsprechend präzise Fragen zu stellen, sei Aufgabe des behandelnden Arztes – und zwar auch unter Kollegen.

Quelle: dpa

Foto: takasu – stock.adobe.com

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