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Wissenschaft und Forschung 06.08.2018

Erster Zungenschrittmacher implantiert, der MRTs ermöglicht

Erster Zungenschrittmacher implantiert, der MRTs ermöglicht

2015 wurde an der Innsbrucker Univ.-Klinik für HNO erstmals in Österreich ein Zungenschrittmacher implantiert. Der einzige bisherige Nachteil: Wegen des starken Magnetfeldes eines Magnetresonanztomographen war eine MRT-Untersuchung bisher bei Patient/-innen, denen das System implantiert wurde, nicht möglich. Heute konnte man diese Lücke schließen und wieder erstmalig in Österreich, ein neues System bei einem Patienten einsetzen.

Ein Zungenschrittmacher stimuliert den Bewegungsnerv der Zunge und ist vor allem für eine spezielle Gruppe von Patient/-innen gedacht. Sie leiden an einer besonderen Form des Schlafapnoesyndroms (Schnarchen mit Atemaussetzern).

„Seit April 2018 gibt es ein neues System, das MRT-tauglich und auch deutlich kleiner und kompakter ist. Mit dieser Neuerung können wir eine große Lücke schließen“, freut sich Birte Bender, Fachärztin an der Univ.-Klinik für HNO. Im Rahmen eines dreistündigen Eingriffs wurde dem 65-jährigen Tiroler rechts unterhalb des Schlüsselbeins der Zungenschrittmacher implantiert. Elektroden werden an den Zungennerv platziert, wo sie gezielt jene Fasern des Zungennervs stimulieren, die für das Herausstrecken der Zunge notwendig sind. Ein Atemsensor erkennt im Schlaf das Einatmen und gibt Impulse an den Schrittmacher, der dann über eine Stimulationselektrode das atemsynchrone Herausstrecken der Zunge während der Nacht ermöglicht. Damit wird verhindert, dass die Zunge im Schlaf zurückfällt und die Atemwege blockiert, was zu Schnarchen mit gefährlichen Atemaussetzern führt.

Die Standardtherapie bei sogenannter obstruktiver Schlafapnoe ist nach wie vor die Atemmaske, die in der Nacht getragen wird und einen leicht positiven Luftdruck in den oberen Atemwegen aufbaut. Nur wenn aus verschiedenen Gründen diese Behandlung nicht möglich ist, dann stellt der Zungenschrittmacher eine Alternative dar. Vor allem bei Patient/-innen, bei denen durch das deutlich erhöhte Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko die Lebenserwartung herabgesetzt ist. Die jetzt erstmalig implantierte neue Generation des Zungenschrittmachers ist um ca. 40 Prozent kleiner und erlaubt es außerdem, Träger/-innen des Systems in einem MRT zu untersuchen.

Quelle: tirol kliniken

Foto: tirol kliniken/Schwamberger
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