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Praxishygiene 15.03.2018

Körperschmuck, Piercings und Ähnliches in einer Zahnarztpraxis

Körperschmuck, Piercings und Ähnliches in einer Zahnarztpraxis

Trotz der neueren Tendenz von jungen Herren, den Beruf des Zahnarzthelfers, -assistenten oder -fachangestellten zu erlernen, ist der überwiegende Teil des Praxispersonals aktuell noch weiblich. Doch dies nur nebenbei, denn das vorliegende Thema betrifft die Damen­-welt zwar stärker, aber unbestrittenermaßen auch die Herren in der Praxis.

Nicht nur im Privatleben, sondern auch bei der Arbeit möchten wir in aller Regel gepflegt, stylish und modisch auftreten. Vorgegebene oder einheitliche Praxiskleidung lässt den Teammitgliedern dazu jedoch oft nur einen ganz kleinen Spielraum. Doch was wären Mann und Frau ohne die wunderbaren an­deren feschen Accessoires, mit denen der Körper verziert und herausgeputzt werden kann? Beliebt sind mittlerweile nicht mehr nur klassische Schmuckstücke wie Ohrringe, Armbänder, Ringe oder Uhren. Vielmehr geht der Trend hin zum „implementierten“ Körperschmuck in Form von Piercings, Tunnels und Tattoos – oder auch gerne mal zu farbenfrohen, mit kleinen Steinchen verzierten, künst­lichen Fingernägeln. Und wie schon die berühmte Coco Chanel gerne betonte: „… soll Schmuck einen nicht wohlhabend erscheinen lassen, sondern schmücken.“ Diesem Zitat schließe ich mich von ganzem Herzen an – solange dieser Schmuck im Privatleben seinen Platz hat. Im Praxisalltag sind all diese Prachtstücke nicht nur unangebracht, son­dern auch, aus hygienisch-gesundheitlicher Sicht, inakzeptabel.

In erster Linie darf dabei nicht vergessen werden, dass Infektionen nicht nur von Pa­tienten, sondern auch vom Behandlungs­team selbst ausgehen können. Daher wird in jeder Praxis zu Beginn sichergestellt, dass alle Teammitglieder frei von Infektionen sind. Ist diese Hürde überwunden, gehen wir näher auf unser wichtigstes Arbeitsmittel ein – die Hände:

Aus hygienischen Gründen eignen sich Ringe, Uhren, Armbänder oder andere Schmuckstücke und Accessoires an Händen oder Armen nicht zur Arbeit in der Praxis, da sich darunter gefährliche Bakterien sammeln können. Da­rüber hinaus wird die Reinigung und Des­infektion der Hände durch Schmuckstücke stark behindert. Auch zu lange oder gar künstliche Fingernägel stellen ein großes Risiko dar, da sie nicht ordnungsgemäß gereinigt wer­den können und im schlimmsten Fall sogar die Einweghandschuhe zerstören können. Über beschädigte Einweghandschuhe entsteht während der Behandlung unweigerlich ein direkter Körperkontakt mit Speichel oder Blut des Patienten. Das ist nicht nur gefähr­lich für den oder die Praxismitarbeiter – sondern auch für die Patienten. Und außerdem: Welcher Patient spürt schon gerne irgend­welche fremden, langen Krallen in seinem Mund oder einen großen, sperrigen Klunker? Ebenso wirken Nagellack oder andere Nageldekorationen in der Zahnarztpraxis wenig professionell und eher unappetitlich. Es ist ratsam, Fingernägel kurz, gut gepflegt und unlackiert zu halten, um einen professionel­len Eindruck zu erwecken.

Ähnlich verhält es sich mit Tattoos, Piercings oder anderen Schmuckstücken: Nicht jeder teilt die Vorliebe für derlei Körperverzierun­gen. Vor allem älteren Patienten könnten die­se Accessoires als schmuddelig oder gar anrüchig aufstoßen. Deshalb verinnerlichen Sie sich bitte, dass persönliche Vorlieben dieser Art ausschließlich ins Privatleben gehören. Sind Sie tätowiert, so passen Sie bitte Ihre Kleidung dementsprechend an. Das heißt, wählen Sie entsprechend der Tattooposition eine Praxiskleidung, welche das Tattoo verdeckt. Piercings sind, ähnlich wie Schmuck, Sammelstellen für Bakterien und sollen vor dem Dienst entfernt werden. Wenn Sie nicht ganz auf Schmuck verzichten möchten, entscheiden Sie sich für kleine Ohrstecker – keinesfalls große Creolen oder Hänger, diese können hinderlich sein.

Dieses Thema ist auch aus Gesichtspunkten des Arbeitsschutzes bzw. Arbeitsrechts nicht zu unterschätzen. Schon 1995 wurde gerichtlich festgestellt, dass der Arbeitgeber unter arbeitsschutzrechtlichen Aspekten verbind­liche Anweisungen zum (Nicht-)Tragen von Schmuck geben kann (Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 26.10.1995, Az. 4 Sa 467/95, Urteil auf www.dejure.org). Weiterhin liegt es im Ermessen der Praxis, über die Hygiene und den Arbeitsschutz hi­nausgehende Regelungen zum Tragen von Schmuck usw. zu treffen. So kann das Tragen von Schmuck oder Piercing gegen die Corporate Identity der Zahnarztpraxis verstoßen.

Allgemein ist festzuhalten, dass das generelle äußere Erscheinungsbild des Praxisteams nicht nur dazu dient, Infektionsrisiken vorzubeugen. Vielmehr verkörpert es das Image und den Ruf der Praxis. Und je besser die Reputation – desto sicherer ist auch Ihr persönlicher Arbeitsplatz!

Die bundesweit angebotenen Hygienekurse mit Iris Wälter-Bergob/Meschede und die QM-Seminare mit Christoph Jäger/Stadthagen waren auch in 2017 erfolgreich und bis auf ganz wenige Ausnahmen ausgebucht. Interessenten für 2018 sollten sich daher rechtzeitig anmelden.

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Der Beitrag ist in der ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis 3/2018 erschienen.

Foto: Redshinestudio/olyadrawing – Shutterstock.com
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