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Praxishygiene 09.10.2012

Gute Keime, böse Keime und das Rohr

Gute Keime, böse Keime und das Rohr

Im Mund, im Biofilm, halten sie sich günstigenfalls die Waage: die guten und die bösen Keime. Eine solche Symbiose findet sich beim Menschen häufig. Und sie ist gut. Schlecht wird’s dann, wenn sich nur die für den menschlichen Organismus ungünstigsten finden.

Denn dann wird man krank. Manchmal finden sich die ungünstigen, pathogenen Keime aber auch da, wo wir sie eigentlich gar nicht vermuten, sie aber trotzdem krank machen können. Zum Beispiel in unseren zahnärztlichen Behandlungseinheiten oder deren Anhängseln. Bekannt ist Ihnen ja seit Langem – Sie können’s ­sicher bald nicht mehr hören –, dass die Übertragungsinstrumente, also Winkelstücke und Turbinen, Keimreservoire bilden. Leider nur für die pathogenen Keime. Deswegen sterilisieren wir sie auch. Ein weiteres wichtiges Detail unserer Behandlungseinheiten fristet jedoch häufig noch ein Schattendasein – die Mehrfunktionsspritze respektive deren Ansatz. Wieso?

Wieso?


Gut wenn Ihre Damen wissen, dass man besagten Ansatz abschrauben kann (und sollte!). Genauso wie bei den Übertragungsinstrumenten findet nämlich über den Rücksog eine Innenkontamination statt. Bereits Eve et al.1 haben es erkannt: Sobald das Luft-/Wasser-Ventil der Mehrfunktionsspritze, egal welchen Herstellers (!) ausgelöst (und wieder losgelassen) wurde, entsteht, so wie bei Übertragungsinstrumenten, ein Rücksaugeffekt. Die Sprühkanüle der Spritze wird so logischerweise bakteriell verunreinigt, denn im Mundraum werden die Keime aufgewirbelt, gelangen ins Aerosol und damit auch in die Hohlräume der MFS. Und leider lösen sich die Keime im Inneren des Ansatzes später nicht auf. Im Gegenteil: Bei Stillstand der Behandlungseinheit (zum Beispiel übers Wochenende oder im Urlaub), wächst in ihren Hohlräumen (und dazu zählt auch der Ansatz der MFS), ein Biofilm.

Kann man doch …


… sterilisieren, werden Sie sagen. Die Reinigung und Sterilisation des Ansatzes ist jedoch teuer (Arbeitsaufwand sowie Kosten der Sterilisation). Ein neuer, konventioneller Ansatz, der nach mehrfachem Sterilisieren unschön und „verbraucht“ ist, kostet ebenfalls eine Menge Geld. Der PRO-TIP hingegen rechnet sich. Und da wären wir schon beim Ausweg aus der Misere „Aufbereitung des Ansatzes“. Aber was ist der PRO-TIP? Und vor allem wie ist seine Qualität? Ich habe es nun schon über längere Zeit hinweg getestet. War schon der „alte“, der PRO-TIP, sein Geld wert, so wurde mit dem neuen, nochmals verbessertem PRO-TIP turbo jetzt auch noch ein verringerter Durchmesser und ein besserer Zugang zum Behandlungsfeld sowie ein exakter, starker Luft-/Wasserstrahl erzielt.

Passt für alle


Es ist ganz einfach: Der alte Spritzenansatz wird abgenommen und der neue Adapter für den PRO-TIP Ansatz aufgeschraubt oder aufgesteckt. Die weiße Kanüle wird mit einem einfachen Dreh auf dem Bajonettverschluss des Ansatzes verriegelt. Somit besteht auch keine Gefahr, dass sie sich von selbst löst und im Patientenmund oder auf dem Fußboden landet. Und: Für fast alle Typen von Mehrfunktionsspritzen gibt es diese Adapter. Der Außendienst von Loser aus Leverkusen berät Sie gerne, zeigt Ihnen die PRO-TIP turbo-Ansätze und ist Ihnen beim Montieren der Adapter behilflich.

Warum es sich lohnt


Manchmal bin ich selbst auch Patient: beim Zahnarzt oder beim Allgemeinmediziner. Die Gastroskopie, durchgeführt mit einem komplizierten Instrument, habe ich hinter mir. Auch die dumpfe unausgesprochene Frage nach der Aufbereitung dieses Instrumentes. Was, wenn mein „Vorgänger“ bei der Untersuchung eine Tuberkulose gehabt hätte? – Ich übertreibe? Bitte denken Sie doch noch einmal über den erwähnten Rücksaug-effekt und die Innenkontamination bei unserer Funktionsspritze nach.

Der Kommissar


Auch die Praxisbegehung haben wir hinter uns. Als der Prüfer die PRO-TIP-Ansätze an unseren Einheiten sah, war, pars pro toto, die Begehung beinahe schon gelaufen, sah er doch, dass wir uns bezüglich der Sicherheit für unsere Patienten (und auch für uns selbst!) sogar bei vermeintlich kleinen Dingen große Gedanken machten. Übrigens: Bevor wir den PRO-TIP routinemäßig einsetzten, ergab eine Wasserprobe an unseren Behandlungseinheiten das Vorhandensein von Legionellen in einem unzulässigen Ausmaß. Leider, und auch das zeigten Eve et al., verschwinden der Biofilm und damit die pathogenen Keime auch dann nicht, wenn wir das Wasser längere Zeit laufen lassen. Über Legionellen, die anderen „bösen“ Keime und deren Relevanz brauche ich sicher nichts Näheres mehr zu sagen.

Sepsis


Gerade tickert die GSA (Global Sepsis Alliance) anlässlich des Welt-Sepsis-Tages, dass vernachlässigte Hygiene eine häufige Ursache für eine Sepsis ist und im schlimmsten Fall für 60.000 Menschen jährlich (und das allein in Deutschland) den Tod bedeutet. Eine Sepsis entsteht oft auf der Basis einer Lungenentzündung. Was könnte für die Entstehung einer solchen „besser“ sein, als pathogene Keime aus dem Sprühnebel der Mehrfunktionsspritze, direkt in den Beginn des Respirationstraktes verabreicht? Halten Sie das Rohr (Ihrer MFS) sauber!

Der kleine Prinz


Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das lesen wir bei St. Exupérys Kleinem Prinzen. Und weiter: Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Aber auch Unsichtbares kann bedrohen. Sie sollten es jedoch kennen. Denn: Das, was Sie für sich  selbstverständlich fordern – ein Optimum an Hygiene und Vermeidung von Kreuzkontaminationen, wenn Sie selbst Patient sind –, das sollten Sie aus ethischen (und rechtlichen Gründen, das Patientenrechtegesetz steht vor der Tür) auch Ihren Patienten zubilligen. Und wenn Sie den PRO-TIP turbo noch nicht haben, dann sollten Sie mal überlegen, ob Sie nicht endlich die alte Sprühkanüle mit all ihren Nachteilen und Verunreinigungen „vergessen“ wollen.

[1] Eve D., Quinley MS., Nancy J., Williams MS; „The air/water Syringe-Contamination and Disinfection“ Quintessenz Int.; Vol . 20, 12/89

© Dr. med. dent. Hans H. Sellmann

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