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Wissenschaft und Forschung 25.02.2021

Rarer Befund: Endokarditis durch Zahnseide?

Rarer Befund: Endokarditis durch Zahnseide?

Foto: Rasi – stock.adobe.com

Die infektiöse Endokarditis (IE), eine meist durch Bakterien hervorgerufene Entzündung der innersten Schicht der Herzwand, ist eine seltene Diagnose, die aufgrund ihrer verschiedenen subtilen Erscheinungsformen und zugrunde liegenden Risikofaktoren schwer zu erkennen ist. In einem außergewöhnlichen klinischen Fall wurde nun – entgegen der wissenschaftlichen Befundlage – die Entstehung einer IE auf die Verwendung von Zahnseide zurückgeführt.

Präsentes oder kürzlich aufgetretenes Fieber ist bei einer IE-Erkrankung das am häufigsten auftretende Symptom. Während es eine Reihe von inhärenten Risikofaktoren gibt, die Patienten für IE prädisponieren, sind Zahnbehandlungen, durch die native Mitralklappen mit Bakterien der Streptococcus viridans-Gruppe kolonisiert werden, oft ein Auslöser der Erkrankung. Bislang wurde die Verwendung von Zahnseide mit einer Verringerung des IE-Risikos in Verbindung gebracht, was die Einzigartigkeit des eingangs erwähnten Falles unterstreicht. Darin diagnostizierte die US-Amerikanerin Dr. Rachel E. Bridwell eine durch Streptococcus gordonii, einem prominenten Vertreter der Streptococcus viridans-Gruppe, entstandene subakute IE einer insuffizienten nativen Mitralklappe, deren Ursprung sie auf den aggressiven Gebrauch von Zahnseide durch den Patienten zurückführte. Ein 63-jähriger Mann mit langjähriger Mitralinsuffizienz kam aufgrund von mehrwöchigem persistentem Fieber in die Notaufnahme. Der Patient verneinte kürzlich stattgefundene Zahnbehandlungen, Darmspiegelungen, intravenösen Drogenkonsum, Alkoholkonsum sowie Hämodialyse. Jedoch gab er an, seine Zähne regelmäßig energisch mit Zahnseide, mit blutendem Zahnfleisch als Folge, zu säubern. Davon abgesehen notierte die Behandlerin keine Anomalitäten und die Laborwerte bewegten sich im Normbereich. Drei separate Blutkulturen, die mit fünfzehn Minuten Abstand voneinander gesammelt wurden, wiesen grampositive S. gordonii-Bakterien auf. Die transösophageale Echokardiografie offenbarte eine kleine Vegetation auf dem hinteren Segel der Mitralklappe. Basierend auf diesem Befund wurde die Antibiotikatherapie auf die tägliche Gabe von Gentamicin sowie Penicillin G als Dauerinfusion eingegrenzt. Am dritten Krankenhaustag war das Blut des Patienten frei von S. gordonii und er wurde mit ambulanten Gentamicin- und Penicillin-Infusionen entlassen.

Dieser klinische Fall beschreibt eine ungewöhnliche Ätiologie einer seltenen Erkrankung. Ein früherer Bericht zeigte bereits eine ähnliche antimikrobielle Behandlung von S. gordonii-bedingter IE, obgleich dieser Fall auf die Inzision und Drainage eines Zahnabszesses zurückzuführen war. Bisher wurde noch kein Fall mit einer durch Zahnseide induzierten IE einer nativen Mitralklappe beschrieben. Demnach sind Notfallmediziner dazu angeraten, diese Diagnose bei Patienten mit Risikomerkmalen und rezidivierendem Fieber ohne identifizierbare Quelle in Betracht zu ziehen.

Quelle: Cureus

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