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Praxismanagement 27.09.2017

Hilfe – Wir werden geprüft!

Gabi Schäfer
E-Mail:
Hilfe – Wir werden geprüft!

Dieser Notruf erreichte mich aus einer gro­ßen Mehrbehandlerpraxis, in der ich vor circa zwei Jahren mein Seminar zur Wirtschaftlichkeitsprüfung „Meins bleibt meins“ für das gesamte Praxisteam gehalten habe. In diesem Seminar – in dem konkrete Kürzungen aus aktuellen Prüfungsverfahren ausgewertet und Strategien zur Vermei­dung solcher Kürzungen vorgestellt wurden – habe ich die üblichen Einwände behandelt, wie zum Beispiel:

• Wieso muss ich bei Mu, sK üZ usw. die Regio dokumentieren?
• Wenn der BEMA-Prüflauf keine Fehler findet, ist doch alles in Ordnung – oder?
• Warum reicht denn nicht das Aufschreiben der Gebührenziffern?
• Dokumentation ist doch Sache der Mitarbeiter – ich muss behandeln!

Nach diesem Seminar hat die Praxis vieles umstrukturiert und die digitale Dokumen­tation wesentlich verbessert. Natürlich war man überrascht und verunsichert, als das Einschreiben mit der Einladung zu einer Stichprobenprüfung an der Rezeption ab­gegeben wurde. Da jedoch der Prüfungs­zeitraum die Zeit nach der Umstrukturierung betraf, war der Praxisinhaber nach dem ersten Schreck zuversichtlich, dass mit einem Beratungstag vor Ort man dann gelassen dieser Prüfung entgegensehen könne.

Beim Vor-Ort-Termin sagte mir dann der Hauptverantwortliche, dass er sich schon eingehend mit allen angeforderten Kartei­karten auseinandergesetzt habe und bis auf zwei Fälle die Dokumentation vollstän­dig und schlüssig fand. Zum „Aufwärmen“ haben wir dann einen der vermeintlich „harmlosen“ Fälle überprüft. Schon beim ersten Behandlungstag aus dem Prüfungszeitraum stellten sich bereits Fragen: Warum ist der Patient an diesem Tag überhaupt vorstellig geworden? War es ein Schmerzfall oder eine Routineuntersuchung? Welche Indikation gab es für die angefertigte Bissflügelaufnahme?

Am nächsten Behandlungstag wurde eine Füllung an einem Molaren gelegt: Anäs­­thesie, Cp, odl-Füllung mit Materialangabe. Ich lobte den Zahnarzt für die Dokumenta­tion des Füllungsmaterials, fragte dann aber, ob dieses Material für diese Kavitätenklasse überhaupt zugelassen sei. Nach Recherchen im Internet und letztendlichem Anruf beim Hersteller stellte sich heraus – oh Schreck –, dass dieses Füllungsmaterial im Molarenbereich gar nicht für eine defi­ni­tive Füllung geeignet ist. Als ich dann da­­rauf hinwies, dass die Cp nur als Abrechnungsposition ohne Dokumentation dasteht und die Prüfungskommission eine Beteuerung „Wenn ich eine Cp abrechne, dann entspricht das den BEMA-Richtlinien, ich würde niemals ...“ mit einem müden Lä­cheln quittieren wird – da war es schließ­lich soweit, dass ich die Bachblüten-Notfallbonbons aus der Tasche holen musste, die ich für solche Situationen immer bei mir führe.

Nach dieser „Aufwärmübung“ wandten wir uns einem der „weniger harmlosen“ Fall zu. Hier war ganz eindeutig die Kons-Richtlinie 9 verletzt, die präzise regelt, wann ein Zahn nicht zulasten der GKV endodontisch behan­delt werden darf. Das Drehbuch in solchen Kürzungsfällen ist eigentlich immer gleich: Patient beteuert unter Tränen, dass er eine private Wurzelbehandlung nicht zahlen kann und Zahnarzt, der von der Erhaltungsfähig­keit des Zahnes überzeugt ist, bringt es aus ethischen Gründen einfach nicht übers Herz, diesen Zahn zu extrahieren. So lässt er sich auf den faulen Kompromiss ein, die Wurzelbehandlung zulasten der GKV durchzu­füh­ren und hofft, dass dies niemand merkt.

Die Prüfungskommission wird natürlich eine solche Behandlung ganz sicher als Wohltätigkeitsveranstaltung klassifizieren und das „Schein“-Honorar für die Wurzelbehandlung zurückfordern. Der Zahnarzt steht also hier im Spannungsfeld des „Nein“ des Patienten und des „Nein“ der Prüfungskommission.

Den einzigen Ausweg sehe ich in einer umfassenden Aufklärung des Patienten – wie es etwa in der Patientenaufklärung der Synadoc-CD implementiert ist. Bleibt dann der Patient bei seinem „Nein“ und wechselt zum Nachbarkollegen, so hat unser Zahn­arzt sein Problem einfach an den Nachbarkollegen abgegeben.

Womit ich in meinen Beratungen auch im­mer zu kämpfen habe, ist die Aussage der Behandler: „Dokumentation ist die Aufgabe der Mitarbeiter!“. Die Abrechnungfee sitzt normalerweise im Büro und kann daher während der Behandlung nicht in den Mund gucken. Soll sie etwa bemerken, dass die Vipr vor Eingliederung einer Krone an einem im Vorquartal wurzelbehandeltem Zahn vorgenommen wurde?

Auch hier musste ich wieder die Notfall­bonbons zücken. Für die Dokumentation ist allein der Zahnarzt verantwortlich – oder glauben Sie etwa, dass eine Herz-OP von der Assistenzschwester dokumentiert wird?

Aber es gibt auch Erfreuliches zu berichten: Von einer von mir erfolgreich beratenen Praxis, bei der 377 Karteikarten OHNE Kür­zung überprüft wurden, wurde ich zu einer Wirtschaftlichkeitsüberprüfungs-Party eingeladen! Falls auch Sie einer Wirtschaftlichkeitsprüfung gelassen entgegensehen möchten – kontaktieren Sie mich unter www.synadoc.ch

Der Beitrag ist in der aktuellen Ausgabe der ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis 7+8/2017 erschienen.

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