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Branchenmeldungen 03.12.2020

Erhaltungstherapie bei Myokardinfarkt und Polypharmazie

Erhaltungstherapie bei Myokardinfarkt und Polypharmazie

Immer wieder werden wir in der Praxis mit Patientenfällen konfrontiert, die ein interdisziplinäres Denken und Handeln erfordern. Dabei ist das Wissen um die individuelle Medikation und deren Auswirkungen auf die Mundgesundheit unserer Patienten von unschätzbarem Wert.

Ausgangssituation

Die Patientin leidet an einer generalisierten Parodontitis im Stadium IV Grad C und stellt sich seit drei Jahren in 3-Monatsintervallen zur unterstützenden parodontalen Therapie (UPT) vor.  Die im Jahr 2016 durchgeführte Parodontitis-Behandlung erfolgte geschlossen in Form einer Full-Mouth-Therapy in Verbindung mit einer Full-Mouth-Disinfection. Zudem leidet die Patientin unter einer Hypertonie, dem Restless-Legs-Syndrom (RLS), und ist am Arbeitsplatz starken psychischen Belastungen ausgesetzt.

Alle Molaren  weisen eine schlechte Prognose auf, allerdings möchte die Patientin ihre Zähne erhalten und erscheint daher zuverlässig zu ihren UPT-Terminen. Ihre allgemeinmedizinische Medikation umfasste zu diesem Zeitraum zusammen zwei Antihypertonika, ein Antidiuretikum sowie ein L-Dopa-Präparat  im Rahmen der RLS-Therapie.

Dann veränderte sich alles für die Patientin: sie erlitt einen Herzinfarkt, woraufhin zeitnah ein Stent gesetzt wurde. In Anschluss erfolgte eine Reha, die Herzmedikation wurde komplett umgestellt.

Drei Monate nach ihrem Herzinfarkt erschien die Patientin wieder zur UPT. Die geplante Behandlung konnte aufgrund massiver Pus-Austritte an den parodontal geschädigten Molaren sowie an den Implantaten 45 und 46 nicht erfolgen. Die Klinik zeigt alle Entzündungszeichen. Der Patientin ging es physisch wie psychisch schlecht.

Therapeutische Vorgehensweise

Die Behandlungsoptionen waren im Zustand der Patientin stark eingeschränkt, und vor allem war Fingerspitzengefühl gefragt. Vorsichtiges Biofilmmanagement sowie die Spülung aller Taschen mit 1%-iger Chlorhexidin-Lösung konnte durchgeführt werden, ergänzt durch Einlage cortisonhaltiger Salbe. Zeitgleich wurden alle nötigen Schritte für die Beantragung einer erneuten Parodontitis-Therapie durchgeführt. Da die Patientin zu diesem Zeitpunkt unter anderem ein Nifedipin-haltiges Präparat einnahm, empfahl ich eine Vorstellung beim Kardiologen, um die Beschwerden zu besprechen und gegebenenfalls die Medikation zu überdenken.

Zwei Tage später habe ich die Taschen erneut gespült und an den Stellen 45, 46 und 47 PerioChip gesetzt, um vor allem die Implantate und den stark abgebauten Zahn 47 antientzündlich zu behandeln und eine tiefgreifende Periimplantitis zu verhindern. Bei PerioChip handelt es sich um einen Matrix-Gelatine-Chip mit dem Wirkstoff Chlorhexidin in 36%-iger Konzentration. Mit einem lokal zu applizierenden Slow-Release Medikament wie PerioChip trifft man meiner Meinung nach eine gute Wahl wenn es gilt, Entzündungsfreiheit zu schaffen und Zeit zu gewinnen. Gerade in dem geschilderten Fall stellt das 2,5 mg Insert für Parodontaltaschen eine praktikable Therapieoption dar, da keine systemischen Wechselwirkungen mit den eingenommenen Medikamenten zu erwarten sind.

Abbildungen von links nach rechts: Messung der Sondierungstiefe; Applikation des Chlorhexidin-Chips – Schritt 1; Applikation des Chlorhexidin-Chips – Schritt 2. © Nicole Einemann

Nachdem die Patientin aufgrund ihres schlechten gesundheitlichen Zustands einen UPT-Termin ausgesetzt hatte, kam sie drei Monate darauf wieder zum Termin. Die klinischen Entzündungszeichen waren deutlich zurückgegangen. Die tiefe Tasche mesial an Zahn 47, sowie die 6 mm Tasche distal am Implantat 46 werden erneut mit Chlorhexidin-Gelatine-Chips behandelt. Der Kardiologe hatte in der Zwischenzeit das nifedipinhaltige Medikament abgesetzt, da er eine Unverträglichkeit gegen den Wirkstoff festgestellt hatte.

Die Patientin fühlt sich gesamtgesundheitlich deutlich besser und kann sich in Ruhe auf die durchzuführende Parodontitisbehandlung vorbereiten. Zum langfristigen Erhalt des Implantates 46 ist die Entfernung des Zahnes 47 zu überlegen.

Die minimalinvasive Behandlung durch PerioChip in Verbindung mit einem sensitiven Biofilmmanagement kann in besonderen Fällen helfen, zunächst Entzündungsfreiheit zu schaffen und langfristig den Zahnerhalt zu sichern.

© Dexcel Pharma GmbH

Pflichttext als PDF: PerioChip 2,5 mg Insert für Parodontaltaschen

Mehr über die Autorin Nicole Einemann, Dentalhygienikerin und  zertifizierte Ernährungsberaterin, unter:

www.dh-10punkt0.de 
www.facebook.com/dh10punkt0
https://www.instagram.com/dentalhygiene_10.0/

Autorin: Nicole Einemann

Foto Teaserbild: Nicole Einemann

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