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Personalmanagement 28.04.2017

Aus Bewerbersicht: Professionelle Vorstellungsgespräche gesucht

Aus Bewerbersicht: Professionelle Vorstellungsgespräche gesucht

Dieser Artikel spiegelt Erfahrungen in Vorstellungsgesprächen wider und soll dazu anregen, das eigene Vorgehen zu reflektieren.

„Was Du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem andern zu.“

Jeder würde dieses Bibelzitat vorbehaltlos unterschreiben. Aber verhalten wir alle uns tatsächlich immer gemäß diesem noblen Leitsatz? Personalführung ist schwierig, vor allem in inhabergeführten Zahnarztpraxen. Jeder Chef/Chefin wird bestätigen, dass er/sie nur wohl ausgewählte, qualifizierte und loyale Mitarbeiter beschäftigen möchte.

„Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“

Verhalten sich die Praxisinhaber in Vorstellungsgesprächen bzw. bei Bewerbungen denn immer so, wie sie sich das Verhalten ihrer vermeintlich zukünftigen Mitarbeiter auch wünschen? In der Regel zeigt die Erfahrung: Leider nein!

Einige Beispiele sollen die Selbstreflexion anregen und im Endeffekt zu erfolgreicheren Einstellungen verhelfen.

Häufig beginnt es bereits beim Zusenden der Bewerbungsunterlagen. Ist dies online geschehen, begrüßt es der Bewerber sicherlich, eine kurze Rückmeldung zu erhalten, mit der Eingangsbestätigung und, je nachdem, einer kurzen Bemerkung, ob die Bewerbung im Auswahlverfahren berücksichtigt, oder verworfen wird. Online ist dies ein geringer Aufwand, spiegelt aber den guten Ton der Praxis wider und zeugt von guten Umgangsformen. Eine Absage wird in dem Fall nicht mehr als eine Entscheidung sein. Aber der professionelle Umgang wird sich unter potenziellen Bewerbern herumsprechen.

Die Bewerbungsgespräche sind die nächste Baustelle, an der Praxisinhaber dringend feilen sollten.
Wurde eine feste Uhrzeit mit dem Bewerber vereinbart, so sollte sich der Praxisinhaber auch für diese Uhrzeit freigenommen und Zeit eingeplant haben. Es ist schon vorgekommen, dass eine Bewerberin geschlagene 40 Minuten auf den Zahnarzt warten musste, da dieser es vorzog, zunächst seinem Wunsch einer ausgedehnten Mittagspause nachzugehen, statt die Bewerberin später zu terminieren. Umgekehrt wünscht sich genau dieser Zahnarzt von seinen Angestellten mit Sicherheit Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Sollte man als Praxisinhaber nicht mit bestem Beispiel vorangehen?

Stellen Sie sich Ihrem Bewerber namentlich vor oder gehen Sie davon aus, dass allein Ihre Ausstrahlung verrät, dass Sie der Chef sind? Auch von dieser Erfahrung kann hier berichtet werden. Der Chef kommt mit ausgestreckter Hand auf die Bewerberin zu, wie mindestens zehn andere Mitarbeiter ohne Namensschild an dem Tag auch. Woher soll die Bewerberin wissen, wer ihr gegenübersteht? Gelten bei einer Bewerbung nicht die üblichen Umgangsformen? Oder sollen hier Überlegenheit und Macht ausgestrahlt werden?

Des Weiteren werden Bewerbungsgespräche in Zahnarztpraxen auch gerne zwischen Tür und Angel abgehalten. Man findet sich auf unsicheren Behandlungsassistenzstühlen wieder, in einem für die nächste Behandlung vorbereiteten Behandlungszimmer, ohne Anbieten eines Getränks, ohne Möglichkeit, eine Jacke oder Ähnliches abzulegen. Aber im Umgang mit den Patienten im späteren Arbeitsverhältnis wird eine zuvorkommende Art unbedingt gewünscht. Warum erfährt der Bewerber diese zuvorkommende Art nicht?

Vor allem bei den Zahnarzthelferinnen wird das äußere Erscheinungsbild bei Bewerbungen stark gewichtet. Selbstverständlich sollten aus hygienischen Gründen keine lackierten, langen Fingernägel getragen werden, und Piercings im Gesicht können sicherlich eine Verletzungsgefahr darstellen und sollten daher für die Arbeitszeit entfernt werden.

Doch die Anforderungen ufern teilweise aus und grenzen schon an persönliche Diskriminierung. Gründe einer Bewerbungsabsage können Übergewicht, Frisuren- und Haarfarbenwahl, Tätowierungen und äußeres Erscheinungsbild im Allgemeinen sein. Viele ZFA werden von ihren Arbeitgebern angehalten, sich für die Arbeit zu schminken, da dies gepflegter aussehe und die Praxis besser repräsentiere. Einige ZFA-Azubis berichten, dass sie froh seien, sich für den Schulunterricht nicht schminken zu müssen. Das geht doch zu weit!

Und nicht zuletzt sei die Ablehnung einer Bewerbung erwähnt. Wie unschön ist es, die Erfahrung zu machen, dass sich ein Bewerber nach einem gut verlaufenen Bewerbungsgespräch nicht mehr meldet? Man hängt in der Luft, hatte vielleicht schon einen Vertrag aufgesetzt und nun bleibt man mit der Ungewissheit sitzen und muss wieder mit der Suche von vorne beginnen. So ein Verhalten schätzt niemand.

Doch wie häufig verhalten sich Praxisinhaber genau so? Einfach nicht mehr melden, der einfachste Weg. Den Bewerber, dem man vielleicht schon eine verbindliche Zusage in Aussicht gestellt hat, einfach hängen lassen. Auf Nachfragen einfach nicht mehr reagieren. Wo ist hier der höfliche und respektvolle Umgang? Oder darf der Praxisinhaber das?

Gelten für einen Arbeitgeber andere Gesetze? Schließlich will der Bewerber ja etwas von ihm und er stellt Arbeitsplätze zur Verfügung. Eine höfliche, knappe Information über die Entscheidung zugunsten eines anderen Bewerbers ist nicht zu viel verlangt und sollte selbstverständlich sein. Gute Angestellte findet man mit Sicherheit nicht zuletzt durch professionellen und wertschätzenden Umgang. Sonst bekommt man den Mitarbeiter, den man verdient und sich vielleicht nicht gewünscht hat.

Foto: Elnur – adobe.stock.com
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