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Finanzen 01.04.2013

Das läuft runter wie Öl…

Wolfgang Spang
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Das läuft runter wie Öl…

Im Jahre 2007 frohlockten einige „Brancheninformationsdienste“, weil das OLG Stuttgart in einem Urteil festgestellt hatte, dass derartige Publikationen gewissermaßen die „Pflichtlektüre“ eines Anlageberaters seien. Aus unterschiedlichsten Quellen flattern mir jeden Monat haufenweise „Fachzeitschriften“ mit vielen Anzeigen und auch anzeigenfreie Pflichtlektüren, „Insider Reports“ u.ä. auf den Tisch, die alle nur das Wohl des Anlegers im Auge haben und absolut treffsicher gut und böse unterscheiden können. Nur selten schaut dieser schreibenden Dr. AllwissendZunft jemand auf die Finger. Gelegentlich erlaube ich mir den Spaß und finde dabei immer wieder wahre Perlen „sorgfältiger“ Recherche und tolle Anlageempfehlungen, die mir Tränen in die Augen treiben. Hier ein wunderbares Beispiel: In der Ausgabe 07/2009 eines Drei-Buchstaben„Insider Reports“ las ich einen Bericht über das Beteiligungsangebot der Firma Proven Oil Canada (POC), Berlin. Nach mehr als 30 Jahren Erfahrung in der Finanzbranche gibt es Firmennamen und Anlagekonzepte, die mich hellhörig und sofort misstrauisch werden lassen. So war es auch bei diesem Angebot. Die sachliche Analyse des Angebots wirkte auf mich irgendwie wie ein Werbeartikel, obwohl das Fazit noch neutral formuliert war: „Der Erfolg der Beteiligung hängt maßgeblich von der Managementleistung des Anbieters ab, das dieser in der Praxis nun unter Beweis zu stellen hat […] Von daher stellt dieses Angebot für risikobewusste und sehr chancenorientierte Investoren eine interessante Anlage zwecks Portfolio-Ergänzung dar.“ In der Zeit von Februar 2009 bis Dezember 2012 konnte ich in dieser „Pflichtlektüre für Anlageberater“ insgesamt 14 Beiträge zu Beteiligungsangeboten der Fa. POC finden, die allesamt für meinen Geschmack einen deutlich werbenden Charakter hatten. So folgte z.B. in der Ausgabe 33/2011 mit der Überschrift: „POC: Hohe notariell gelegte Rückflüsse aus Öl und Gasgeschäft“ ein ausführlicher Beitrag, der nach meinem Dafürhalten auch von der PR-Abteilung von POC stammen könnte. Er gipfelte in dem Fazit: „Der im deutschen Markt noch junge Öl- und Gasfondsanbieter POC hat mit einer erstaunlichen Platzierungsgeschwindigkeit, beflügelt durch ein professionell
arbeitendes Management in Kanada im Einkauf und bei der Optimierung der Quellen sowie einer damit eng korrespondierenden bisherigen TopPerformance für die deutschen Anleger, sich erstaunlich routiniert in die Phalanx der vertriebsstarken Beteiligungsanbieter katapultiert.“ Aber nicht nur die „Insider Reports-Pflichtlektüre“ war von den POC-Angeboten angetan. Auch „Deutschlands älteste Ratingagentur für geschlossene Fonds“ – wieder eine Drei-Buchstaben-Firma – bewertete zwei Angebote der POC mit „Gut“ und schrieb u.a.: „Der Verkaufsprospekt ist branchenüblich aufgebaut […] Über das Unternehmen selbst sind nur wenige Informationen enthalten. […] Die Investitionen sowie der Fondsverlauf werden durch diverse externe Gutachten und Bestätigungen dokumentiert.“

Trotz dieser guten Beurteilung durch die Ratingagentur und der fast euphorischen Berichterstattung des „Insider Reports des freien Kapitalmarktes für Anlageberater, Banken, Initiatioren und Anleger“ sagte mir eine innere Stimme: „Das Ding ist und bleibt faul.“ Manchmal dauert’s halt eine Weile, bis der Gestank auch anderen in die Nase steigt. Im Januar 2013 war es dann so weit. In der „WirtschaftsWoche“ vom 7. Januar 2013 wurde ich fündig. Unter der Überschrift „Oh, wie schön ist Kanada“ wurde der Deckel vom Fass gehoben und die Firma POC und ihre Drahtzieher intensiv beleuchtet: „Die Hintermänner der Firma bleiben im Dunkeln. Spuren führen zu Milliardenpleitier Jürgen Hanne, der mit Immobilienfonds bereits Tausende Investoren schädigte. […] Bei genauem Hinsehen erweist sich die Investmentidee als Räuberpistole […] Hanne wurde wegen Betrugs auf Bewährung verurteilt und setzte sich nach Kanada ab. […] Tatsächlich dürfte sich das Management mit Olivenöl besser auskennen als mit Erdöl […] Crombie war laut Profil im Netzwerk LinkedIn Finanzchef einer Hotelkette und Gründer einer Finanzagentur […] Nakamura war laut LinkedIn-Profil Assistant Manager in Hotels und Knigge-Berater für Geschäftsleute […] Die Belege, die Proven Oil Canada (POC) der „WirtschaftsWoche“ präsentiert, werfen mehr Fragen auf als sie beantworten und hinterlassen den Eindruck, dass hier professionelle Blender am Werk sind […] Galba (Anmerkung: Geschäftsführerin POC) präsentiert etwa die im Mai eingegangenen Abrechnungen des POC Eins für April, inklusive beglaubigter Kontoauszüge, sie deutet auf die Prägungen des Notars im Papier. Darauf steht ein Plus von 1,65 Mio. kanadischer Dollar. Allerdings bescheinigt der Notar nur, dass er den ausgedruckten Auszug mit dem Onlinezugang für das Konto abgleichen konnte. Unerwähnt bleibt: Als Anzeigezeitraum sind nur Kontobewegungen vom 25. bis 26. Mai 2011 eingestellt. Erträge von 1,65 Mio. Dollar zu suggerieren mit einem Kontoauszug, der nur die Zu- und Abflüsse von zwei Tagen zeigt, ist absurd.“

In einem Punkt aber scheint der POC-Beteiligungsprospekt sehr ehrlich auf mögliche Risiken hingewiesen zu haben – schade nur, dass der „Insider Reports“ und „Deutschlands älteste Ratingagentur“ den Hinweis übersehen haben. Die „WirtschaftsWoche“ hat ihn jedenfalls gefunden: „Geradezu grotesk sind die in den Prospekten benannten rechtlichen Risiken. In einigen wird gewarnt, dass ‚betrügerische Absichten’ von Vertragspartnern der Fondsgesellschaft ‚nicht ausgeschlossen’ werden können. ‚So etwas habe ich in einem Prospekt noch nicht gelesen’, sagt Anlegeranwalt Martin Seidel […].“ Nach meiner Meinung zu Recht – wie es das POC-Beispiel belegt – hat der Bundesgerichtshof im Oktober 2008 entschieden, dass die einschlägigen „Brancheninformationsdienste“ nicht zur Pflichtlektüre eines Anlageberaters gehören. Bewertungen von Ratingagenturen scheinen manchmal sehr blauäugig zu sein und wirklich ernst zu nehmen nur dann, wenn sie schlecht ausfallen.

Foto: © cirquedesprit - Fotolia.com
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