Anzeige
Branchenmeldungen 09.07.2019

Genial oder gewagt? Zahnärztin nennt Praxis „Fotznspanglerei“

Genial oder gewagt? Zahnärztin nennt Praxis „Fotznspanglerei“

„Mundstolz“, „Volksmund“, „DekaDENT“ oder „SmileDesign“ – einige Zahnärzte werden richtig kreativ, wenn es um die Wahl ihres Praxisnamens geht. Eine Zahnärztin aus dem bayerischen Garmisch-Partenkirchen wählte kürzlich einen Namen für ihre Praxis, über den mittlerweile die gesamte Republik diskutiert.

Dentist oder Zahnklempner sind wohl gängige Synonyme für den Beruf des Zahnarztes. Das bayerische Wort „Fotznspangler“ ist außerhalb des Freistaates hingegen weniger bekannt und mag für manchen zunächst andere Assoziationen hervorrufen. Doch seit dem 7. Januar 2019 können Patienten in Garmisch-Patenkirchen einen Termin in der [fotzn’spanglerei] | ZAHNARZT vereinbaren. Zahnärztin Petra Volz hat die Zahnarztpraxis von ihrem Vorgänger übernommen und ihr einen ganz eigenen Schliff verpasst. Dass sie mit ihrer Namenswahl so rege Diskussionen auslöst, konnte sie bei der Planung noch nicht ahnen.

„Die [fotzn’spangerlei] war der tatsächlich erste konkrete Name, der ernsthaft diskutiert wurde, und in der Abwägung, ob wir mit diesem Namen einen erfolgreichen Marktauftritt haben können, haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wie wir eine Praxis alternativ benennen würden. Jegliche Alternative, die als Idee in den Raum gestellt wurde, hat jedoch weder eine annähernd große Begeisterung ausgelöst noch hätten wir uns mit Blick auf unser Gesamtkonzept einen anderen Namen vorstellen können. Wir wollten unbedingt die regionale Verwurzelung zum Ausdruck bringen, da die gesamte Mannschaft aus der unmittebaren Umgebung stammt, ich selbst Oberbayerin mit Herz bin und wir alle Zulieferungen so lokal wie möglich halten wollen. Das hat für uns kein anderer Begriff so transportiert wie die [fotzn’spanglerei].“, erzählt Petra Volz der ZWP online-Redaktion.

Dass das auch falsch verstanden werden kann, zeigte die folgende Situation: „Die schlimmste ‚Reaktion‘ war ein Brief, der mich mitten im Umbau Ende 2018 erreicht hat und mich für einen Moment emotional komplett aus der Bahn geworfen hat. Die Verfasserin wollte die Namensgebung partout missverständlich interpretieren, unterstellte frauenfeindliche Interpretation und spektulierte über die Zumutung gegenüber den Damen, die sich mit diesem Namen am Telefon melden müssten. Natürlich habe ich in diesem Moment darüber nachgedacht, ob wir nicht zu nassforsch waren und uns die Patienten fernbleiben würden. Mein engster Vertrautenkreis, der mit mir das Konzept zusammen verbrochen hat, hat mich aber schnell wieder eingenordet. Aufstehen, Krone einsetzen und an das glauben, was wir über ein halbes Jahr bis ins letzte Detail konzipiert hatten.“

Doch auch das konnte Petra Volz’ Überzeugung nicht schmälern, ihren Weg genau wie geplant weiterzugehen: „Mit einigem Abstand betrachtet bin ich zwischenzeitlich dankbar, dass allein der Name dazu beiträgt, bestimmte Charaktere als Patienten aus dieser Praxis fernzuhalten. Das erleichtert unser aller Leben und wir können uns in der überwiegenden Zahl über unsere Patienten freuen und den Zahnarztbesuch zum Happening werden lassen. So haben wir es bislang im Teamplay geschafft, auch den größten Zahnarztphobiker durch dringend notwendige Behandlungen zu begleiten.“

Die negativen Reaktionen sind glücklicherweise die Ausnahme, sodass sich Zahnärztin Petra Volz jeden Tag aufs Neue in ihrer Namenswahl der Fotznspanglerei bestätigt fühlt, wie sie der ZWP online-Redaktion berichtet: „Mit deutlich über 90 Prozent überwiegen die positiven Reaktionen, die direkt an uns herangetragen wurden. Das reicht von einfachem Zuspruch, dass die Patienten sich bei uns wohlfühlen, bis hin zur Solidaritäts-Erdbeertorte mit unserem Namen als Marzipaneinlage drauf.“

Obwohl die Praxis gerade erst ein paar Monate geöffnet hat, kann Zahnärztin Petra Volz schon allerlei Stories erzählen, die ihr aufgrund der Namenswahl passiert sind: „Eine kuriose Anekdote z.B. war die Einrichtung unserer Praxissoftware, deren Anbieter in Hamburg beheimatet ist und die Nennung des Namens erst einmal für Stille und verwunderte Gesichter gesorgt hat. Nach Erklärung der Begrifflichkeit war das allerdings schnell ausgeräumt. Ebenso hatten wir schon Urlauber als Schmerzpatienten aus Berlin, die unbedingt ein Handyphoto vor unserer Schindelwand mit Logo haben wollten, da „dies ihnen in Berlin niemand glauben würde, wo sie heute waren“! Wenn meine Mädels am Telefon die E-Mail-Adresse weitergeben müssen, gab es schon unzählige Rückfragen und auch herzliche Lacher auf der Gegenseite, je nachdem wie sehr die Gesprächspartnerin oder der Gesprächspartner des Bayerischen mächtig war.“

Für ihre jungen Kollegen, die ebenfalls vor einer Übernahme oder Neugründung stehen, hat Petra Volz noch ein paar wichtige Tipps parat: „(Ver)Traut Euch! Vergesst die Illusion, es jedem recht machen zu können, das ist nicht nur unmöglich, sondern auch unnötig. Findet ein Konzept, hinter dem Ihr voll steht, auch wenn es zu Gegenwind führt. Dabei gibt es kein richtig oder falsch, sondern nur die Frage: Passt es zu mir? Und kann ich es aus voller Überzeugung zum Leben erwecken? Bildet euch eine eigene Meinung, Berater sind gut und wichtig, aber Ihr müsst immer Frau bzw. Herr der Entscheidung sein.“

Wir wünschen der [fotzn’spanglerei] | ZAHNARZT weiterhin alles Gute und viel Erfolg!

Foto: Robert Maschke/[fotzn’spanglerei] | ZAHNARZT

Mehr News aus Branchenmeldungen

ePaper

Anzeige