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Branchenmeldungen 09.03.2020

5. Geistlich Konferenz: Schwerpunkt Reparatur-Chirurgie

Georg Isbaner
Georg Isbaner
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5. Geistlich Konferenz: Schwerpunkt Reparatur-Chirurgie

Periimplantitis: Vorbeugen – Behandeln – Reparieren

Die chirurgische Zahnmedizin muss sich heute mehr denn je den Auswirkungen ihres eigenen Erfolges stellen. Aufgrund der hunderttausendfachen Versorgung mit implantatgestütztem Zahnersatz kommen nach Jahren die erwartbaren Patientenfälle mit Komplikationen wie Periimplantitis und knöchernen Defekten zur „Wiedervorlage“ in die deutschen Praxen. Damit stellt sich den Behandlerinnen und Behandlern die Frage nach den geeigneten Methoden und Materialien für die anstehenden Reparaturmaßnahmen. Die 5. Geistlich Konferenz am 7. März in Baden-Baden widmete sich diesem Themenkomplex.

Dr. Thomas Braun, Geschäftsführer der Geistlich Biomaterials Vertriebsgesellschaft mbH, ging bei seiner Eröffnung des Geistlich Expertenmeetings am Vorabend der 5. Geistlich Konferenz in Baden-Baden auf die Ansätze der modernen Regenerationsforschung zur Förderung der Wundheilungsprozesse und Geweberegeneration im Körper und insbesondere in der Mundhöhle ein. Viel Hoffnung der vergangenen Jahre beruhte dabei auf dem Einsatz von Wachstumsfaktoren, Knochenzüchtungen, Stammzelltherapien u.v.m. Hierbei handele es sich um spannende und zum Teil auch wirkungsvolle Ansätze, welche aber nicht zuletzt aufgrund von Praktikabilitäts-, Rechts- und Zulassungsfragen sowie Kostendruck in der breiteren Zahnmedizin keinen Fuß fassen konnten, so Braun. Allerdings habe sich die Verwendung von Eigenblutkonzentraten als effektive Maßnahme für die Unterstützung von Wundheilungsprozessen insbesondere in der GBR & GTR herauskristallisiert. Derzeit fehle es jedoch an ausreichender evidenzbasierter und indikationsbezogener Systematik, die den Behandlerinnen und Behandlern im Praxisalltag verlässliche Hilfe biete, leitete Gastgeber Braun zu den nun anstehenden Vorträgen und Diskussionsrunden des Expertentreffens über.

Der besondere Saft

Zunächst verdeutlichte Prof. Dr. med. Michael Schmitt, MHBA, Oberarzt der Sektion Stammzelltransplantation und Arbeitsgruppenleiter der AG Zelluläre Immuntherapie am Universitätsklinikum Heidelberg, in seinem Vortrag „Blut ist ein besond’rer Saft“ die therapeutische Leistungsfähigkeit von Blut und Blutzellen. Die neuere Blutzellforschung, wie sie Schmitt und Kollegen in Heidelberg betreiben, befasst sich erfolgreich mit genetisch veränderten Blutkörperchen (aus patienteneigenem Blut) zur gezielten Behandlung von bestimmten Tumortypen. Darüber hinaus gab Schmitt einen pharmazeutischen Ausblick auf die Verwendung von Blutkonzentraten aus humanem Fremdblut, welches vor allem bei Engpässen oder anderen widrigen Umstände Abhilfe schaffen könne, so Schmitt.

Autologe Blutkonzentrate

In seinem Vortrag „Blutkonzentrate (PRF): Beitrag zur Verbesserung der Wundheilung in der oralen Medizin“ zeigte Prof. Dr. Dr. Dr. Shahram Ghanaati, wie durch das PRF die normalerweise nacheinander ablaufenden Wundheilungsprozesse parallelgeschaltet werden. Die Folge davon seien u.a. eine schnellere Wundheilung und weniger Schwellungen, so Ghanaati. In Kombination mit Biomaterialien für die GBR & GTR können eingesetzte Blutkonzentrate somit eine sinnvolle Wirkung entwickeln. Indikationsbasiert könne man in diesem Zusammenhang den Intensitätsgrad des Blutkonzentrates durch systematische Rotationsprotokolle bestimmen. Generell müssen sich Biomaterialien den Platzhaltereffekt (beispielsweise auch mittels dreidimensionaler Titangitter) zunutze machen, da bei vollständiger Resorption des Biomaterials oder zu hohen Zug- und Druckkräften auf die Wunde erneut Atrophien auftreten können, so Ghanaati. In der anschließenden Expertendiskussion warb Ghanaati leidenschaftlich für die Mitarbeit an systematisch aufbereiteten Indikationsprotokollen für den Einsatz von Eigenblutkonzentraten in Kombination mit Biomaterialien in der GBR & GTR.

5. Geistlich Konferenz

„Was passiert, wenn die erste Generation von Implantaten droht verloren zu gehen?“ – Mit dieser Frage eröffneten Dr. Thomas Braun und Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden am Samstag, dem 7. März, die 5. Geistlich Konferenz im Kurhaus Baden-Baden.

Die Welle von Periimplantitisfällen und Defekten nach Implantatverlust und -entfernung konfrontieren die Behandlerinnen und Behandler in der alltäglichen Praxis mit neuen Herausforderungen, so auch Terheyden in seinem Vorwort zur Veranstaltung. Die Herausforderungen bestünden in der Wiederherstellung der Kaufunktion mithilfe von Regenerationsmaßnahmen für Knochen und Weichgewebe. Aus verschiedenen Gründen, wie beispielsweise der Narbenbildung nach früheren Schnittführungen, proinflammatorischen Zytokinen, Antibiotikaresistenzen oder schwachen Transplantatlagern könne die Therapie erschwert werden.

Das herausfordernde Therapiefeld der Reparatur-Chirurgie verlange je nach Defektmorphologie ein breites Repertoire an Materialien, medizinisch-chirurgische Fähigkeiten und individuellen Problemlösungen, so Terheyden weiter. Es bedürfe der Weiterentwicklung und Etablierung neuer Behandlungsstandards, ordnete Terheyden die Aufgabe der anstehenden Referate von Prof. Dr. Michael Stimmelmayr (Weichgewebestrategien zur Vermeidung von Periimplantitis), Dr. Dr. Markus Tröltzsch (Implantat raus – was nun? – Reparatur-Chirurgie bei nicht erhaltungswürdigem Implantat), Dr. Florian Rathe (Strategien zur erfolgreichen Reosseointegration nach Periimplantitis), Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas (Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implantation – was sagt die Wissenschaft?) und Prof. Dr. Moritz Kebschull (Weichgewebige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implantation – was sagt die Literatur?) ein.

Dass vieles für die Bemühungen zum Erhalt des Erstimplantats spreche, zeige die Studie von Agari (Agari K., Le B., J Oral Maxi. Surg. 2020 March 78:375–385), wonach die Erfolgsquote bei Zweitimplantation auf 77,4 Prozent sinke (Drittimplantation 72,7 Prozent, Viertimplantation 50 Prozent). Man müsse mit geeigneten Maßnahmen vermeiden, dass es zu einer Zweitimplantation komme oder die Notwendigkeit einer solchen Zeitimplantation von Beginn an einkalkulieren (Weichteil schonen, demütig sein, sichere Verfahren wählen).

Foto Teaserbild: OEMUS MEDIA AG

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