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Patienten 02.10.2014

Gerostomatologie in Zeiten demografischen Wandels

Gerostomatologie in Zeiten demografischen Wandels

Die demografische Entwicklung zeigt sich bereits heute in nahezu jeder Zahnarztpraxis: Unter den Patienten befinden sich deutlich mehr Senioren als in früheren Zeiten. Dabei sind diese Patienten nur der weithin sichtbare Teil unserer alternden Bevölkerung. Basierend auf einer stetig steigenden Lebenserwartung kommen insbesondere jene Älteren hinzu, die nicht mehr in der Lage sind, eigenständig die Praxisräume zu erreichen, und so von den Fortschritten moderner Zahnmedizin kaum profitieren können.

Angesichts einer häufig mangelnden Oralhygiene und des dadurch verursachten erhöhten Behandlungsbedarfs in dieser Patientengruppe wird klar, dass die Gerostomatologie künftig vor großen Herausforderungen stehen wird. Daher bedarf es schon heute großer Anstrengungen seitens der Zahnärzte sowie der Dentalindustrie: Einige erfolgreiche Ansätze zur adäquaten Versorgung älterer Patienten werden im Folgenden vorgestellt.

Anpassung der Behandlungskonzepte erforderlich

Während die Vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS IV) bestätigt, dass in der „Normalbevölkerung“ Rückgänge bei der Kariesprävalenz zu verzeichnen sind, stellt sich die Situation bei Senioren gegensätzlich dar. Vor allem hat bei dieser Patientengruppe die Prävalenz von Wurzelkaries um fast 30 Prozent zugenommen.1 Etwa 45 Prozent der älteren Patienten weisen mindestens eine kariöse oder gefüllte Wurzeloberfläche auf, denn bei steigender Lebenserwartung und damit einhergehend länger vorhandenem Zahnbestand wachsen die Risiken für Sekundärkaries, für Abnutzungserscheinungen der Zahnhartsubstanz sowie für Erkrankungen des Parodonts. Zentrales Ziel der Gerostomatologie ist daher die Etablierung geeigneter Therapiemaßnahmen, um die dauerhafte Erhaltung einer funktions- und kaustabilen Gebisssituation bis ins hohe Alter gewährleisten zu können.

Abb. 1: Starke vestibuläre Abrasionen an den Zähnen 43 und 44. – Abb. 2: Einbringen von Dyract eXtra B3 in die Kavität an Zahn 43. – Abb. 3: Fertige Füllungen nach Politur. (Fotos: Benz)

Prophylaxe und Therapien unter erschwerten Bedingungen

Zu den allgemeinen altersspezifischen Beeinträchtigungen kommen weitere gravierendere dentale Risiken hinzu, wenn beispielsweise demenzielle Erkrankungen oder Pflegebedürftigkeit vorliegen. Um die daraus resultierenden mundgesundheitlichen Probleme älterer Patienten zu verringern, werden nicht nur hohe Anforderungen an die Professionalität der Zahnärzte und Prophylaxeassistenten gestellt, sondern auch an das Fachpersonal in Alten- und Pflegeheimen. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass auch bei den Senioren solcher Institutionen oft mundhygienische Versorgungsdefizite bestehen, weil vielen alten Patienten – und teilweise auch den Pflegekräften – die Notwendigkeit einer korrekten Oralhygiene nicht ausreichend bewusst oder deren Durchführung nur eingeschränkt möglich ist.2 Für die Zahnarztpraxis bedeutet das, sich auf zahnerhaltende Prophylaxe- und Therapiemaßnahmen einzurichten, die häufig unter erschwerten Bedingungen – dies kann auch eine ambulante Versorgung im Wohnbereich der Patienten umfassen – geleistet werden müssen. Bereits berufstätige wie angehende Zahnmediziner sollten sich auf die besonderen Probleme älterer Patienten vermehrt vorbereiten: Dies gilt vor allem für die adäquate Therapie von Erkrankungen des Parodonts, von Implantitiden oder der Karies von Wurzeloberflächen. Ebenso sind kariogene Nebenwirkungen einer Vielzahl von Medikamenten, die von den häufig multimorbiden Senioren eingenommen werden, zu berücksichtigen beziehungsweise zu vermeiden. Auch die zunehmend verringerten manuellen Fähigkeiten aufgrund von Alter oder Behinderung müssen durch eine intensivierte zahnmedizinische Versorgung möglichst kompensiert werden. Eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung, im Verbund mit einer von geschulten Pflegekräften unterstützten oder durchgeführten häuslichen Prophylaxe, ist eine entscheidende Voraussetzung für die Verbesserung der Mundgesundheit Älterer. Eine adäquate – und nötigenfalls ambulant durchzuführende – zahnmedizinische Versorgung von Senioren sollte außerdem die Reparatur beziehungsweise den Ersatz verloren gegangener Zahnhartsubstanz gewährleisten. Dies umfasst auch die Wiederherstellung schadhafter Füllungen.

Füllungswerkstoff mit kariesprotektiven Eigenschaften

Der restaurativen Zahnheilkunde stehen seit Langem hochentwickelte Füllungsmaterialien zur Verfügung. Insbesondere das bewährte, fluoridfreisetzende Dyract eXtra (DENTSPLY) bietet einen zusätzlichen Schutz vor Karies; dies bestätigt auch eine klinische Studie.3 Dieses seit bereits 20 Jahren klinisch bewährte und damit evidenzbasierte Füllungsmaterial kann daher auch den erhöhten Kariesrisiken älterer Patienten wirksam begegnen und vorteilhaft als hoch belastbares Füllungsmaterial sowohl im Frontzahn- als auch im okklusionstragenden Seitenzahnbereich eingesetzt werden. Dyract eXtra ist ein adhäsiver Füllungswerkstoff, der unter größtmöglicher Schonung vorhandener Zahnhartsubstanz eine direkte Restauration mit ansprechender zahnfarbener Ästhetik erlaubt. Auch zur Behandlung von Wurzelkaries ist das Material aufgrund seines geringen E-Moduls besonders gut geeignet, da die Füllung so elastischer auf eventuelle Verformungen im Zahnhalsbereich reagieren kann.

Zahnärzte müssen sich auf Senioren einstellen

Die nächsten Jahrzehnte werden durch eine überproportionale Zunahme der über 65-jährigen Bevölkerung gekennzeichnet sein. Diese absehbare demografische Entwicklung wird neben den unmittelbar zahnmedizinischen Problemen auch Probleme der Praxisorganisation aufwerfen. Beispielsweise wird ein zunehmender Teil der alten Menschen aufgrund von Behinderungen gar nicht mehr die Zahnarztpraxis aufsuchen können. Behandler, die sich nicht ausreichend auf diesen Umstand vorbereitet haben, werden deshalb den Kontakt zu ihren immobil und pflegebedürftig gewordenen Patienten vermehrt verlieren. Zahnärzte müssen sich darauf einstellen, die erforderliche Behandlung ihrer betagten Patienten zunehmend ambulant während eines Hausbesuches zu leisten. Dies setzt neben der mentalen Vorbereitung auch die Bereitschaft zur Investition in eine für den Außeneinsatz geeignete apparative Ausstattung voraus. Moderne gerostomatologische Konzepte beschränken sich jedoch nicht auf Zahnärzte und ihre Assistenz: Es bedarf für die effektive häusliche Prophylaxe eines dentalfachkundigen Pflegepersonals, das durch die vertiefte Aus- und Weiterbildung in den entsprechenden Einrichtungen über das notwendige dentale Wissen verfügt und somit qualifiziert ist, präventive Maßnahmen rechtzeitig einzuleiten und korrekt durchzuführen. Allerdings zeigen sich diesbezüglich bis heute erhebliche Lücken in der Berufsausbildung der Pflegekräfte. Noch dramatischer stellt sich die gegenwärtige universitäre Ausbildung angehender Zahnärzte im noch völlig unterrepräsentierten Fach Alterszahnheilkunde dar: Der sich verändernden Patientenstruktur und ihrer speziellen Bedürfnisse wird bisher nicht ausreichend Rechnung getragen;2 immer noch liegt der Schwerpunkt der Versorgung von Senioren auf der Bereitstellung von Zahnersatz.

Ein Gegenbeispiel sei aber an dieser Stelle erwähnt: Um die Bedeutung der bisher unterentwickelten Gerostomatologie innerhalb der Zahnärzteschaft zu fördern, lobt die Deutsche Gesellschaft für AlterszahnMedizin (DGAZ) in Kooperation mit DENTSPLY DeTrey in jedem Jahr einen Preis für herausragende wissenschaftliche Arbeiten, Initiativen und Projekte auf dem Gebiet der Alterszahnheilkunde aus. Dieses „DENTSPLY-Stipendium für Seniorenzahnmedizin“ ist übertragbar und ermöglicht die kostenfreie Teilnahme an einem von der DGAZ unterstützten Curriculum. Damit sollen der Zahnärzteschaft Impulse gegeben werden, die zu einer zunehmend leistungsfähigen Alterszahnmedizin beitragen.

Herausforderung Alterszahnheilkunde: Ein vorläufiges Fazit

Die stetig alternde Struktur unserer Bevölkerung verlangt eine sich wandelnde, adäquate Alterszahnheilkunde. Während sich die zahnärztliche Behandlung sogenannter „Best Agers“ kaum von der jüngerer Patienten unterscheidet, stellt der wachsende Anteil pflegebedürftiger oder behinderter alter Menschen den Zahnarzt vor neue Herausforderungen. Entsprechend wächst der Bedarf an geeigneten, zunehmend ambulanten Behandlungskonzepten. Bereits heute stellt die Dentalindustrie gerostomatologisch bewährte Materialien und Instrumentarien zur Verfügung. Damit wird etwa die direkte Füllungstherapie oder die Parodontalprophylaxe älterer Patienten wirksam unterstützt und zukünftig vor allem die ambulante zahnerhaltende Versorgung im Rahmen eines Hausbesuches verbessert.

Literatur

1 Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ); Micheelis W., Schiffner U. (2006); Vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS IV); Deutscher Zahnärzte Verlag, Köln.
2 Heilf T. (2008); Zur Wirkung individueller oralhygienischer Unterweisung auf die Prothesenhygiene von Patienten in Alten- und Pflegeheimen; Dissertation, Universität Münster.
3 Lennon A. M., Wiegand A., Buchalla W., Attin T. (2007); Approximal caries development in surfaces in contact with fluoridereleasing and non-fluoride-releasing restorative materials: an in situ study; Eur J Oral Sci 2007; 115: 497–501.

Foto: © Benz
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