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Statements 05.03.2014

Einfach nicht erwähnt

Einfach nicht erwähnt

Jürgen Pischel spricht Klartext

Unisono bemühten sich die anwesenden Gesundheitssprecher aus der Großen Koalition im Bundestag beim Neujahrsempfang der Spitzenorganisationen der Zahnärzteschaft, BZÄK und KZBV Ende Januar in Berlin in ihren Grußworten und Statements, den anwesenden Zahnarzt-Funktionären aus ganz Deutschland – das Treffen ist ein besonders beliebtes Event im Jahreskalender – beizubringen, dass das Nichterwähnen der Zahnärzte im Koalitionsvertrag keine Missachtung darstelle, sondern Ausdruck besonderer Wertschätzung sei.

Auf hunderten Seiten Handlungsanweisungen für das Regieren der nächsten vier Jahre mit keiner Silbe erwähnt zu werden, habe den Grund nicht darin, dass die Zahnarztfunktionäre nichts Bedeutsames vorzubringen gehabt hätten oder eben einfach mit der Situation recht zufrieden seien. Nein, es biete nun die Chance, unbelastet von Vorgaben mit neuen Ideen und Strategien für ein Weiterbringen der zahnmedizinischen Versorgung an die Parlamentarier und den neuen Gesundheitsminister heranzutreten.

Letzterer hat jedoch schon zu erkennen gegeben, dass er sich vornehmlich darauf konzentrieren wird, den Part Gesundheit im Koalitionsvertrag abzuarbeiten und sich nicht auch noch mit neuen Nebenthemen beschäftigen zu wollen. Nichterwähnung als Chance, unbedeutend auf die Seite gestellt zu sein, aber vielleicht auch keine weiteren Schläge abzubekommen.

Hellhörig muss jeder einigermaßen erfahrene Beobachter der Politszene jedoch werden, wenn er aus den Berichten der Standespresse zum Neujahrsempfang entnehmen muss, dass auch die Vertreter der Oppositionsparteien, Die Linke und Die Grünen fast überschwänglich eine besonders sozialverantwortliche und staatstragende Rolle der Zahnärzte-Körperschaften im solidarischen Gesundheitssystem hervorgehoben haben. Systemkonformität präge sozusagen das Handeln der Zahnarztfunktionäre.

Welch ein Paradigmenwechsel sich in der zahnärztlichen Standespolitik Schritt für Schritt da seit der Einführung der Hauptamtlichkeit in den KZVen und der KZBV als oberste politische Handlungsoption der Kassen-Zahnärzteschaft eingeschlichen hat, ist schon erschütternd, wenn es auch nicht anders zu erwarten und von den Regierenden damals auch so vorgesehen war.

Ging es früher in den Auseinandersetzungen in der Gesundheitspolitik um eine flächendeckende Durchsetzung der freien Therapie- und Kostenvereinbarung mit dem Patienten in der gesamten Zahnheilkunde, geht es heute um die Behandlung der Nuckelflaschenkaries auf Kasse und die Durchsetzung von drei Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt zwischen dem 6. und 30. Lebensmonat. Viele Lorbeeren sind da nicht zu ernten, wenn man aus zahnmedizinischen Erhebungen der Wissenschaft weiß, dass auf nur zwei Prozent der Kleinkinder über 50 Prozent des Kariesbefalls vereint sind. Eine meist nur schwer erreichbare und insgesamt vom Zahnarzt ferne Zielgruppe. Nur ein aktuelles Beispiel des berufspolitischen Paradigmenwechsels, das vielfältig ausbauend ergänzt werden könnte.

So stehen Themen der Abwehr der GOZ-BEMAtisierung bei der BZÄK weniger im Fokus des Handelns als das Vorhaben der EU, das deutsche Berufskammernsystem auszuhebeln zu versuchen, verhindern zu können, um die Zwangsmitgliedschaft zu retten.

Arbeiten Sie also weiter brav mit Ihren Patienten, den Berufsfunktionärs-Systemerhalt zu finanzieren – ein 52-jähriger KBV-Vorsitz-Rentner erhält 270.000 € Jahresrente, ein KZBV-Kollege ist im Pensionsbezug ähnlich privilegiert – viel Erfolg und Freude,

Ihr J. Pischel

Foto: © Laurent Hamels - Fotolia.com
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