Wissenschaft und Forschung 19.12.2016

Wurzelkanalbehandlung: Eine oder mehrere Sitzungen sinnvoller?

Jana Schikora
Jana Schikora
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Wurzelkanalbehandlung: Eine oder mehrere Sitzungen sinnvoller?

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Gibt es Unterschiede im Ergebnis, bei Komplikationen und Schmerzen, wenn Wurzelkanalbehandlungen in nur einer Sitzung oder mehreren Behandlungseinheiten durchgeführt werden? Dieser Frage widmete sich kürzlich Cochrane Oral Health und verglich dazu 25 themenrelevante Studien.

Eine Wurzelkanalbehandlung ist dann notwendig, wenn die Pulpa entzündet oder tot ist. Bei der endodontischen Versorgung des betroffenen Zahnes gibt es zwei gängige Vorgehensweisen: Entweder die Behandlung wird in mindestens zwei Sitzungen aufgeteilt, wobei in der ersten die Wurzelkanäle mit einem antimikrobiellen Mittel, das bis zum nächsten Termin die Kanäle weitestgehend sterilisiert, versorgt werden, um in den weiteren die Wurzelkanäle mit Füllungsmaterialien zu verschließen. Alternativ kann die Sterilisation sowie die Füllung in einer Sitzung erfolgen. Welcher Weg hinsichtlich Komplikationen, Verträglichkeit und Schmerzen der bessere ist, haben bereits 25 randomisierte kontrollierte Studien untersucht. Cochrane Oral Health hat diese nun miteinander verglichen.

Die 25 relevanten Zufallsstudien, die bis einschließlich 14. Juni 2016 veröffentlicht wurden, untersuchten insgesamt 3.780 Patienten, die sich einer Wurzelkanalbehandlung in einer oder mehreren Sitzungen an einem noch lebenden Zahn, einem toten oder beidem unterzogen.

Zum Vergleich der Behandlungsmethoden wurden nach den Sitzungen Röntgenaufnahmen gemacht. Dabei konnten in allen Studien keine Unterschiede zwischen der einmaligen und den mehrmaligen Behandlungen festgestellt werden. Röntgen zählt nicht zwingend zur notwendigen Vorgehensweise, wurde von den Forschern aber als effektives Mittel angesehen, um Vergleiche zu ziehen, ohne den Patienten größeren Schaden zuzufügen.

Auch bei den nachfolgenden Komplikationen konnten die verschiedenen Studien kaum Unterschiede bei den Wurzelkanalbehandlungen feststellen. Schwellungen, Fisteln, Schmerzen oder eine Extraktion des endodontisch behandelten Zahnes traten unabhängig von der Anzahl der Sitzungen auf. Lediglich die einmalig terminierten Patienten klagten in der ersten Woche nach der dentalen Therapie vermehrt über Schmerzen, die aber in der Regel durch entsprechende Medikation schnell behoben werden konnten.

Die genauere Betrachtung und der Vergleich der 25 themenrelevanten Zufallsstudien zeigen, dass es in Bezug auf Komplikationen und Verträglichkeit der einmaligen und der mehrfachen Wurzelkanalbehandlungen kaum Unterschiede gibt. Eine einmalige Sitzung ist lediglich bequemer, sowohl für den Zahnarzt als auch den Patienten, wobei hier vermehrt behandelbare Schmerzen in Kauf genommen werden müssen.

Ein Abstract der vergleichenden Untersuchung gibt es hier

Quelle: Cochrane Oral Health

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