Wissenschaft und Forschung 23.06.2021

Prospektive Studie zu Schnellstests bei COVID-19-Patienten

Prospektive Studie zu Schnellstests bei COVID-19-Patienten

Foto: Gorodenkoff – stock.adobe.com

Originaltitel: „Prospektive, nicht verblindete Studie zur Sensitivität und Spezifität verschiedener Tests bei COVID-19-Patienten“

Co-Autoren: A. Wortmann, N. Schmidt

Im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie spielt die Teststrategie neben dem Impfen eine entscheidende Rolle. Aber wie sicher ist welcher Test? In einer Studie wurden die verschiedenen Tests verglichen und klare Hinweise abgeleitet.

In der Zeit vom 1.4. bis 11.5.2021 wurden 18 Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion im Rahmen ihres stationären Aufenthaltes mit verschiedenen Tests untersucht.

Ziel

Das Ziel bestand in einer kritischen Prüfung der Testzuverlässigkeit von verschiedenen verfügbaren Schnelltests im Vergleich zum PCR-Test bei COVID-Patienten.

Methode

Getestet wurden 18 Patienten, die wegen einer SARS-CoV-2-Infektion in der Park-Klinik Weißensee stationär behandelt werden mussten. Die Abstriche erfolgten am Aufnahmetag.

Folgende Tests wurden verwendet:

1 PCR-Test mit Bestimmung des CT-Werts
2 Clinitest, Rapid COVID-19 Antigen Test, Firma Siemens, Abstrich aus dem Nasenrachen
3 Clinitest, Rapid COVID-19 Antigen Test, Firma Siemens, Abstrich aus der vorderen Nase
4 Novel Coronavirus (COVID-19) Antigen Kit (Colloidal Gold) Lyher, Selbsttest aus Apotheke
5 Saliva SARS-Cov-2 (2019-nCoV) Antigen Combined Test Kit (Nanocabon Assay) ICD

Untersuchungsablauf

Die Tests erfolgten von geschultem Pflegepersonal der COVID-Station unter Beachtung allerantiinfektiöser Maßnahmen.

Ergebnisse

Der Schnelltest im Nasenrachen (2) war 11 x positiv und 7 x negativ.
Bei allen negativen Tests bestanden CT-Werte > 27,7.

Der Schnelltest aus der vorderen Nase (3) war 4 x positiv und 14 x negativ.
Die 4 positiven Tests fanden sich bei CT-Werten von: 17,9; 17,4; 17,0; 23,0.

Der Selbsttest (4) war 15 x positiv und 3 x negativ.
Alle negativen Tests fanden sich bei CT-Werten > 30 im PCR-Test.

Der Speicheltest (5) war 3 x positiv und 15 x negativ.
Hier bestand keine Abhängigkeit vom CT-Wert.

Diskussion

Die Sensitivität eines Tests charakterisiert seine Qualität, Patienten zu identifizieren, die eine bestimmte Erkrankung haben. Die Spezifität entspricht dem Wunsch, Patienten zu identifizieren, die eine Krankheit oder ein bestimmtes Merkmal nicht besitzen. Bei den Tests geht es darum, Patienten zu identifizieren die an COVID erkrankt sind und die Infektiosität der Patienten im Einzelnen zu beurteilen.

Beim Verfahren der PCR-Tests (Polymerase Chain Reaction) wird die RNA im Virus so lange vervielfältigt, bis ein Messsignal detektiert werden kann. Je mehr Vervielfältigungsschritte für ein positives Ergebnis notwendig sind, desto geringer ist die Viruslast und die Infektiosität.

Die laborchemische Gruppierung in positive und negative Patienten beim PCR-Test ermöglicht die Differenzierung zwischen SARS-CoV-2-Infizierten und Nicht-Infizierten. Sie ist aber nur dann zur Beurteilung der Infektiosität im konkreten Fall hilfreich, wenn der CT-Wert Berücksichtigung findet. Drosten et al. Empfehlen, CT -Werte > 28 nicht mehr als positiv zu bewerten, da die Infektiosität bei CT-Werten > 28 äußerst gering ist.

Für die Belange eines Versorgungskrankenhauses mit COVID-Patienten ist gerade das Kriterium der Infektiosität von besonderer Bedeutung, insbesondere wenn vollständig von den PCR-Tests auf verschiedene Schnelltests umgestellt wird.

Bei der vorliegenden Studie zeigt sich, dass der Schnelltest aus dem Nasenrachen zuverlässig die infektiösen Patienten unter einem CT-Wert von 27,7 identifiziert. Für den Nachweis einer SARS-CoV-2-Infektion per se ist er zu ungenau.

Der Schnelltest aus der vorderen Nasen identifiziert zuverlässig nur die hochinfektiösen Patienten mit CT-Werten < 23. Für die Erkennung einer COVID-Erkrankung ist er ungeeignet.

Der Selbsttest ist überraschend aussagefähig für das Erkennen eines Infektionsrisikos, denn er war 15 x positiv. Alle negative Ergebnisse bestanden bei CT-Werten > 30.

Der Speicheltest fiel in unserer Studie durch, weil sich keine Beziehung zu den individuellen CT-Werten herstellen ließ und somit selbst hochinfektiöse Patienten nicht identifiziert werden konnten. Er war bei COVID-Patienten nur 3 x positiv.

Fazit

Für das Erkennen einer SARS-CoV 2-Infektion sind Antigen-Schnelltests- nicht zuverlässig einsetzbar. Für die Beurteilung der Infektiosität von Covid-Patienten ist der Antigen-Schnelltest mit Abstrich aus dem Nasenrachen sehr geeignet. Eine gegenüber dem PCR-Test verminderte Sensitivität bei gleichzeitig hoher Spezifität erlaubt  bei reiner Betrachtung der Infektiösität (CT-Werte <28)  eine Unterscheidung zwischen infektiösen und nicht infektiösen Patienten . Das Gleiche gilt für den Selbsttest aus der vorderen Nase.

Literatur beim Verfasser 

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