Branchenmeldungen 04.12.2025

Mit Strategie gezielt Emissionen reduzieren

Wussten Sie, dass der ökologische Fußabdruck einer Zahnarztpraxis oft höher ist als der eines kleinen Handwerksbetriebs? Der Grund: energieintensive Geräte, Einwegmaterialien und undurchsichtige Lieferketten. Doch wo beginnt man, wenn man seine Emissionen senken möchte – und das mitten im hektischen Praxisalltag? Und wie kann Nachhaltigkeit sogar bares Geld sparen?

Mit Strategie gezielt Emissionen reduzieren

Foto: octavian-catana – unsplash.com

Der erste Schritt zur gezielten Emissionsreduktion ist meist einfacher als viele denken: die Erstellung einer CO₂-Bilanz. Sie zeigt detailliert, welche Bereiche die meisten Emissionen verursachen – etwa Energieverbrauch oder gekaufte Materialien und Geräte. Diese Transparenz ist der Schlüssel für effektives Handeln, denn nur wer seine Emissionen kennt, kann sie auch gezielt verringern.

Bild von einem Quotenzeichen
„Ehrlicherweise hat uns die Tiefe der ersten Analyse und der Blick auf die real in einer Praxis anfallenden Emissionen etwas erschreckt. Umso mehr fühlten wir uns in unseren Bemühungen bestätigt als wir die positiven Zahlen bei der zweiten Berechnung gesehen haben. Trotz Umbau und Vergrößerung der Praxis haben wir unsere Ziele übertroffen. Das motiviert umso mehr für die kommenden Jahre!“ (Dr. Andreas Bauer, Zahnarztpraxis Kempten)

Damit unterscheidet sich dieser datenbasierte Ansatz klar von gängigen Praxislabels wie „DIE GRÜNE PRAXIS“, die häufig auf symbolische Maßnahmen wie digitale Verwaltung oder Mülltrennung setzen. Solche Maßnahmen sind wertvoll, doch ohne belastbare Daten bleibt unklar, welche Maßnahmen wirken.

Eine CO₂-Bilanz ist zudem eine strategische Entscheidungsgrundlage, die mehrere Vorteile bietet:

  • Kosteneinsparungen: Eine Bilanz deckt unnötigen Energie- und Materialverbrauch auf. Das kann dauerhaft Betriebskosten senken.
  • Gezielte Investitionen: Sie zeigt, wo Investitionen den größten Effekt erzielen.
  • Fördermöglichkeiten nutzen: Viele Klimaschutzmaßnahmen werden finanziell unterstützt. Die Bilanz liefert die Basis dafür.
  • Mitarbeiterbindung und Imagegewinn: Nachhaltigkeit stärkt laut Hays HR-Report 2023 bei 51 Prozent der Befragten die Mitarbeiterbindung.
  • Glaubwürdige Kommunikation: Eine CO₂-Bilanz schafft die Basis für vertrauensfördernde Kommunikation, zum Beispiel bei Patient/-innen.

Die größten Hebel: Produkte und Abfall

Erfahrungen aus zahlreichen Projekten zeigen: Der größte Hebel liegt bei eingekauften Produkten und beim Abfallaufkommen. Materialien, Einmalinstrumente oder Verpackungen verursachen erhebliche Emissionen – sowohl bei der Herstellung als auch bei der Entsorgung. Wer hier gezielt ansetzt, kann den Fußabdruck deutlich reduzieren. Entscheidend ist, auf langlebige, ressourcenschonende und recycelbare Produkte zu achten und Einwegartikel konsequent zu vermeiden.

Praxisbeispiel: 27 Prozent weniger Emissionen

Die Zahnarztpraxis Dr. Andreas Bauer in Kempten geht mit gutem Beispiel voran. Sie hat im Jahr 2024 bereits zum zweiten Mal ihre CO₂-Bilanz gemeinsam mit der Nachhaltigkeitsberatung Fokus Zukunft (www.fokus-zukunft.com) erstellt. Grundlage war die systematische Erfassung sämtlicher praxisrelevanter Daten und die daraus abgeleitete Maßnahmenplanung. Das Ergebnis: 27 Prozent weniger Emissionen in vier Jahren – und das trotz Erweiterung der Praxis und des Personals. Die umgesetzten Maßnahmen umfassten:

  • Energie: Umstieg auf regionalen Ökostrom und geringerer Wärmeverbrauch.
  • Materialien: Nutzung umweltfreundlicher Büro- und Hygienematerialien sowie recycelbarer Verbrauchsprodukte.
  • Behandlungstechnik: Einführung und konsequente Nutzung eines eigenen CEREC-Systems, das Silikonabformungen und Transportwege überflüssig macht.

Fazit

Nachhaltigkeit in der Zahnarztpraxis beginnt bei Transparenz und Daten. Eine CO₂-Bilanz zeigt, wo Emissionen entstehen, welche Maßnahmen wirken und wie sich Fortschritte wirtschaftlich wie ökologisch lohnen. Sie fördert effektive Abläufe, stärkt das Team und schafft Glaubwürdigkeit bei Patient/-innen wie Partnern.

Mit drei Schritten zur nachhaltigeren Praxis

1. BILANZ ZIEHEN Eine CO₂-Bilanz bildet die Basis und zeigt, wo die größten Emissionsquellen und Reduktions- potenziale liegen.
2. MASSNAHMEN UMSETZEN Auf dieser Basis werden gezielte Schritte umgesetzt – von Energieeffizienz über Materialumstellung bis zur Optimierung interner Abläufe.
3. ERGEBNISSE KOMMUNIZIEREN Wer offen über seine Ergebnisse spricht – auf der Website, im Team oder im Wartezimmer – stärkt Glaubwürdigkeit, Patientenbindung und das eigene Markenprofil.

Autorin: Julia Jahn

ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis 12/25

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Dieser Beitrag ist in der ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis erschienen.

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