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Praxismanagement 12.03.2018

Fluch & Segen: Die Vorbildfunktion der Praxisführungskraft

Fluch & Segen: Die Vorbildfunktion der Praxisführungskraft

Im Praxisalltag zwischen den Behandlungen der Patienten ausreichend Zeit für die Führung des eigenen Personals zu finden, gleicht oft einer Herausforderung. Dabei auch noch eine gute Führungskraft zu sein, setzt zudem jede Menge Auseinandersetzung mit dem Thema Führung und zusätzlich eine Portion Selbstreflexion voraus. Ganz egal ob man als Inhaber, als Praxismanager oder als Teamleiter in der Zahnarztpraxis Mitarbeiter führt: mit der Führungsrolle gehen neben der Verantwortung eine Vielzahl an Pflichten einher. Die Mitarbeiter zu motivieren, Aufgaben zu verteilen und Leistung nachzuhalten, das Miteinander im Team zu strukturieren und zwischen Einzelnen zu vermitteln, Feedback zu geben und reibungslose Abläufe sicherzustellen, stehen auf der ständigen To-do-Liste von Führungskräften.

Neben den Pflichten, die mit dieser Rolle verbunden sind, hat man als Führungskraft jedoch auch einen Hebel und die Möglichkeit, in der Praxis positiv auf das Miteinander einzuwirken. Den Entscheidenden sogar! Das geht ganz einfach, indem man vorlebt, was einem wichtig ist. Je nachdem, wie man die eigenen Mitarbeiter und Kollegen behandelt, gibt man dem Rest des Teams eine Vorstellung davon, was einem im Umgang wichtig ist. Wenn es einem wichtig ist, dass man sich vernünftig grüßt, sich beieinander bedankt oder ganz generell Freundlichkeit ausstrahlt, sollte man es selbst konsequent umsetzen. Indem man als Vorbild auftritt, können sich die Mitarbeiter Verhaltensweisen abgucken, sich weiterentwickeln und lernen.

Die schlechte Nachricht: auch ungünstige Umgangsformen werden automatisch abgeschaut. Wer ruppig mit der Stuhlassistenz umgeht, unter Stress emotional reagiert oder schlecht über andere redet, lebt ganz ungewollt vor, dass dies in der Praxis in Ordnung ist. An dem weit verbreiteten Spruch „Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken“ ist viel Wahres dran: wenn das Miteinander im Team unschön ist, fängt es nicht selten bereits in der Chefetage an. Als Praxisführungskraft steht man unter ständiger Beobachtung des Teams, alles wird registriert und ganz unbewusst als Messlatte benutzt.

„Man kann nicht nicht wirken“

Als Führungskraft sollte man sich daher jederzeit seiner Wirkung und seiner Rolle bewusst sein, sogar außerhalb der Praxisräume: je nachdem wie man sich auf der Praxisweihnachtsfeier oder auf dem Grillfest der Kollegin verhält: es wirkt! Es wirkt auch, wie gepflegt das eigene Erscheinungsbild bei der Arbeit ist, wie höflich man mit Patienten kommuniziert und wie patientenorientiert man auf deren Wünsche und Bedürfnisse eingeht, damit sich diese in der Praxis wohlfühlen.

Selbst beim Thema Arbeitszeiten und Anwesenheit in der Praxis ist die Führungskraft Vorbild: es macht einen Unterschied, ob man selbst morgens pünktlich in der Praxis oder bei Behandlungen erscheint oder die anderen stets warten lässt. Ob man präsent ist, Kontakt sucht und sich eigeninitiativ einbringt oder sich in jeder seltenen freien Minute im Büro hinter verschlossener Tür zurück zieht.

Und auch beim Umgang mit Krankheit ist es nicht unerheblich, wie sich der eigene Vorgesetzte verhält: schleppt sich dieser hustend und niesend in die Praxis und steckt eventuell den Rest des Teams an? Genauso dürfte sich niemand wundern, dass sich das ganze Personal beim leisesten „Zwicken und Zwacken“ krank meldet, wenn es womöglich die Praxismanagerin oder zuständige Teamleitung genauso vorlebt. An ihnen wird sich orientiert.

Auch wie vertraulich mit Informationen umgegangen wird, wie verbindlich man zu seinen Zusagen steht und wie kostenbewusst man mit Materialien, Nachbestellungen und Ausgaben generell umgeht: In jedem Bereich des Praxisalltages agieren die Führungskräfte als Vorbild.

Glaubwürdigkeit und Akzeptanz als Führungskraft steigern

Wenn man sich dieser Wirkung bewusst ist, ist einem schon viel gedient. Die Vielzahl an Chancen, die aus der Vorbildrolle entstehen, sind nicht zu unterschätzen. Man kann jede Menge im Praxisteam verändern, indem man zeigt, wie man es gerne hätte. Auch für die eigene Glaubwürdigkeit als Führungskraft ist das wichtig. Wie soll man Mitarbeitern überzeugend kritische Rückmeldung geben und aus welchem Grund soll man auf Besserung bei einer Mitarbeiterin hoffen, wenn man sich selbst in dem Punkt nicht entsprechend verhält? Es fällt Mitarbeitern schwer, Feedback anzunehmen, wenn der eigene Vorgesetzte es selbst nicht besser macht. Umso einfacher ist es für Führungskräfte bei ihren Mitarbeitern Verhalten einzufordern, ihr Feedback zu formulieren und die richtigen Worte zu finden, wenn sie wissen, dass sie die eigenen Erwartungen ebenfalls entsprechend umsetzen und vorleben.

Sogar in Mitarbeiterbefragungen zeigt sich immer wieder, dass sich Arbeitnehmer eine Führungskraft wünschen, die als Vorbild agiert und dadurch glaubwürdig ist. Beides ist Voraussetzung, um vor ihr Respekt zu haben und sie akzeptieren zu können. Das wünschen sich Vorgesetzte und Mitarbeiter wiederum gleichermaßen und es ist für eine funktionierende Vorgesetzten-Mitarbeiter-Beziehung von größter Relevanz. Damit wird die Vorbildfunktion zum entscheidenden Faktor für die Akzeptanz der Führungskraft.

Welche wichtige Rolle die Führungskraft im Praxisalltag spielt, ist nicht zu unterschätzen: angefangen bei der Personalgewinnung, bei der Arbeitszufriedenheit der Belegschaft bis hin zu der Bindung der Mitarbeiter an die Praxis. Der Führungskraft als Vorbild kommt auch vor dem Hintergrund des großen Fachkräftemangels entscheidende Bedeutung zu.

Leider ist es gar nicht so einfach, ständig perfekte Umgangsformen und einwandfreies Auftreten vorzuleben. Denn jeder steht nunmal unter Stress, ist genervt und eben auch nur Mensch. Aber es ist schon viel damit getan, sich die eigene Vorbildfunktion und die damit verbundene Verantwortung vor Augen zu halten und sich zu bemühen, jeden Tag bestmöglich darauf zu achten. Es wird Momente geben, in denen es einem trotz aller Bemühungen nicht gelingt ein gutes Vorbild zu sein - aber in diesen Fällen braucht es eigentlich nur den Mut sich auch einmal zu entschuldigen oder eigenes Fehlverhalten eingestehen zu können. Denn selbst dabei ist man Vorbild. 

Foto: Flamingo Images – stock.adobe.com
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