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Branchenmeldungen 20.03.2019

Unnötig abgeschliffene Zähne: Urteil wird erwartet

Unnötig abgeschliffene Zähne: Urteil wird erwartet

Der Prozess gegen einen Zahnarzt vor dem Hamburger Amtsgericht soll zu Ende gehen. Allerdings habe sich der Verteidiger des 54-jährigen Mediziners vorbehalten, noch ein neues Gutachten zu beantragen, sagte ein Gerichtssprecher. Darum ist fraglich, ob wie geplant die Plädoyers gehalten und das Urteil gesprochen werden können.

Der Zahnarzt soll zwischen Anfang 2009 und November 2010 vier Patienten falsch behandelt oder vor den Eingriffen unzureichend aufgeklärt haben. Einer Frau soll er unabgesprochen sämtliche Zähne abgeschliffen haben, einer anderen 22 Zähne gezogen, obwohl dies nur bei dreien erforderlich gewesen sei. Bei einer weiteren Patientin und einem Patienten kam es laut Anklage nach fehlerhaften Behandlungen zu Komplikationen. 

2015 hatte das Gericht einen Strafbefehl erlassen, nach dem der Mediziner mit zehn Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldauflage von 2.000 Euro bestraft werden sollte. Dagegen hatte der Zahnarzt Einspruch eingelegt.

+++ UPDATE 08:20 Uhr +++ Bewährungsstrafe für Zahnarzt wegen Körperverletzung gefordert

Im Prozess gegen einen Zahnarzt hat die Hamburger Staatsanwaltschaft am Dienstag ein Jahr und acht Monate Haft auf Bewährung gefordert. Der 54-Jährige habe sich in vier Fällen der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig gemacht, sagte der Anklagevertreter. Er solle den vier Patienten, denen der Mediziner zum Teil sämtliche Zähne abgeschliffen oder gezogen haben soll, jeweils 9.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Er habe sie vor der Behandlung nicht oder nur unzureichend über die Eingriffe aufgeklärt. Damit habe er seine besondere Vertrauensstellung als Arzt missbraucht. Die Patienten hätten gravierende Folgen und erhebliche Schmerzen erlitten. Die Behandlungen erfolgten zwischen März 2009 und November 2010.

Der Staatsanwalt bezeichnete die Fehlbehandlung einer 58-Jährigen als besonders krassen Fall. Die Frau war Heiligabend 2009 wegen Schmerzen an ihren überkronten Schneidezähnen in die Hamburger Praxis des Angeklagten gekommen. Der Zahnarzt habe ihr erklärt, ihre Zähne seien «Schrott», er könne ihr schöne neue machen. Gleich am Folgetag operierte er sie - Kostenpunkt: 18.000 Euro in bar. Dabei habe er ihr nach Aussage eines Gutachters zehn vitale Zähne gezogen. Dem Angeklagten sei es darum gegangen, Implantate zu verkaufen.

Quelle: dpa

Foto: EKH-Pictures – stock.adobe.com

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