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Praxishygiene 29.11.2018

Flächendesinfektion als elementarer Bestandteil der Hygienekette

Flächendesinfektion als elementarer Bestandteil der Hygienekette

Sie sind nicht nur unsichtbar, sondern auch unberechenbar: Keime, Bakterien, Viren, Pilze und die damit einhergehenden Krankheiten. Dabei werden sie keineswegs ausschließlich über Patienten, Behandler, Instrumente oder das während der Behandlung angewandte Zubehör übertragen. Oft unterschätzt, geht auch vom Praxismobiliar sowie von allgemein vorhandenen Oberflächen ein latentes Übertragungsrisiko aus. Um dies auszuschließen und die Gefahr der Kreuzkontamination zu verringern, ist eine regelmäßige, gewissenhaft durchgeführte Flächendesinfektion besonders wichtig. Ganz nach dem Motto „Wisch und weg“ beleuchtet der folgende Artikel die Details einer angemessenen Wisch- bzw. Sprühdesinfektion im Behandlungszimmer sowie die spezifischen Anforderungen an die passenden Desinfektionsmittel und deren Vorteile.

Abdeckung der Flächen

Um den Desinfektions- und Reinigungsaufwand so gering wie möglich zu halten und den Kontaminationsschutz diverser Gegenstände zu gewährleisten, werden schwer zu reinigende Flächen im näheren Umfeld des Behandlungsareals abgedeckt. Für die Abdeckung sind idealerweise keimarme Materialien zu verwenden, die entweder nach einer Behandlung entsorgt oder entsprechend aufbereitet werden. Doch nicht alle Flächen können einfach und problemlos abgedeckt werden. Diese müssen deshalb nach jeder Behandlung fachgerecht desinfiziert werden. Speziell nach Kontakt oder Kontamination mit Aerosolen ist eine gewissenhafte Flächendesinfektion von besonderer Bedeutung.

Arten der Flächendesinfektion

Die gängigen und zugelassenen Arten der Flächendesinfektion beziehen sich auf die Wisch- und die Sprühdesinfektion. Sprühen allein genügt allerdings nicht, da auf diese Weise die Kleinstflächen zwischen den aufgesprühten Tröpfchen nicht angemessen desinfiziert werden können. Auch die Wischdesinfektion kann singulär betrachtet nicht alle Bereiche ausreichend abdecken. Deshalb werden diese beiden Arten immer nach dem Prinzip „Sprühen – Wischen“ miteinander kombiniert.

Bei der Sprühdesinfektion sollte der Radius von zwei Metern beachtet werden. Bei diesem Vorgang sind daher immer Handschuhe, Schutzbrille sowie Mund- und Nasenschutz zu tragen.

Im Allgemeinen ist der Wischdesinfektion der Vorzug zu geben. Gründe hierfür sind, dass die Sprühdesinfektion eine Aerosolbildung verursacht und auch die Benetzung der Flächen durch eine Wischdesinfektion gleichmäßiger erfolgen kann. Eine alleinige Sprühdesinfektion kommt nur für Gegenstände infrage, die aufgrund der räumlichen Verhältnisse nicht per Wischdesinfektion erreicht werden können. Nach dem gleichmäßigen Aufbringen des Desinfektionsmittels ist es unabdingbar, die Einwirkzeit, vor allem nach Infektionspatienten, genau zu beachten und die Fläche während dieser Zeitspanne zu befeuchten, um eine optimale Desinfektionswirkung zu garantieren. Der Hygieneplan gibt Aufschluss über die Häufigkeit der Flächendesinfektion.

Unterschiedliche Desinfektionsmittel

Neben der Flächendesinfektion können weitere gezielte Desinfektionsmaßnahmen notwendig werden, wenn eine sichtbare Kontamination auch patientenferner Flächen, einschließlich Fußboden, vorliegt. Doch welche Desinfektionsmittel können und dürfen in der Zahnarztpraxis überhaupt zur Anwendung kommen? Die Hersteller am Markt haben sich in diesem Rahmen stark spezialisiert und bieten zahlreiche, individuell abgestimmte Desinfektionsmittel für jedes Anwendungsgebiet an. Zunächst sind die verwendeten Mittel aus der Liste der DGHM zu entnehmen. Im zweiten Schritt sollte genau hinterfragt werden, was genau damit desinfiziert werden soll, das heißt, um welche Flächen handelt es sich und aus welchen Materialien bestehen diese? Befinden sich eventuell empfindliche Flächen wie Kunststoffe oder Acrylglas darunter oder besteht etwa die Gefahr einer Farbveränderung durch die Desinfektion? Für alkoholempfindliche Flächen sind ebenso spezielle alkoholfreie Flächendesinfektionsmittel erhältlich. Bei Unsicherheit über die Verträglichkeit sollte das Flächendesinfektionsmittel zunächst an einer kleinen verdeckten Stelle ausprobiert werden. Alternativ kann direkt der Hersteller um Rat befragt werden – denn schließlich soll die hochwertige Praxisausstattung möglichst lange Zeit schön und gepflegt bleiben.

Anwendungs- und Wirkungsform der Desinfektionsmittel

Weiterhin unterscheiden sich die einzelnen Desinfektionsmittel nicht nur in der Anwendungs- und Wirkungsform, sondern auch in der Einwirkzeit und den verwendeten Inhaltsstoffen. Viele Flächendesinfektionsmittel sind zum Beispiel mit Parfüm versetzt, um die Anwendung angenehmer zu gestalten und nach der Reinigung einen sauberen, frischen Duft zu erzielen. Wie alle Desinfektionsmittel haben auch Flächendesinfektionsmittel aufgrund ihrer Inhaltsstoffe unterschiedliche Wirkspektren. Um eine wirksame und effiziente Abtötung der in der Praxis relevanten Keime zu erzielen, sind in jedem Fall die Produktinformationen zu berücksichtigen.

Nicht unerwähnt soll in diesem Zusammenhang bleiben, dass die Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln gegen Viren gemäß RKI-Richtlinie in zwei Wirkungsbereiche eingeteilt wird. Der erste Wirkungsbereich bezieht sich auf begrenzt viruzide Desinfektionsmittel. Diese sind ausschließlich wirksam gegen behüllte Viren. Der zweite Wirkungsbereich deckt viruzide Desinfektionsmittel ab, welche ihre Wirksamkeit gegenüber allen behüllten und unbehüllten Viren entfalten. Diese sind in erster Linie bei allen Medizinprodukten der Risikoklassen semikritisch A und B erforderlich, auch wenn sich nach der Desinfektion eine Sterilisation im Autoklav anschließt.

Geschultes Praxisteam

Neben aller Theorie über Desinfektionsarten und -mittel sowie dem Einsatz eines optimalen Hygienesystems ist es unerlässlich, zur Erreichung eines wirkungsvollen Reinigungs- und Desinfektionsprozesses über ein ausreichend geschultes Team zu verfügen. Der Nachweis über Schulungen erfolgt in darauf abgestimmten Dokumenten, welche Auskunft über Schulungsinhalte, Teilnehmer und Unterweisende geben.

Der Artikel ist in der ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis erschienen.

Foto: LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com
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